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Nur noch Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker verbleiben

Aus für drei Volksbank-Agenturen

AERZEN. Noch ist die Volksbank im Wesertal mit Filialen in Aerzen, Coppenbrügge und Salzhemmendorf nicht Deutschlands kleinste Bank. Die sitzt im 500-Seelen-Ort Gammesfeld in Baden-Württemberg. Als einzige Volksbank Deutschlands hat sie nur einen Mitarbeiter, der Vorstandsvorsitzender ist und die Kasse bedient.

veröffentlicht am 02.01.2018 um 11:51 Uhr
aktualisiert am 02.01.2018 um 19:30 Uhr

Wo bislang in Groß Berkel, Hemeringen und Bisperode zweimal pro Woche noch eine persönliche Beratung in den Agenturen der Volksbank im Wesertal stattfand, stehen jetzt nur noch jeweils ein Geldautomat und ein Kontoauszugsdrucker. Foto: wft
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Wolfhard F. Truchseß Reporter
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So weit ist es mit der Volksbank im Wesertal noch lange nicht. Sie hat immerhin 69 Mitarbeiter, 18 638 Kunden und wird von 8282 Mitgliedern getragen. Aber auch die Volksbank im Wesertal spürt den massiven Druck der von der EZB seit Jahren praktizierten Niedrigzinspolitik und dünnt das Netz ihrer Geschäftsstellen aus. Vor zwei Jahren wandelte sie drei ihrer Filialen, die in Groß Berkel, Hemeringen und Bisperode, in sogenannte Agenturen um, die nur noch zweimal in der Woche an je einem Vormittag durch einen Mitarbeiter besetzt wurden, „der dann aber in einer der drei verbliebenen Filialen in unseren Kernorten fehlte“, wie der Vorstandsvorsitzende Norbert Gellert im Gespräch mit der Dewezet erläuterte. Diese Praxis soll jetzt beendet werden: Seit dem 1. Januar sind auch die drei genannten Agenturen geschlossen und nur noch mit einem Geldautomaten und einem Kontoauszugsdrucker bestückt, wie Gellert bestätigte.

„Nachgefragt waren vor allem die Geldautomaten“, bilanziert Gellert für die Agenturen. „Die Mitarbeiter waren nicht wirklich ausgelastet, denn unseren Rundumservice erhielten die Kunden in unseren großen Filialen. Das hat sich für uns nicht mehr gerechnet“, betont der Banker. „Um Überweisungen zu tätigen haben unsere Kunden heute per Post oder telefonisch über unser Kunden-Servicecenter ausreichende Möglichkeiten.“ Wobei die telefonische Überweisung durch die Abfrage bestimmter Sicherheitsmerkmale sicherer sei als der postalische Weg. „Per Post“, warnt Gellert, „gibt es immer wieder Betrugsversuche.“

Natürlich seien alle Kunden über die Schließung der Agenturen zum Jahresende informiert worden. „Unsere Mitarbeiter haben mit jedem einzelnen Kunden persönlich darüber gesprochen.“ Die Reaktion sei im wesentlichen positiv gewesen. „Das haben wir schon erwartet, damit haben wir schon gerechnet“, sei häufig geantwortet worden. Dass nicht alle Kunden begeistert sind, zeigen nicht nur Anrufe bei der Redaktion der Dewezet, in denen beklagt wird, dass die Bank den Vor-Ort-Service in den Agenturen einstelle, sondern auch die Reaktionen in der Nachbarschaft. „Es sind vor allem die Älteren hier, die sehr bedauern, dass der Service eingestellt wird“, heißt es unisono um Umfeld der ehemaligen Volksbank-Filialen.

Protest erhebt sich auch dagegen, dass der Preis für die zweite ec-Karte rechtlich betreuter Kunden von fünf Euro auf 9,90 Euro fast verdoppelt wurde. „Das ist eine Schweinerei, das geht überhaupt nicht“, erklärt beispielsweise Rudolf Sparber aus Coppenbrügge. Er habe dies durch Zufall im Dezember auf seinem Kontoauszug entdeckt und sei über die Preissteigerung auch nicht durch die Bank informiert worden.

Gellert verweist im Gespräch mit der Dewezet über die Schließung der Agenturen vor allem auf das wachsende Geschäft mit dem Online-Banking. „Das ist heute keine Frage des Alters mehr“, schildert er die Erfahrungen der Volksbank im Wesertal mit der Internetnutzung durch die Bankkundschaft. „Inzwischen steigen auch immer mehr über 65-Jährige um. Dementsprechend geringer wurde auch die Frequenz der Kundenbesuche in den Agenturen.“

Für Kunden, die angesichts des ausgedünnten Filialnetzes aufgrund mangelnder Mobilität Schwierigkeiten hätten, sich mit Bargeld zu versorgen, hat Gellert den folgenden Tipp: „Nutzen Sie unser Angebot, Bargeld per Telefon über unser Kunden-Servicecenter zu bestellen. Wir liefern Ihnen Ihr Geld persönlich, sicher und bequem nach Hause.“ Auch könne in einer Reihe von Supermärkten bei Einkäufen von mehr als 20 Euro mit der ec-Karte Bargeld direkt an der Kasse mitgenommen werden.“

Was die Mitarbeiterzahl angehe, sicherte Gellert zu, dass es mit der Schließung der Agenturen keine Entlassungen geben werde. Als große Herausforderung bezeichnete Gellert aber die zunehmende Zahl an Auflagen durch die Bankenaufsicht und die dadurch verursachten Regularien. Über die Zukunft der Volksbank mache er sich dennoch keine Sorgen.



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