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Senioren erzählen künftigen Schulanfängern aus früheren Zeiten

Begegnung der Generationen

Groß Berkel (wj). Im Gemeindesaal der evangelischen Kirche Groß Berkel trafen sie erstmals wieder zusammen, in der ehemaligen Volksschule begegneten sich Generationen, zwischen denen fast ein Dreivierteljahrhundert wechselvoller Geschichte liegt: auf der einen Seite die Vorkriegsgeneration 1933/34 im heutigen Alter von 75 Jahren und auf der anderen Seite die diesjährigen Schulanfänger, die jetzt gerade die letzten Wochen ihrer Kindergartenzeit durchleben.

veröffentlicht am 18.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 10:21 Uhr

Die Kinder überraschten die Senioren mit einer besonderen Auffüh
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Ein heute in Reinerbeck lebender Senior, der damals im Kriegsjahr 1940 in Groß Berkel mit eingeschult worden war, machte die heutigen Anschriften seiner Mitschüler ausfindig. Sie „inspizierten“ nun mit zum Teil recht neugierigen Blicken ihre alte Schule gegenüber der damaligen Superintendentur und neben der Kirche gelegen, dem heutigen Kindergarten. Und hier trafen sie mit 19 sechsjährigen Kindergartenkindern, unter ihrer Erzieherin Martina Losse und dem Kindergartenleiter Michael Stratmann, zusammen, mit dabei auch Grundschulleiter Christian Peter und Ortsbürgermeisterin Renate Oetzmann. Zu dieser Begegnung der Generationen hatten sich die in wenigen Wochen werdenden Erstklässler eine tolle Überraschung ausgedacht: Die 75-Jährigen erhielten große Schultüten mit der Zahl 70 und einer kleinen Schiefertafel mit Schwamm und ein paar Bonbons als Inhalt von Anina, Jonas, Luca und den anderen Kindern überreicht. Wie strahlten da doch die Augen von Elli, Liesel, Thea, Alfred, Willi, Waltraut, Günter, Helga, Walter und Anni, übrigens damals sehr gebräuchliche Vornamen. Und schon war der Bann gebrochen: Der „Junior-Fritz“ fragt den „Senior-Fritz“ – und der erzählt aus der Schulzeit vor 70 Jahren, als der Lehrer notfalls das Abc mit dem Rohrstock einpaukte. Da bekamen dann die Kindergarten-Kinder große Augen, denn solche Erziehungsmethoden haben sie nicht mehr kennengelernt.

Dafür hatte der Senior Walter Söfker aber ein kleines Büchlein mitgebracht und hockte sich inmitten der Kinder und erzählte ihnen die Geschichte von José, dem fünfjährigen Jungen aus Südamerika, der Lesen und Schreiben lernen wollte, und zog interessante Parallelen zum Schulbetrieb von früher und heute. Dazu hatte er auch seinen „Zauberspiegel“ mitgebracht, mit dem er sich wieder in seine Kindheit zurückversetzte und den überraschten Rafi, Rani, Daven und Jana und auch allen anderen verkündete: „Seht, damals war ich so alt, wie ihr es jetzt seid.“

Natürlich waren die aus der näheren und weiteren Umgebung von Groß Berkel gekommenen Ehemaligen auch interessiert, das Geschichtliche ihrer ehemaligen Schule zu erfahren. Hier hatte Kindergartenleiter Michael Stratmann die von Ortsbürgermeisterin Renate Oetzmann mitgebrachte Groß Berkeler Chronik mit einem kurzen Abriss der Eckdaten zur Hand, als er die Senioren durch die heutigen Räume führte. Erbaut in den Jahren 1878/79, präsentiert sich das Gebäude außen noch wie früher, wurde innen aber mehrfach und total verändert, so dass alles für den heute dort beheimateten Kindergarten zweckmäßig ist. Früher gab es dort vier Klassenräume und zwei Wohnungen. So kennen die heute 75-Jährigen ihre alte Schule noch und dazu auch ihre Rektoren. Nachdem 1961/62 ein Schulneubau an der Ohrschen Straße erfolgt war, wurde die alte Schule 1963 zu Wohnungen umgebaut und 1972 zum heutigen Kindergarten.

Bann schnell gebrochen: Die Gäste erhielten von den Jungen und M
  • Bann schnell gebrochen: Die Gäste erhielten von den Jungen und Mädchen des Kindergartens Schultüten.

„Dass alle die Omis und Opis hier in unseren Kindergartenzimmern einmal zur Schule gegangen sind, hätten wir nicht gedacht“, meinten die Kindergartenkinder einhellig zum Abschied – und besonders die Erziehung mit dem Rohrstock schien sie schon irgendwie beeindruckt zu haben.

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