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Nachts bei Grohnde: BMW erfasst Radfahrer – Familienvater stirbt / Unfallverursacher flüchtet

Autofahrerin findet Toten

Grohnde/Bodenwerder. Nach 16 Stunden intensiver Fahndung zu Lande und aus der Luft wusste die Hamelner Polizei endlich, wie der Mann heißt, nach dem sie den ganzen Tag über gesucht hatte: In einer Garage auf der Ottensteiner Hochebene war das Team einer auf Verkehrsstraftaten spezialisierten Sondereinheit fündig geworden. Durch ein Fenster konnten die Beamten sehen, dass darin ein blauer 5er BMW steht, der frische Unfallspuren aufwies. Die Frontscheibe war zersplittert und die Motorhaube eingedrückt. Am Samstagabend um 18.30 Uhr forderten die Ermittler die Feuerwehr Polle an und ließen das Tor gewaltsam öffnen. Kurz danach stand fest: Bei dem Wagen handelt es sich tatsächlich um die fieberhaft gesuchte Limousine, die zwischen Mitternacht und 2 Uhr auf der Landesstraße 429 zwischen Grohnde und Welsede einen Radfahrer erfasst hatte. Das Opfer – ein 39 Jahre alter Familienvater aus Bad Pyrmont – war noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen erlegen. Der Autofahrer hatte die Flucht ergriffen und keine Hilfe geholt. Der Verursacher habe sich nicht seiner Verantwortung gestellt und sei stattdessen abgehauen, sagt Hauptkommissar Jörn Schedlitzki.

veröffentlicht am 09.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 07:41 Uhr

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Autor:

VON ULRICH BEHMANN
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Nachdem bekannt war, wo der mutmaßliche Täter seinen BMW versteckt hatte, konzentrierte sich die eigens gegründete Ermittlungsgruppe auf die Suche nach dem Halter. Es hieß, der 48-Jährige und seine Freundin seien vor einiger Zeit mit einem anderen Auto weggefahren. Wohin, wusste niemand. Um 19.25 Uhr betrat der Gesuchte die Polizeistation Bodenwerder und stellte sich. Möglich, dass er kurz zuvor von seinen Verwandten erfahren hatte, dass sein stark beschädigter Wagen an seinem Wohnort entdeckt worden war. Er gab zu, in der Nacht von Freitag auf Samstag allein mit dem BMW auf der Landesstraße 429 unterwegs gewesen zu sein. Weitere Angaben machte er nicht. Die Polizeiinspektion ermittelt gegen den Mann – „wegen fahrlässiger Tötung durch Unfallverursachung“. Die Beamten werfen ihm zudem Fahrerflucht vor. Sein Führerschein wurde beschlagnahmt. „Es geht hier um ein Tötungsdelikt“, stellt Schedlitzki klar. Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft wurde der Mann auf freien Fuß gesetzt.

Eine Autofahrerin und ihr Lebensgefährte hatten am frühen Samstagmorgen auf der Landesstraße zwischen Grohnde und Welsede, ganz in der Nähe des dortigen Waldparkplatzes, die Leiche eines Mannes gefunden. Neben dem Toten lag ein demoliertes E-Bike. Die 46-jährige Alfelderin setzte sofort einen Notruf ab. Wenig später trafen Notarzt-, Rettungs- und Streifenwagen am Unfallort ein. Für den Vater zweier kleiner Kinder kam jedoch jede Hilfe zu spät. Die Polizei geht davon aus, dass der 39-Jährige zwischen Mitternacht und 2 Uhr morgens von dem dunkelblauen BMW des Holzmindeners erfasst worden ist. Der verheiratete Ingenieur war mit seinem E-Bike auf dem Weg von der Arbeit nach Hause.

Die Unfallstelle wurde zum Tatort erklärt. Polizisten und Feuerwehrleute sperrten den Fundort weiträumig ab, forderten Spezialisten aus Hessisch Oldendorf an und leiteten eine großangelegte Spurensuche ein. Die Feuerwehren Grohnde, Kirchohsen und Lüntorf leuchteten die Fahrbahn aus, unterstützten die Ermittler bei der Suche nach Trümmerteilen und sperrten die Straße bis 6.30 Uhr. Fahrzeugteile verrieten den Ermittlern, nach welchem Fahrzeugtyp sie fahnden mussten: Die Splitter stammten von einem dunkelblauen 5er BMW des Typs E 39 mit Sportausstattung. Experten konnten sogar das Baujahr bestimmen. Spezialisten für Unfallermittlungen und Kriminaltechniker arbeiteten bei der Spurensicherung Hand in Hand. Am Vormittag gründete die Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden eine Ermittlungsgruppe und zog Kräfte zusammen. Oberkommissar Wilhelm Meyer, Leiter des für Verkehrsdelikte zuständigen 7. Fachkommissariats des Zentralen Kriminaldienstes, koordinierte den Großeinsatz. In Hannover stieg „Phönix 93“ auf. Der Polizeihubschrauber kreiste über dem Waldgebiet und flog die Umgebung des Unfallorts ab. Die Besatzung beteiligte sich an der Fahndung, fertigte für die Ermittler am Boden aber auch Detail- und Übersichtsaufnahmen an.

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Spurensicherung am BMW: Kriminaltechniker und Unfall-Ermittler arbeiten Hand in Hand.

Über die Medien bat die Polizei die Bevölkerung um Mithilfe bei der Aufklärung des Falles. Das Landeskriminalamt platzierte sogar einen Fahndungsaufruf auf Facebook. Die Berichte in der Online-Ausgabe der Dewezet wurden von mehr als 40 000 Menschen gelesen und von zahlreichen Facebook-Nutzern geteilt. Alle hofften, dass der Verursacher des tödlichen Unfalls rasch gefasst wird.

Die Ermittlungsgruppe fragte beim Kraftfahrt-Bundesamt an, wollte wissen, wie viele blaue 5er BMW es in den Kreisen Hameln-Pyrmont, Holzminden und Lippe gibt. Eine Selektion brachte Klarheit: „Die Beschreibung trifft auf 500 Fahrzeuge zu. Wir sind darauf vorbereitet, alle Autos anzuschauen“, sagte Schedlitzki. Um 15.30 Uhr schwärmten 48 Polizisten – darunter ein Zug der Bereitschaftspolizei Hannover – aus, um blaue Limousinen unter die Lupe zu nehmen. Drei Stunden später landeten Verkehrsfahnder der Hamelner Verfügungseinheit im Nachbarkreis Holzminden einen Treffer.

Mit Mundschutz und Handschuhen näherte sich am Abend ein Kriminaltechniker dem BMW. Der Mann im weißen Overall sicherte gemeinsam mit einem Unfall-Ermittler Spuren am Fahrzeug. Erst gegen 21.30 Uhr wurde die sichergestellte Limousine auf einen Abschleppwagen gezogen und abtransportiert.

Die Ermittlungen dauern an.

Spezialermittler Jens Petersen aus Hessisch Oldendorf untersucht das zerstörte E-Bike.



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