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Enten-Tüftler wollen sich Citroen 2CV wieder zusammenschrauben

Aus zwei mach einfach eins

AERZEN /EMMERTHAL. Die gute alte „Ente“ ist vom Aussterben bedroht – auch wenn es in Deutschland immer noch ein paar tausend von den kultigen Fahrzeugen gibt. Im Landkreis Hameln-Pyrmont sind gerade einmal 29 Exemplare.

veröffentlicht am 12.11.2017 um 17:07 Uhr

Nur Schrott fanden sie unter der Plane – doch Michael Evers, Friedel Husmann, Sebastian Lankenau und Andreas Gensing (v.l.) wollen sich wieder eine fahrbereite Ente zusammenschrauben. Fotos(2):sbr
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Sabine Brakhan Reporterin
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Aber demnächst schon könnte es eine „Ente“ mehr sein, denn: In Aerzen hat sich eine „Enten“-Familie zusammengefunden, die es sich zur Ziel gesetzt hat, so lange zu schrauben, zu entrosten, zu schweißen sowie neu zu lackieren und zusammenzubauen, bis aus zwei schrottreifen Exemplaren wieder ein straßentauglicher Hingucker geworden ist.

Der Aerzener Michael Evers war es, der bei seinem Freund Friedel Husmann in Reher das mit Plastikplanen abgedeckte und in der Garage untergestellte Entenpärchen entdeckte, wobei die eine bereits ziemlich gerupft aussah. „Sie hat bereits als Ersatzteilspender für das Nachfolger-Modell gedient“, räumt Entenfan Husmann ein. Solange es den Citroen 2CV auf dem Markt gab, war Husmann Entenfahrer. Der Umstieg auf seinem Belingo fiel ihm schwer. Und so brachte er es auch nicht übers Herz, die beiden schrottreifen 2CV aus der Baureihe „Charleston“, Baujahr 1981 und 1982, zum Schrotthändler zu bringen. Also wurden sie erst einmal eingelagert.

„Ich habe über viele Jahre selbst an meinen Enten herumgeschraubt. Eine Reparatur in einer Werkstatt ist einfach unerschwinglich geworden“, erzählt er weiter. Nun ist er froh, dass sich gleich drei begeisterte Schrauber darauf freuen, an der Ente Hand anzulegen, um sie wieder fahrtüchtig zu machen. „Alles hat eben seine Zeit, man muss nur warten können, und jetzt kann ich die beiden Fahrzeuge, die in Frankreich liebevoll „Deux Cheveaux“ genannt werden, mit gutem Gewissen abgeben“, freut sich Husmann.

Was macht den Reiz aus, gerade eine Ente wieder zum Leben zu erwecken? „Einen alten restaurierten Käfer oder Golf I haben viele, wir wollen uns von der Masse abheben“, erklären die drei Schrauber Michael Evers, sein Schwiegersohn Sebastian Lankenau und der Emmerthaler Andreas Gensing übereinstimmend.

Vielleicht wissen sie es noch gar nicht: mit ihrem Citroen 2CV haben sie auch „nur“ einen „Volkswagen“ auf der Hebebühne – allerdings einen französischen. Bereits in der Mitte der 30er-Jahre wurde die Ente vom französischen Autobauer Citroen genau wie der Wolfsburger VW als Wagen fürs Volk konzipiert. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg wurde der Prototyp jedoch erst 1948 auf dem Pariser Autosalon vorgestellt. Bei den Franzosen war es, im Gegensatz zu den vier heimischen „Enten“-Freunden, keine Liebe auf den ersten Blick. Sie belächelten das Auto anfangs als „Regenschirm auf Rädern“. 1949 „watschelte“ dann die erste „Ente“ vom Band, ausgestattet mit 9 Pferdestärken und 65 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit. „Im Laufe der Jahre wurden die Motoren stärker, doch das Grundaussehen bliebimmer das gleiche“, weiß Friedel Husmann aus der Enten-Geschichte zu berichten.

Bis Mitte 1990, als die letzte Ente vom Band lief, wurden insgesamt 5 114 966 Fahrzeuge ausgeliefert - an Friedel Husmann drei Exemplare. Und nicht nur das französische Volk liebte es, mit 28 Pferdestärken und seitlich aufgestellte Scheiben durch die Straßen zu kurvten. Ein Lebensgefühl übrigens, von dem die „Enten“-Familie aber noch etliche Schrauberstunden entfernt ist. Allerdings: Die drei hoffen, dass die relativ einfache Konstruktionsweise, nach der die „Enten“-Erfinder das Fahrzeug einst erdachten, ihnen bei der Rekonstruktion zugute kommen wird.

Während die Konstrukteure von damals mit ihrem Gefährt lediglich „Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein“ schaffen wollten, haben Evers und seine Freunde nur eine Vision: Im kommenden Sommer wollen sie bei Sonnenschein mit offenem Verdeck durchs Weserbergland kutschieren, begleitet natürlich vom Freund Friedel Husmann, der eine weitere, noch fahrtüchtige „Ente“ sein Eigen nennt. Der einfache Boxermotor unter der Haube der reparaturbedürftigen „Ente“ hat aber bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass es nicht an ihm liegt, wenn die Ausfahrt noch auf sich warten lässt. „Unglaublich, obwohl das Fahrzeug fünf Jahre unter einer Plane abgestellt war, sprang der Motor mit Starthilfe, einem Schluck Sprit und etwas Pumpen sofort einwandfrei an“, berichtet Andreas Gensing. Er und Sebastian Lankenau sind als Kfz-Mechaniker übrigens vom Fach und können abschätzen, auf welches Abenteuer sie sich einlassen.

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