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Joachim Lessin überquerte vor knapp 30 Jahren die innerdeutsche Grenze – sein Ziel: Emmerthal / Nun sucht er einen Mann aus Springe

Auf der Zugfahrt nach Emmerthal: Ein besonderer Helfer

veröffentlicht am 26.02.2019 um 16:08 Uhr

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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite
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EMMERTHAL/SPRINGE. Es war dunkel, kalt und es schneite, als Soldat Joachim Lessin im Februar 1990 die innerdeutsche Grenze in den Westen überquerte. Der damals 24-Jährige wollte nach Emmerthal, wo sein Bruder lebte. Zahlreiche Menschen haben ihn auf diesem Weg geholfen – darunter ein Springer, der dem jungen Lessin ein Zugticket bezahlte. Auch 29 Jahre später hat Lessin den Mann nicht vergessen – und möchte seinem Helfer endlich „Danke“ sagen.

„Ich habe immer wieder daran gedacht, für mich war das eine ganz besondere Zeit und der Anfang eines neuen Lebens“, sagt der heute 55-Jährige. Was ihn dazu bewogen hat, an diesem Tag im Februar die DDR zu verlassen, weiß er nicht genau. Es war eine spontane Entscheidung, erinnert er sich. Er hatte in Schwerin, auf dem Weg zurück in seine Kaserne in Dabel, einen Stopp in einer Bahnhofskneipe eingelegt. „Nach dem dritten Bier habe ich die Entscheidung dann plötzlich gefällt. Mir war plötzlich bewusst geworden, dass die Mauer gefallen war, die Leute um mich herum sahen alle so glücklich aus und ich hatte auf einmal ein gutes Gefühl.“

Mehr als ein halbes Jahr lang war er in der Armee. „Diese Zeit war grauenhaft und einfach verschenkt, ich wollte da nicht mehr hin.“ Er habe nicht lange überlegt oder seine Fahrt geplant, sondern sei einfach losgegangen.

Joachim Lessin sucht nach einem Mann aus Springe, der ihm 1990 geholfen hat. FOTO: lessin

Ein Autofahrer hat ihn bis zur Grenze mitgenommen An der Grenze angekommen, war er auf sich gestellt. Bei Schneewetter ist er über die Grenzzäune geklettert und über die Elbe gewatet. Auf der anderen Seite angekommen, fuhr er per Anhalter nach Hamburg. Sein Ziel: Emmerthal, wo sein Bruder lebte. Kurzerhand stieg er in den Zug nach Hannover und später in Richtung Hameln – allerdings ohne gültiges Ticket. „Ich habe überhaupt nicht daran gedacht, ich war froh, überhaupt so weit gekommen zu sein und konnte das alles gar nicht realisieren“, sagt Lessin.

Kurz vor Springe sei dann der Schaffner gekommen. Lessin hatte kein Geld, keinen Ausweis. Ein Mann, damals Mitte 30, und mit blonden Haaren, half Lessin, kaufte ihm spontan ein Ticket und bot ihm seine Hilfe an. „Er hat mir sogar seine Visitenkarte gegeben, die ich aber leider verloren habe. Das hab ich eine Woche später festgestellt, als ich ihn anrufen und mich noch einmal bedanken wollte.“ Und das lässt ihn bis heute nicht los.

Was er noch weiß: Der Mann, der aus Springe kam, soll damals in einem Münzkabinett in Hannover gearbeitet haben. Lessin hat über Umwege seinen Bruder in Emmerthal tatsächlich wenig später gefunden. Als er aus dem Zug ausstieg, übernachtete er zunächst in einer Pension in Emmerthal und bekam dort etwas zu essen – kostenlos. „Ich habe so viel Hilfe bekommen.“ Seit 18 Jahren lebt Lessin in Berlin. Einmal im Jahr fährt er ins Weserbergland, zum Wandern nach Bodenwerder, um dem Großstadttrubel zu entfliehen und „in Erinnerungen zu schwelgen“. Die Unterstützung, die er während der Zeit bekommen hat, werde er nie vergessen. Hinweise nimmt Lessin unter 0176/41975332 entgegen.



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