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Irmgard Voß aus Dehmke nahm einst an den Olympischen Spielen in Berlin teil / Bewegtes Leben – „Immer mittendrin“

Begegnung mit Athleten aus aller Welt faszinierte sie 1936

Dehmke (ag). „Man ist so jung, wie man sich fühlt und ich werde immer jünger“, schmunzelt Irmgard Voß in ihrer gemütlichen Küche bei einer Tasse Kaffee. Man glaubt es ihr gern, dass sie sich jung fühlt, und das liegt nicht nur an dem strahlenden Lachen, mit dem sie zuvor die Tür zu ihrem Fachwerkhaus in Dehmke geöffnet hat. In ihrer schwarzen Lederhose und der orangeroten Jacke sieht man ihr wirklich nicht an, dass sie heute ihren 90. Geburtstag feiert.

veröffentlicht am 23.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 19:41 Uhr

Viele Erinnerungen werden wach: Irmgard Voß stöbert mit Tochter
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Dabei liegt bis jetzt ein bewegtes Leben hinter „Bommel“, wie sie seit Kindertagen von allen genannt wird. Auch von Tochter Renate, die wie jeden Vormittag auf einen Schwatz vorbeigekommen ist. „Bommel kommt irgendwie von meinem Mädchennamen Schomburg“, erklärt Irmgard Voß, die seit 85 Jahren mit Anni Mohrmann, ihrer Freundin aus Kindertagen, befreundet ist. Am 24. Oktober 1919 in der Südstadt von Hannover als Nachzüglerin in die bereits fünfköpfige Familie eines Beamten hineingeboren, waren damals nicht alle darüber begeistert. „Meine ältere Schwester soll gesagt haben: ,Jetzt haben wir gerade für jeden ein Bett, und nun kommt die noch.‘“

Trotzdem hatte sie eine glückliche Kindheit. Schon früh kam die gelenkige Irmgard zum Turnclub Hannover. Bodenturnen war ihre Leidenschaft, so dass sie bei Sichtungen auffiel und in den Olympiakader berufen wurde. 1936 nahm Irmgard Schomburg mit 16 Jahren als eine von damals nur 328 jungen Frauen vom 1. bis 16. August an den VI. Olympischen Sommerspielen in Berlin teil. „Der Einmarsch zur Eröffnungsfeier ins Olympiastadion, und an den verschiedenen Wettkampfstätten den anderen Athleten zuschauen zu dürfen, waren schon besondere Erlebnisse“, erinnert sie sich noch heute gern an dieses Ereignis, das per Wochenschau in alle Welt übertragen wurde. Geturnt wurde damals unter freiem Himmel auf der Dietrich-Eckart-Freilichtbühne vor 20 000 Zuschauern. Auch wenn sie selbst keine Medaille erturnt hat, den olympischen Gedanken „Dabei sein ist alles!“ leben zu dürfen, dafür haben sich die vielen Trainingsstunden gelohnt, ist sich Irmgard Voß sicher. Ein kleines Heft, in dem sie mit Bleistift geschriebene Adressen von Teilnehmern aus der ganzen Welt gesammelt hat, und ihr Olympia- Ausweis mit der Nr. 23322 sind Zeitzeugnisse. „Schauen Sie mal, hier steht Afghanistan. Heute kennt das jeder aus den Nachrichten. Aber wer kannte damals schon Afghanistan?“, erzählt sie lebhaft von der Faszination, damals so viele junge Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt zu haben.

Vielleicht war es diese Erfahrung, die sie später bewegt hat, nach dem Tod ihres Mannes vor 28 Jahren, einen Englischkurs in der Volkshochschule zu belegen und dann unter anderem nach England, Schweden und Mexiko zu reisen. In Ägypten stand sie vor den Pyramiden, im Fernen Osten auf der Chinesischen Mauer und in Irland machte sie ihr Whisky-Diplom. In Dehmke ist sie im DRK, war Gründungsmitglied der Aerzener Seniorenunion der CDU und ist für Generationen von Nachbarn die „Bommel“, die auf keiner Feier fehlen darf. „Sie ist immer mittendrin und gehört dazu“, erzählt Tochter Renate Gwisdalla. Hierher kam Irmgard Voß bereits als junges Mädchen aus Hannover in den Ferien zu den Großeltern, und so kannte sie ihren Wilhelm, den sie im Januar 1945 heiratete, schon aus dem Sandkasten. Der war als Soldat in Frankreich stationiert und eroberte ihr Herz mit einer Flasche Chanel No.5, die er auf Heimaturlaub aus Paris mitbrachte. Zu der Zeit war sie als Milchkontrolleurin in Dehmke, Dehmkerbrock und Königsförde bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad unterwegs. Später half sie ihrer Schwiegermutter im Laden, der seinen Platz da hatte, wo heute die Küche ist. „Mein Mann und ich sind mit einem amerikanischen Jeep über Land gefahren und haben Waren ausgeliefert. Mehl, Zucker, Salz, alles auf Marken. Manchmal auch schwarz geschlachtete Wurst und Fleisch.“

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Im April 1947 kam Tochter Uschi zur Welt, im Mai 1948 Renate gleich hinterher. Schon Ende der 50er Jahre kaufte sich die Familie einen Wohnwagen – und der Urlaub in Timmendorf wurde zu einer Tradition, die jetzt Enkelin Constanze und Urenkel Felix in der vierten Generation fortführen. Natürlich mit „Bommel“, die ihre Kinder nicht zu Hause lassen würden.



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