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Ortsumgehung Groß Berkel: Interessengemeinschaft fordert Aufklärung

Behörden-Papier empört Bürgerinitiative

GROSS BERKEL. Ein Papier des Landkreises mit Aussagen zur Ortsumgehung in Groß Berkel irritiert die Einwohner, die sich für eine Verkehrsentlastung einsetzen. Die Interessengemeinschaft „pro Ortsumgehung Groß Berkel“ sieht darin Aussagen, die einer Entlastungsstraße widersprechen. Die Bürgerinitiative fordert die Gemeinde auf, aktiv zu werden.

veröffentlicht am 13.01.2019 um 14:34 Uhr

Stark vom Verkehr belastet: die B 1 in Groß Berkel. Seit Jahrzehnten wird über eine Ortsumgehung gestritten. Foto: dana
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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„Im Vorentwurf des regionalen Raumordnungsverfahrens, der bereits im Frühjahr 2018 im Ausschuss für erneuerbare Energien und Umwelt des Kreistags vorgestellt wurde, ist eine Trassenführung für eine Umgehungsstraße für Groß Berkel überhaupt nicht mehr enthalten.“ Das erklären Dieter Banke, Stefan Bergmann sowie Thomas Thau von der Interessengemeinschaft „pro Ortsumgehung Groß Berkel“ und fordern von der Aerzener Gemeindeverwaltung Aufklärung und Aufarbeitung.

Ganz so wie von den Groß Berkelern dargestellt, ist es nicht. Das Papier enthält den Hinweis, dass die Südumgehungen Reher und Groß Berkel sowie die Verlegung der B 1 von Marienau bis Mehle im „weiteren Bedarf“ ausgewiesen seien. „Für eine Groß Berkeler Ortsumgehung, genau wie in Reher, wurde der Status ,weiterer Bedarf mit Planungsrecht‘ festgelegt“, stellt Thau in diesem Zusammenhang richtig. Gleich mehrere Abschnitte der Erläuterung des Papiers beschäftigen sich allerdings damit, dass Groß Berkel eine Ortsumgehung weder will noch braucht. Woher der Verfasser diese Informationen hat, ist dem Initiativensprecher ein Rätsel. Ebenso erschließt sich ihm die Aussage nicht, die B 1 verbinde zwar das Ruhrgebiet mit Berlin und stelle eine Alternative zur A 2 und A 7 dar, die Ortsdurchfahrt Groß Berkel habe aber keine überregionale Bedeutung als Hauptverkehrsstraße.

Unter anderem heißt es in den Landkreis-Ausführungen: „Eine Ortsumgehung von Groß Berkel im Zuge der B 1 wird in der zeichnerischen Darstellung nicht als Hauptverkehrsstraße von überregionaler Bedeutung festgestellt; dies wird wie folgt begründet: Die Widerstände gegen eine Umgehungsstraße für Groß Berkel sind in der Kommunalpolitik sowie in der Bürgerschaft beträchtlich. Entsprechend gab es bereits im Jahr 1998 im Rahmen des durchgeführten Raumordnungsverfahrens für die Ortsumgehung eine Bürgerinitiative gegen die Nordumgehung und eine Bürgerinitiative gegen die Südumgehung. Bei allen Vorteilen einer Ortsumgehung hat diese auch negative Folgen, wie den Verlust von Ackerflächen, den Eingriff in den Naturraum und in das Landschaftsbild durch Flächenversiegelung. Anwohner am Stadtrand werden durch den Bau der Umgehung zusätzlich belastet.“

Bleiben hartnäckig: Dieter Banke, Stefan Bergmann und Thomas Thau (v. li.) von der Bürgerinitiative pro Ortsumgehung. Foto: sbr
  • Bleiben hartnäckig: Dieter Banke, Stefan Bergmann und Thomas Thau (v. li.) von der Bürgerinitiative pro Ortsumgehung. Foto: sbr

