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Groß Berkeler Maschinenbauer Gruse erhält Millionenauftrag / „Vollbeschäftigung für drei Jahre“

An den Hubtischen zeigt sich der Aufwärtstrend

Groß Berkel (roh). Es ist der größte Geschäftsabschluss in 141 Jahren Unternehmensgeschichte. Der Groß Berkeler Maschinenbauer Gruse GmbH hat vom bayerischen Automobilkonzern BMW den Auftrag erhalten, 3 500 Spezialhubtische zu liefern. „Diese Hubtische werden beim Ein- und Ausbau von Motoren und Getrieben benötigt“, erklärt Geschäftsführer Werner Jobst. Benötigt werden die Hubtische, deren Stückpreis bei rund 3 500 Euro liegt, in den Vertragswerkstätten des Automobilherstellers.

veröffentlicht am 02.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 23:41 Uhr

Der Hubtisch vom Maschinenbauer Gruse im Einsatz: Das Groß Berke
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Wie es zu diesem historischen Auftrag gekommen ist, beschreibt Jobst so: „Es gab keine öffentliche Ausschreibung, aber natürlich haben auch wir davon erfahren, dass BMW Hubtische benötigt. Wir sind dann mehrmals nach München in die Konzernzentrale gefahren, um dort ein Angebot zu unterbreiten.“ Das war vor rund zwei Jahren. Ein Zufall brachte Jobst schließlich auf den richtigen Weg. „Als wir uns um diesen lukrativen Auftrag bemühten, waren wir zeitgleich mit der Optimierung von Produktionsabläufen beschäftigt und standen in diesem Zusammenhang in engen Kontakt zur Wirtschaftsförderung des Landkreises.“ In einem dieser Gespräche habe Jobst auch den BMW-Hubtisch erwähnt. „Prompt wurde der Kontakt zu Wissenschaftlern in Hannover hergestellt, und das war ein Glücksfall“, erinnert sich der Geschäftsführer. Denn mit einer Designstudie des Hannoveraner Professors Michael Nicklas öffneten sich in München die Türen für das Groß Berkeler Unternehmen.

„Unser Ansatz damals war: BMW ist eine Premium-Marke und ein Hersteller, der nicht nur bei seinen Endprodukten, sondern auch bei der Herstellung und Wartung viel Wert auf modernes Design und vor allem höchste Qualität legt.“ Genau diese Faktoren habe man in die Waagschale geworfen und sich am Ende gegenüber den Mitbewerbern durchgesetzt.

Vertreter des bayerischen Autobauers hätten das gesamte Produktionsgelände in Groß Berkel unter die Lupe genommen. „Die lange Zeit zwischen dem ersten Kontakt und der Auftragserteilung war natürlich eine spannende Phase“, sagt Jobst. Immer wieder sei der Termin der Auftragsvergabe wenige Minuten vor Bekanntgabe verschoben worden. Überzeugt, da sind sich Jobst und der bis vor fünf Jahren als Geschäftsführer tätige Ingo Gruse einig, habe die Kompetenz des Unternehmens. Gruse: „Wir haben unseren Schwerpunkt in den letzten Jahrzehnten zunehmend auf den Bereich der Spezialanfertigungen verlegt. Große Stückzahlen sind deswegen eine Seltenheit.“ So werden in Groß Berkel derzeit beispielsweise vier Hubtische für den Airbuskonzern gebaut, Stückpreis: rund 250 000 Euro.

Gruses Engagement im Automobilbereich ist nicht neu. Auch für den Volkswagen-Konzern und Porsche hat man in Groß Berkel schon Hubtische entworfen und gefertigt. Dennoch: Jobst und Gruse sind sich sicher, dass ein solcher Auftrag für Rennomee in der Branche sorgen wird. „Natürlich spricht sich so etwas schnell herum, und wir führen aktuell Gespräche mit anderen Herstellern.“

Eine positive Auswirkung habe dieser Millionenauftrag aber schon jetzt erzielt, wie Jobst bestätigt: „Wir wurden vom BMW-Konzern in den Status des Systemlieferanten erhoben.“ Mit dieser Klassifizierung sei es den BMW-Werken möglich, auf die gesamte Gruse-Produktionspalette zuzugreifen, ohne die Münchener Zentrale einzuschalten. Interesse an den speziellen Hubwagen hätten zudem bereits internationale Hersteller bekundet, wie Jobst anfügt. Für Andreas Manz, Referatsleiter beim Landkreis für Wirtschaftsförderung und regionale Entwicklung, steht fest, dass die Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ein Garant für diesen Erfolg war. „Dies ist einer von zahlreichen Erfolgen, die wir in den letzten Jahren im Bereich des Technologietransfers verzeichnen können“, so Manz. Ein wichtiger Bestandteil der heimischen Wirtschaftsförderung sei eine kontinuierliche und bedarfsgerechte Beratungsleistung im Bereich des Technologietransfers.

Rechnete man die für die Produktion der 3500 Hubtische benötigte Zeit zusammen, so bedeutete allein dieser Auftrag drei Jahre Vollbeschäftigung für 60 Mitarbeiter, sagt Gruse-Geschäftsführer Jobst.

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