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Ewa und Gunnar Wiegand schlossen ein letztes Mal die Alte Post auf – für den Ausverkauf

Auf Bärenjagd

ESPERDE. Ein Hauch von nostalgisch-wehmütigem Abschied hing über der „Alten Post“ in Esperde, gepaart mit geschäftiger Ausverkaufsstimmung – eine ungewöhnliche Mischung. Ein letztes Mal öffneten Gunnar und Ewa Wiegand die Tür zu ihrer ehemaligen Kultkneipe.

veröffentlicht am 12.03.2018 um 16:01 Uhr
aktualisiert am 12.03.2018 um 16:40 Uhr

An den beiden Bärchen-Begrüßungsschildern hängt Gunnar Wiegands Herz besonders. Foto: sbr
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Autor

Sabine Brakhan Reporterin
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Und eigentlich war noch einmal alles wie früher, als die Musikszene im Ilsetal noch zuhause war: Die „Alte Post“ war voller Menschen, die Seitenstraßen rundum waren zugeparkt und Gunnar Wiegand griff zur Gitarre. Aber das Schild mit der Aufschrift „Flohmarkt“ machte schon draußen vor der Tür unübersehbar deutlich, dass die Besucher heute nicht mehr vom gewohnt gastfreundlichen Bärchen-Ambiente empfangen werden.

Unzählige Menschen schieben sich durch den engen Flur und die Treppe hinauf, durchstöbern auf ihrer Schnäppchensuche nicht nur die Gasträume, sondern auch die Küche und die angrenzenden Kellerräume. Aus dem im ersten Stock gelegenen Saal klingt „Take Me Home, Country Roads“. Wo eine Gitarre erklingt, kann eigentlich auch Gunnar Wiegand nicht weit sein. Und richtig: Selbst von einem Teil seiner Instrumente trennt sich der musikalische Koch. Ob Akkordeon, Sammeltassen, Bärchen oder Saalkronleuchter – alles muss raus. Und woran hängt das Herz von Gunnar Wigand besonders? Er lässt seinen Blick über etliche Tischmeter Geschirr, Dekoartikel und Tischwäsche gleiten und bleibt schließlich an zwei Bärchen-Blechschildern hängen. „Emotional haben diese beiden für mich den größten Wert. Sie haben unsere Gäste immer willkommen geheißen“, erzählt der Gastwirt. Am Ende fand zumindest eines dieser Blechschilder für einen Fünfer einen Käufer. Der nimmt es erst einmal mit nach Hannover, um anschließend Freunde in Lindhorst damit zu beschenken.

Zur Schnäppchensuche in den Untergrund ist Tatjana Zimmer abgetaucht. Sie durchstöbert neugierig Kartons, die unter den Tischen einen wenig attraktiven Verkaufsplatz gefunden haben, nach dekorativen Deckchen. Auch einem Kerzenleuchter wird sie ein neues Zuhause geben. „Für mich war es eine echte Herzensangelegenheit, noch einmal an meinen alten Arbeitsplatz zurückzukehren und mit Ewa und Gunnar ein paar Worte zu wechseln. Ich habe den Wiegands in der Küche geholfen, bis ich nach Hohenbüchen umgezogen bin“, berichtet die ehemalige Lauensteinerin. Ein Stück Erinnerung möchte sich auch Ingeborg Düvel sichern. Die Dehmkerbrockerin besucht den Flohmarkt gemeinsam mit ihrer 90-jährigen Mutter Waltraud Dommes aus Bessinghausen und ihrer Schwester, der Esperderin Gundula Sander. „Vor den Wiegands hat unsere Schwester die „Alten Post“ geführt und so haben wir hier stets alle Familienfeste gefeiert“, berichten die Schwestern und ihre Mutter fügt an: „Und es war immer so schön gemütlich!“ Die drei Damen entscheiden sich letztendlich für Gemüseschalen sowie ein gläsernes Milch und Zucker-Set aus dem großen Flohmarktsortiment. Wenn dann demnächst das Gemüse auf den heimischen Tisch kommt, wird auch immer eine Portion „Alte Post“-Erinnerung dabei sein.

Ausverkauf in der „Alten Post“ in Esperde: Geschirr, Deko-Artikel und Tischwäsche fanden Abnehmer. Foto: sbr
  • Ausverkauf in der „Alten Post“ in Esperde: Geschirr, Deko-Artikel und Tischwäsche fanden Abnehmer. Foto: sbr
Tatjana Zimmer hat in der Alten Post gearbeitet und sucht nach Erinnerungsstücken. Foto: sbr
  • Tatjana Zimmer hat in der Alten Post gearbeitet und sucht nach Erinnerungsstücken. Foto: sbr
Auch die Bärchen gab’s zum Schnäppchenpreis: Renate Herr war aus Bad Münder angereist, um einen Teddy zu erwerben. Foto: sbr
  • Auch die Bärchen gab’s zum Schnäppchenpreis: Renate Herr war aus Bad Münder angereist, um einen Teddy zu erwerben. Foto: sbr

Annette Stange aus Osterwald trägt ein Stuhlkissen aus der „Alten Post“. Aber halt: Das stammt doch aus einer ganz anderen ehemaligen Emmerthaler Kultlokalität – dem Colour. „Heiko Ventura war bei mir als Koch angestellt, bevor er sich in Ohr selbstständig gemacht hat“, erklärt Gunnar Wiegand die Verbindung. Und da auch das Colour bekanntlich mittlerweile Geschichte ist, hatten Schnäppchenjäger auf dem Esperder Kneipenflohmarkt auch die Möglichkeit, das eine oder andere Erinnerungsstück aus dieser ehemaligen Gastronomie zu ergattern.

Überwältigt von der großen Besucherresonanz zeigte sich Ewa Wiegand. Sie konnte die vielen Umarmungen und netten Gespräche am Ende des Tages gar nicht mehr zählen. „Wir möchten uns noch einmal bei allen Freunden und Gästen bedanken und sagen: Wir sind nicht weg! Ihr findet uns im Okal-Café in Lauenstein!“, so die Wirtin.



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