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Arbeiten an Ortsumgehung, Kathers Hof und der Burg gewähren kleine Einblicke in die Geschichte

Baustellen – Fundgrube für Archäologen

Aerzen/Groß Berkel. Zwar beförderten die umfangreichen Bautätigkeiten im Flecken Aerzen aus historischer Sicht keine aufsehenerregenden Funde zu Tage, doch immerhin: Für einen kleinen Augenblick öffnete sich sowohl auf der Umgehungsstraßenbaustelle am Schierholzberg als auch bei Erdarbeiten im Bereich des ehemaligen Grabens um die Domänenburg und auf Kathers Hof in Groß Berkel ein Zeitfenster in die historische Vergangenheit des Fleckens. Das rief auch Harald Nagel, den technischen Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege aus Hannover, und sein Team auf den Plan. „Auf einem nach Westen auslaufenden, flachen Hang wurde beim Anlegen einer parallel zur geplanten Trasse verlaufenden Baustraße auf der abgeschobenen Fläche ein Rest einer Grube entdeckt. In der Grubenverfüllung fanden sich Holzkohlestückchen, Bruchstein und eine nicht unerhebliche Menge Keramik, welche in die jüngere vorrömische Eisenzeit datiert werden konnten“, erklärt Harald Nagel. Bei weiteren Erdarbeiten in unmittelbarer Nähe der Fundstelle sei mit weiteren Befunden zu rechnen, ist sich der Archäologe sicher. Aber: Durch den Einsatz riesiger Baufahrzeuge, wie beim Bau der Umgehungsstraße, sind diese Funde eher selten und echte Glückstreffer, so der Fachmann.

veröffentlicht am 12.08.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 09:41 Uhr

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Ein solcher Glücksgriff gelang auch im Bereich des ehemaligen Burggrabens. Auf der Baustelle zur Erweiterung des Sprachheilkindergartens „Burgwiese“ wurde ein kleiner Teil des ehemaligen Burggrabens freigelegt, der in der Vergangenheit lediglich mit Erde und nicht mit anderen Materialien verfüllt worden war und so ursprüngliche Strukturen erkennen ließ. „Das entdeckte Grabenstück ist etwa 16 Meter breit und verläuft in Nord-Süd-Richtung. Die maximale Tiefe konnte wegen der fortschreitenden Bautätigkeit leider nicht mehr festgestellt werden, jedoch dürfte es sich um einige Meter handeln“, so die Einschätzung Nagels. In der obersten Schicht in etwa einem Meter Tiefe fand das Archäologenteam einige Keramikscherben und ein paar Knochen, die als Speiseabfälle interpretiert wurden.

Und auch in Groß Berkel öffnete ließ sich für einen kleinen Moment ein Zeitfenster in die Vergangenheit des Hummedorfes öffnen. Auf dem Gelände „Kathers Hof“ wurden bei Erdarbeiten alte verfüllte Kellerräume der ehemaligen Hofstelle entdeckt. „Auch hier haben wir Keramikscherben aus dem 18. und 19. Jahrhundert vorgefunden. Dabei handelt es sich, wie bei den Scherben im Burggraben auch, um glasierte Irdenware aus dem Wesergebiet“, erklärt Nagel die jüngsten historischen Fundstücke, die allerdings nicht zur Neuauflage des historischen Mammut-Sensationsfundes taugen, der vor genau 80 Jahren für Schlagzeilen und überregionale Aufmerksamkeit sorgte.

In der Aerzener Chronik steht dazu Folgendes: Die Sensation bei Lehrern und Schülern in der Aerzener Schule war groß, als im Mai 1933 ein Schüler, 14 Jahre alt, zwei Platten mit eingeritzten Bildern eines Mammuts und eines Bären in den Unterricht mitbrachte. Die Platten wollte er im Schierholzberg in 50 Zentimeter Tiefe gefunden haben. Die Fundstelle wurde untersucht und es wurden noch Steinwerkzeuge und zerbrochene Platten gefunden. Diese Steinritzungen wurden bislang nur in Frankreich gefunden, hergestellt von Menschen vor etwa 20 000 Jahren. In der Heimatzeitung und selbst im Rundfunk wurde für Spenden geworben, um der Allgemeinheit diese Sensation zu bekunden. Den hinzugezogenen Facharchäologen kam der Fund sehr fraglich vor, und die Kripo brachte die gut gemachten Fälschungen wieder in die richtige Zeit – in das 20. Jahrhundert. Der Scherz, den sich der Schüler ausgedacht hatte, war aufgeklärt. sbr

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  • Funde im ehemaligen Graben der Domänenburg werden dokumentiert.


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