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Gelbbauchunken: Ehemaliger Übungsplatz als Schutzgebiet

Bedrohte Tiere erobern Militärgelände

Pötzen. Ausgerechnet ein Areal, das über Jahrzehnte militärisch genutzt wurde, erweist sich als schützenswertes Gebiet für Tiere, Natur und Landschaft? Kein Widerspruch – im Gegenteil. Ralf Schulte aus Haddessen ist praktisch in der Nachbarschaft des britischen Standortübungsplatzes aufgewachsen, gilt als Experte. „Ein absolutes Sahnehäubchen in der Landschaft“, urteilt Schulte, der hauptberuflich beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Berlin tätig ist. Umso mehr begrüßt er die Bemühungen des Landkreises, das gut 20 Hektar große Gebiet entsprechend zu schützen. Aus der Politik kommt nun sogar der Antrag, den ehemaligen Standortübungsplatz als Flora-Fauna-Habitat auszuweisen und damit einen EU-weiten Schutzstatus zu schaffen – und zwar zum Schutz der Gelbbauchunke. Das ginge über den Status eines reinen Naturschutzgebietes weit hinaus.

veröffentlicht am 08.02.2016 um 17:22 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:59 Uhr

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Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Die Gelbbauchunke „gehört zu den hochgradig gefährdeten Arten“, sagt Schulte über den kleinen Froschlurch, der eine Größe von rund 3,5 bis 5 Zentimetern erreichen kann. Für den typischen Bewohner von Bach- und Flussauen mit regelmäßigen Hochwassern sind die Lebensräume verloren gegangen, wie der Nabu-Experte berichtet. In manchen Gebieten eroberte die Unke aber Ersatzlebensräume, beispielsweise nicht nur in Steinbrüchen oder Kiesgruben, sondern auch auf Truppenübungsplätzen. Was den Laien verwundert, hat der Fachmann einfach erklärt. Teils mit schwerem Pioniergerät hätten die Briten in Pötzen geübt, die Schäden an der Bodenoberfläche, die sie hinterließen, erwiesen sich etwa für die Gelbbauchunke zum Vorteil. „Pionierlebensräume“ entstanden, weil in den Spurrillen sich Wasser sammelt– neues Rückzugsgebiet für die Unken.

Selbst wenn der vom Aussterben bedrohte Froschlurch sich dort nicht angesiedelt hätte, wäre das Gebiet „von herausragender Bedeutung“ und damit schützenswert, sagt Schulte. Seitdem die Briten abgezogen seien, handele es sich um ein brachfallendes Areal, das „weitestgehend sich selbst überlassen ist“. „Die Natur erobert sich das Areal zurück“, meint der Nabu-Mitarbeiter, der die Negativentwicklung im Sünteltal seit Jahren im Blick hat. Die sehr intensive landwirtschaftliche Nutzung, bei der sich heute manchmal „der Eindruck eines Maislabyrinths aufdrängt“, beschreibt er es drastisch, dem der ehemalige Übungsplatz als heute „absolutes Highlight“ gegenüberstehe. Nicht nur für Neuntöter und Raubwürger, die als Charaktervögel einer halboffenen, reich strukturierten Landschaft gelten, die er dort beobachtet. Besonders für die einst als Allerweltsarten geltenden Feldhasen, Rebhühner oder Wachteln, die einen „massiven Einbruch“ im Bestand erlebt hätten, müssten Lebensräume geschaffen werden, sagt Schulte.

„Biologische Vielfalt erhalten“ – so ist auch der Antrag der Mehrheitsgruppe aus SPD und Grünen im Kreistag überschrieben, um den Standortübungsplatz zu schützen. Die Flächen gingen vor einigen Jahren in den Besitz des Bundes über. Die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat aber noch nicht über die künftige Nutzung entschieden, obwohl der Landkreis bereits 2012 Interesse daran bekundet hatte. Vorsorglich ordnete die Verwaltung 2014 die Sicherstellung des Gebietes als Naturschutzgebiet an, verlängerte die Verordnung im Januar um weitere zwei Jahre.

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  • Noch ist offen, wem künftig der ehemalige britische Übungsplatz gehören wird. Der Landkreis hat Interesse bekundet – und per Verordnung das Areal als Naturschutzgebiet sichergestellt. Wal

Da setzt die Mehrheitsgruppe an, die auf die Population der Gelbbauchunke verweist. Das Gebiet in Pötzen sei wichtig, um es mit anderen Populationen zu vernetzen. Um Fördergelder der EU zu erhalten, sei es jedoch erforderlich, den ehemaligen Übungsplatz als Flora-Fauna-Habitat auszuweisen. Was sich SPD und Grüne dadurch auch erhoffen: Mit Unterstützung der europäischen Gelder könnte zusätzliches Personal für den Naturschutz im Landkreis ermöglicht werden.



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