Thau kann in Bezug auf das zurzeit gültige Raumordnungsverfahren nicht nachvollziehen, warum im neuen Entwurf plötzlich zwanzig Jahre alte Fakten zur Begründung herangezogen werden und die aktuelle Entwicklung sowie die Stimmung in der Bevölkerung mit keiner Silbe erwähnt wird, wie er sagt. In der Begründung des Vorentwurfes wird indes weiter ausgeführt, dass „der Ortsrat Groß Berkel sich im Jahr 2017 gegen eine Ortsumgehung ausgesprochen und den Aerzener Gemeinderat aufgefordert hat, das Projekt Ortsumgehung Groß Berkel nicht weiter zu verfolgen.“

„Diese Beschlussempfehlung wurde von der Politik zurückgezogen und kam nie zur Abstimmung in den Rat. Dieser hat allerdings bereits 2013 mit einer Resolution bestätigt, dass er hinter einer Ortsumgehung Groß Berkel steht“, korrigiert der Sprecher der Interessengemeinschaft die Ausführungen des Landkreises. Die Bürgerinitiative möchte nun von der Verwaltung wissen, ob die im Vorentwurf des regionalen Raumordnungsverfahrens enthaltenen und von ihnen beanstandeten Aussagen in dem zitierten Wortlaut noch als aktuell anzusehen sind oder ob in den zurückliegenden fast elf Monaten eine Überarbeitung des Papiers veranlasst beziehungsweise stattgefunden habe. Die Bürgerinitiative, die sich seit Februar 2017 für eine Ortsumgehung Groß Berkel stark machen, sieht die Argumentation nur oberflächlich und nicht sauber recherchiert.

Die Groß Berkeler können nicht nachvollziehen, warum der Landkreis mit seinem Vorentwurf gegen das Fernstraßenausbaugesetz agiert. „Damit widersprechen sich das regionale und das Landesraumordnungsprogramm, wo es heißt, Verbesserungen sind vorrangig dort vorzunehmen, wo die Lebensqualität in bestehenden Siedlungsbereichen durch den Bau von Ortsumgehungen nachhaltig gesteigert werden kann“, stellt Thomas Thau fest.

Die immense Verkehrsbelastung in Groß Berkel scheinen die Verkehrsplaner beim Landkreis völlig auszublenden. „Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, zur Verbesserung der Wohnsituation und des Verkehrsflusses sowie zur besseren Erreichbarkeit des zentralen Orte ist die Entlastung der Ortsdurchfahrt lediglich durch eine Südumgehung Reher im Zuge der B 1 anzustreben“, heißt es in dem Vorentwurf weiter. Damit will und kann sich die Bürgerinitiative auf gar keinen Fall zufriedengeben, wie die drei Groß Berkeler unterstreichen.

Um zumindest mittelfristig vor allem in den Stoßzeiten eine Verbesserung des Verkehrsflusses innerhalb Groß Berkels zu erreichen, fordert die Kommunalpolitik die Installation gleich mehrerer Ampelanlagen unter anderem im Einmündungsbereich der Dorfstraße und des Dibbetwegs auf die B 1. Vorläufig sei lediglich eine Verkehrszählung im Ortsbereich geplant, um die einzelnen Verkehrsströme genau zu erfassen und zu lokalisieren, ist aus dem Rathaus zu erfahren. Bei dem vorgestellten und von der Bürgerinitiative kritisierten Papier handele es sich erst einmal nur um einen Vorentwurf. Zu gegebener Zeit würde auch die Gemeinde in so einem Verfahren angehört.

Darüber hinaus teilt das Rathaus mit, dass in der nächsten Bauausschusssitzung der Gemeinde am Dienstag, 22. Januar, Markus Brockmann, der Leiter des Geschäftsbereichs Hameln der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, zur geschichtlichen Entwicklung und zum Sachstand der Planungen einer möglichen Ortsumgehung Groß Berkel referieren wird.



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