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Pfähle sollen ihr Alter preisgeben

Am Grohnder Fährloch: Archäologen nehmen Holzproben

GROHNDE. Seit mehreren Wochen ragen sie am Grohnder Fährloch aus dem Wasser: neun Eichenpfähle – wuchtig, am Kopf abgewetzt und Jahrhunderte alt. Nun wollen Archäologen des niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege dem Alter der hölzernen Pfosten auf den Grund gehen.

veröffentlicht am 11.11.2018 um 14:16 Uhr
aktualisiert am 12.11.2018 um 10:23 Uhr

Die Köpfe von neun Exemplaren Jahrhunderte alten Holzpfählen ragen an der Grohnder Fähre aus dem Wasser. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite

Während die tief in den Grund getriebenen Hölzer bei normalen Pegelständen vom Wasser überspült sind, wurden sie durch den niedrigen Wasserstand freigelegt.

In den kommenden Tagen sollen Experten Bohrungen an den Pfählen vornehmen, um das Alter der Pfähle bestimmen zu können. Die Archäologen sind sich sicher, dass es sich um Pfeiler einer alten Weserbrücke handelt. Doch aus welcher Zeit stammen die Hölzer? Emmerthals ehemalige Gemeindedirektor Martin Delker weiß, dass Hildesheimer Bischöfe bereits im Jahr 1443 eine Pfahlbrücke über die Weser bauen ließen. Dieses Bauwerk wurde später in den Jahren 1617/1618 gründlich saniert, bevor die Brücke in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges zerstört wurde. „1633 ist dann eine Amtsfähre eingesetzt worden“, sagt Delker.

Die zu nehmenden Holzproben sollen in einem Labor in Göttingen dendrochronologisch untersucht werden, teilt Friedrich-Wilhelm Wulf, Referatsleiter und Bezirksarchäologe im Landesamt mit. Über die Jahresringe wollen die Spezialisten den Fälljahren der Eichenbalken auf die Spur kommen. Die Dendrochronologie ist ein Datierungsverfahren, das auf der Ringbreitenmuster-Ähnlichkeit zeitgleich gewachsener Jahrringe beruht. Durch die Untersuchung tausender archäologischer, bauhistorischer und in Mooren und Kiesgruben eingelagerter Hölzer können Spezialisten das Alter von bis zu 10 000 Jahren alten Eichenhölzer bestimmen.

Die Hamelner Weserbrücke im Jahr 1622. Die Grohnder Brücke soll wie das linke Teilstück ausgesehen haben. Foto: Stadtarchiv Hameln

Andere an der Fähre aus der Weser gezogene und etwa viereinhalb Meter lange Pfosten wurden bereits 1984 untersucht. Wissenschaftler datierten das Fälljahr der Stämme um das Jahr 1563. Warum folgt jetzt eine weitere Untersuchung? „Jede Datierung, die man hat, ist hilfreich“, meint Joachim Schween. Außerdem könne man die Funde genau lokalisieren. Der Archäologe hat sämtliche Fundstellen im Landkreis Hameln-Pyrmont erfasst und katalogisiert – auch die der ehemaligen Grohnder Weserbrücke.

Jetzt kam die Frage auf, ob sich die neuen Datierungen deutlich von denen aus den 80er-Jahren unterscheidet. Interessant sei es, wenn sich innerhalb der Pfahlreihen mehrere Hölzer unterschiedlichen Alters befinden. In dem Fall könne man von einer stattgefundenen Sanierung ausgehen. „Sind alle neun Pfosten aus dem gleichen Jahr, wäre es eine große Neubaumaßnahme gewesen“, so Schween.

Es stellt sich die Frage, wie die Brücke konstruiert war. Abbildungen, auf denen das Bauwerk zu sehen ist, gibt es keine. Einen Bogen hatte sie wahrscheinlich nicht, meint Schween. „Die wird sehr einfach gebaut gewesen sein“, vermutet der Hamelner. Der Altertumsforscher nimmt an, dass die Brücke ähnlich der in Hameln war, die auf einem Kupferstich aus dem Jahr 1622 abgebildet ist – allerdings ohne darauf dargestellte Steinpfeiler. „Das ist ein Typus, der übertragbar und zeitlich am dichtesten an der Zeit dran ist“, meint Schween.

Nach Beschädigungen – etwa durch Eisgang – soll die Holzbrücke öfter erneuert worden sein. Bis sie Anfang des 17. Jahrhunderts offenbar so abgängig war, dass ab 1633 eine Fähre zum Einsatz kam. „Das war zu einer Zeit, wo man große Schwierigkeiten hatte, so ein Bauprojekt wieder aufzugreifen. Die Brücke verschwand“, spricht Schween die Zeit während des Dreißigjährigen Krieges an. Es habe nicht nur das Geld gefehlt. Auch an das Bauholz sei man in den verwüsteten Landschaften nicht mehr herangekommen. „Da hatten die Dörfer ganz andere Probleme“, so der Wissenschaftler.



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