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Wie ein Aerzener seine MS bewältigt

André Rode: Mit einer Kamera gegen die Krankheit

AERZEN. In Deutschland leiden mehr als 200.000 Menschen an Multipler Sklerose (MS). André Rode ist einer von ihnen. Er hat einen Weg gefunden, gut mit der Krankheit leben zu können. Mit seinem Online-Projekt „Mensch TV“ möchte Rode zeigen, wie es ist, unter MS zu leiden – und wie normal das Leben trotzdem sein kann.

veröffentlicht am 06.11.2018 um 11:32 Uhr
aktualisiert am 06.11.2018 um 18:11 Uhr

Im Fokus: André Rode hat MS – und einen Weg gefunden, damit umzugehen. Foto: mo
Muschik, Moritz

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Moritz Muschik Autor zur Autorenseite

Kein Gefühl im Bein? Kommt bestimmt vom Rauchen. Ein paar Tage blind auf einem Auge? Liegt wohl an Stress und Überarbeitung. Von Multipler Sklerose wusste André Rode nicht viel, als er in den Skiurlaub ins Sauerland fuhr. Doch als er von der Piste zurückkam, änderte die Diagnose sein Leben radikal.

„Nach fünf Tagen im Skiurlaub habe ich auf dem linken Auge immer noch nichts gesehen“, erzählt André Rode. Zurück in der Heimat erfuhr er, woran es lag: an der Krankheit, die ihn für den Rest seines Lebens begleiten wird. Seit rund 14 Jahren weiß er inzwischen, dass er unter der Autoimmunkrankheit Multiple Sklerose, kurz MS, leidet. „Ich hatte es wahrscheinlich schon länger“, sagt Rode, der in Aerzen wohnt. „Vorher wusste ich nicht, wie sich Schübe der Krankheit geäußert haben.“

Entzündungen, vorwiegend in Rückenmark und Halswirbelsäule, führen bei ihm zu Taubheitsgefühlen in Händen und Füßen. Die Krankheit betrifft das zentrale Nervensystem. Weltweit sind schätzungsweise etwa 2,5 Millionen Menschen an einer MS erkrankt, wohl mehr als 200 000 in Deutschland. Einer von ihnen ist André Rode. „MS ist eigentlich nicht tödlich“, sagt er. „Es ist aber eine fortschreitende Erkrankung und wird nicht besser.“ Mit Medikamenten könne man die Krankheit einigermaßen in den Griff bekommen. „Sodass es sich nicht so schnell verschlechtert“, erklärt Rode.

„Ich habe mich wie ein Alien gefühlt“: André Rode lernte nach einem heftigen Schub seiner Krankheit die Berührungsängste anderer Menschen kennen. Als er daraufhin ein Video seiner MS drehte, wurde es besser. Foto: mo

Als er im Alter von 32 Jahren die Diagnose bekommt, weiß er, dass sich sein Leben radikal ändern wird. Rode, der studierter Bauingenieur und Betontechnologe ist, hat lange selbstständig in der Betonbranche gearbeitet. „Ich habe ein Verfahren entwickelt, wie man Betonwaren günstiger herstellen kann. Samstags, sonntags, jede Sekunde habe ich mich damit beschäftigt“, erzählt er. Doch den Stress, Unternehmer zu sein, konnte und wollte er sich nicht mehr antun. „Aber ich dachte: Berichten kann ich immer.“ Zunächst fing er an, Handball- und Fußballspiele in der Region zu filmen und Interviews zu führen – unter anderem für „STW Sports TV“. Vor rund fünf Jahren gründete er schließlich seinen eigenen Kanal im Internet: „Mensch TV“. Seitdem sind seine Medikamente auch Kamera und Mikrofon.

„Als ich einen heftigen Schub und eine Spastik hatte, habe ich mich in der Sporthalle, in der ich vorher häufig war, wie ein Alien gefühlt“, erzählt Rode. Viele hätten ihn anders behandelt, Berührungsängste gehabt. Dann aber drehte er das erste Video über seine Krankheit, klärte darin über die MS und die Auswirkungen auf. „Und in der nächsten Woche war alles wieder anders. Sie sind normal mit mir umgegangen. Das war schön.“

Toll ist es nicht. Aber es ist mein Leben. Und mein Leben finde ich gut.

André Rode

Mit „Mensch TV“, möchte Rode zeigen, wie es ist, unter MS zu leiden – und wie normal ein Leben trotz der fortschreitenden Krankheit sein kann. Mal spricht er offen über die Auswirkungen im Alltag, mal besucht er andere Menschen mit MS und tauscht sich mit ihnen aus. „Es macht mir Spaß, neue Menschen kennenzulernen, neue Freunde zu finden“, sagt Rode. Viel werde in der Gesellschaft grundsätzlich schlechtgeredet. Doch Rode ist optimistisch: „Die Welt ist verdammt gut.“

Rode kommt durch sein Projekt „ganz gut rum“, wie er sagt. Er besucht auch Menschen mit Behinderungen. „Einmal habe ich mir angeguckt, wie es mit Barrierefreiheit in Städten aussieht“, erzählt er. Rode besuchte einen Mann und eine Frau in Wien. „Sie sind von Geburt an Spastiker, sitzen im Rollstuhl und konnten mir Barrieren zeigen, die man als Fußgänger sonst gar nicht sieht“, sagt er und fügt dann hinzu: „Mir ist es wichtig, zu zeigen: Das sind ganz normale Menschen.“

Rode bekommt oft Zuschriften von Menschen, die sich für seine Videos bedanken. „Sie schreiben, dass es ihnen hilft, die Dinge positiver zu sehen. Dann bekomme ich eine Gänsehaut.“ Mit „Mensch TV“ hat er einen Weg gefunden, gut mit seiner MS klar zu kommen – und auch andere Menschen zu sensibilisieren. Über seine Krankheit sagt André Rode: „Toll ist es nicht. Aber es ist mein Leben. Und mein Leben finde ich gut.“



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