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Speziell ausgebildete Tiere unterstützen Menschen im Rollstuhl / Verein steht der Jugendlichen aus Hajen zur Seite

Anika wünscht sich Assistenzhund als Freund und Helfer

Hajen. Zu Weihnachten wünscht sich Anika Lenk CDs, DVDs – Dinge eben, mit denen sie am Computer etwas anfangen kann. „Der PC ist derzeit der einzige Ort, wo ich zeigen kann, wer ich bin, wo meine Interessen liegen“, erklärt die 16-Jährige. Seit ihrer Geburt lebt sie mit einer Tetraspastik, also weitgehend gelähmten Extremitäten. Zwar ist sie auf einen elektrischen Rollstuhl und vielfältige Hilfe angewiesen, empfindet das aber – nicht zuletzt dank ihres christlichen Glaubens – nicht als Last, als Strafe oder bemitleidenswert. „Ich habe ein schönes Leben. Es ist wertvoll zu wissen, dass es viele gibt, denen es schlechter geht.“

veröffentlicht am 24.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 00:21 Uhr

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Autor:

Sabine Weiße
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Das neue Jahr erwartet der Teenager aus Hajen in besonderer Vorfreude. Wenn alles gut läuft, wird Anika im Sommer ihren neuen Begleiter kennenlernen: einen speziell auf ihre Bedürfnisse ausgebildeten Assistenzhund. „Ich wäre viel unabhängiger. So ein Hund kann Türen öffnen, Gegenstände aufheben, mir beim Anziehen helfen und im Notfall Alarm schlagen“, erzählt Anika Lenk mit leuchtenden Augen. Als Begleiter durch den Schullalltag an der Werner-Dicke-Schule in Bemerode würde er ihr Sicherheit und Selbstvertrauen geben. Neben der ganz praktischen Hilfe erhofft sie sich noch etwas: Mit einem vierbeinigen Freund an ihrer Seite möchte sie mit anderen leichter ins Gespräch kommen, unkomplizierter Kontakte knüpfen. „Das ist nämlich in meiner Situation nicht leicht. Wenn überhaupt, dreht sich alles nur um meine Behinderung. Dabei gibt es wertvollere Dinge, über die ich reden möchte. Über meinen neuen vierbeinigen Freund beispielsweise, über meinen Glauben oder über die fast 50 Gedichte, die ich mittlerweile geschrieben habe.“

Es ist der gemeinnützige Verein „Apporte“ (www.apporte-assistenzhunde.de) mit Sitz in Wunstorf, der Anika Lenk den Wunsch nach einem Apportierhund erfüllen wird. Anschaffung und Ausbildung der Tiere werden durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert. Pro Tier sind das etwa 16 000 Euro. Vor sieben Jahren gegründet, arbeitet der Verein mit einer zertifizierten Hundeschule in Österreich zusammen.

Anika und ihre Eltern waren im Jahr 2009 bereits dort, um sich vor Ort ein Bild zu machen. „Seit sie vor fast zehn Jahren eine Reportage über Apportierhunde gesehen hat, beschäftigt sich unsere Tochter mit diesem Thema“, erzählt Vater Rüdiger Lenk. Mittlerweile sei sie „alt genug für einen Apportierhund“, meint Anika. Denn ein Tier bedeute über viele Jahre eine große Verantwortung. „Ich muss ihn füttern und schauen, dass er sich bei uns wohlfühlt.“ Außerdem gingen ihre beiden Drillingsschwestern Saskia und Natascha jetzt immer häufiger eigene Wege. „Sie waren zu meiner Hilfe und Unterstützung immer für mich da. Aber jetzt will ich auch einmal etwas allein schaffen“, macht die 16-Jährige selbstbewusst deutlich.

Nachdem sie sich bei „Apporte“ beworben hatte, war im Januar eine Kommission mit zwei Hunden in Hajen. „Haus und Garten wurden sehr kritisch in Augenschein genommen. Denn natürlich muss auch das Umfeld für das Tier stimmen“, führt Mutter Anja Lenk aus. Während Anikas Assistenzhund seine zweijährige Ausbildung absolviert, sammeln Verein und Familie fleißig Geld. Denn rund 3000 Euro werden benötigt, um den Anteil der Familie – nämlich 2000 Euro für den Hund – und die 14-tägige Schulung in Österreich bezahlen zu können. In dieser Zeit wird Anika lernen, sich mit ihrem Hund zu verständigen. „50 Kommandos muss ich bis zum Sommer lernen.“ Rund 100 Spendenbriefe wurden verschickt, viele Freunde und Bekannte haben sich bereits großzügig gezeigt. „Aber wir können schon noch ein paar Euro gebrauchen“, kommt Anika ohne Umschweife auf den Punkt. Sie freut sich „riesig auf den Moment, wenn ich meinem neuen Freund gegenüber stehe“. Am liebsten hätte sie einen Golden Retriever. Von ihrer Freundin und Schulkameradin Elisabeth – die hat bereits einen Assistenzhund – weiß sie: Es wird ein Leben voller neuer Möglichkeiten werden. Ein Weg, der auch vom PC weg und hinaus in die Welt führt. Mit einem vierbeinigen Freund an ihrer Seite.

Zwei Jahre dauert die Ausbildung eines Assistenzhundes, die wie hier beim Ausziehen behilflich sind, aber auch Lichtschalter betätigen oder Gegenstände aufheben.

Foto: Verein Apporte Assitenzhunde

„Ich wäre viel unabhängiger“, begründet Anika Lenk ihre Hoffnung, ab Sommer statt eines Stoffhundes einen richtigen Assistenzhund haben zu können. Foto: saw



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