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Warum Prüftechniker zu ungewöhnlichen Mitteln greifen

Belastungstest für 1100 Straßenlaternen

Aerzen (sbr). Die Erde vibriert, der Geräuschpegel steigt und plötzlich bringt sich ein mit Gummiketten ausgestatteter Minibagger samt seinem merkwürdigen Greifarm direkt neben der Straßenlaterne in Position. Ein Mitarbeiter der Firma Roch Services GmbH aus Lübeck legt dem Laternenmast eine gummigeschützte Kette um – und auf den ersten Blick sieht es so aus, als wollten er und sein Kollege die Straße auf recht brachiale Art und Weise von ihrer gerade erst auf energiesparende Leuchtmittel umgerüsteten kommunalen Lichtquelle befreien. Bei genauerer Betrachtung fällt ein Schriftzug auf dem Ausleger des Minibaggers auf: Standsicherheitsprüfung steht da zu lesen.

veröffentlicht am 02.08.2015 um 15:16 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:48 Uhr

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Lässt der Flecken Aerzen jetzt nach dem Sturmtief „Zeljko“ vom Wochenende nicht nur die Standsicherheit von Bäumen, sondern auch von Straßenlaternen überprüfen? „Unter dem Gesichtspunkt der Verkehrssicherungspflicht sind Kommunen verpflichtet, die Standsicherheit von baulichen Anlagen zu überprüfen. Dazu gehören auch Straßenlampen“, erklärt Aerzens Erster Gemeinderat Andreas Wittrock. Die Kontrolle habe aber nichts mit dem Sturm vom Wochenende zu tun, sondern wurde bereits in einigen Bereichen der Gemeinde im vergangenen Jahr begonnen und nun straßenzugweise in diesem Jahr fortgesetzt, so Wittrock.

Um im Schadensfall eventuell auf die Kommune zukommende Ersatzforderungen ausschließen zu können, genügen einfache Sichtprüfungen ebenso wenig wie Rüttelproben per Muskelkraft, die bei Grabsteinen auf Friedhöfen angewandt werden. Ein turnusmäßiger Austausch aller Masten wäre unwirtschaftlich, denn dann würden auch völlig intakte Masten ausgetauscht. Das Prüfverfahren, das die Fachfirma eigenen Angaben zufolge weltweit bereits bei einer Million Masten angewandt hat, wird von einem Laien vielleicht als nicht gerade sensibel empfunden. Die Firma verweist auf ihrer Internetseite aber ausdrücklich auf ihre „weltweit patentierte und eingesetzte Prüftechnik zur zerstörungsfreien Prüfung von Mastsystemen“ hin. Also kann man davon ausgehen, dass der Mast, sollte er tatsächlich noch standfest sein, diesen Zug- und Druck-Test schadfrei übersteht.

Aber was passiert da eigentlich genau, wenn der Bagger den Laternenmast mal leicht zu sich hinüberzieht, dann wieder dagegendrückt? „Bei unserer Standsicherheitsprüfung wird der Mast durch künstlich erzeugte Windlast auf Biegung beansprucht und es werden sowohl die Trag- als auch die Lagesicherheit überprüft“, erklärt Christian Brückner, Prüfteamleiter bei der Firma Roch, den Material- und Verankerungstest. Die Standsicherheitsprüfung besteht aus einem Druck- und einem Zugvorgang und wird in zwei verschiedenen Achsen durchgeführt.

Während die eingeleitete Kraft und die durch das Biegemoment erzeugte Auslenkung des Mastes zeitgleich gemessen werden, werden die eingehenden Daten in einem speziellen Computerprogramm grafisch in einem Kraft-Weg-Diagramm dargestellt und ausgewertet, erklärt er, bevor sich das Prüferduett samt Bagger den nächsten Masten vornimmt. Eine Menge Arbeit, denn allein in der Gemeinde Aerzen gibt es insgesamt 1100 Laternenmasten. „Im vergangenen Jahr wurden die ersten 218 Masten in Aerzen, Ahorn und Groß Berkel geprüft. 2015 steht die Prüfung von 205 Masten in Aerzen auf dem Plan. In den Jahren 2016 bis 2019 werden dann jährlich zirka 170 Masten in Groß Berkel und den Ortschaften geprüft“, erklärt Wittrock. Entsprechend der Garantie durch das Prüfverfahren der Firma Roch müssen die Masten dann alle sechs Jahre neu geprüft werden und der Rhythmus fängt von vorne an, wie aus dem Rathaus zu erfahren ist.



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