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Neu angelegte Flutmulde an der Emmer bleibt in der Kritik / Landkreis sieht Nutzen für Naturschutz

Am Biotop scheiden sich weiter die Geister

Amelgatzen (cb). Das im vergangenen Jahr angelegte Biotop nahe der Emmer in Amelgatzen bleibt Thomas O. Mahrenholtz ein Dorn im Auge. Nahezu täglich beobachtet er die Situation an der Flutmulde, die in dem Naturschutzgebiet angelegt worden ist. Schon im Dezember, als die Erdarbeiten für das 1200 Quadratmeter große Areal durchgeführt wurden, meldete der Amelgatzer erhebliche Zweifel an dem Projekt an. Landkreis und der verantwortliche Landschaftsarchitekt wiesen damals die Kritik zurück und setzten auf Geduld. „Nichts von dem, was prognostiziert worden ist, ist wahr geworden“, meint Mahrenholtz nun.

veröffentlicht am 09.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 07:41 Uhr

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Für die Flutmulde, als Ausgleichsmaßnahme mit einem Kostenumfang von rund 11 000 Euro gedacht, war der Boden etwa 30 Zentimeter tief abgetragen worden. Ziel: Auf diese Weise sollte sich im Bereich der Emmer ein Feuchtstandort entwickeln. Mahrenholtz erneuert seinen Vorwurf, dass unter den ökologischen Aspekten der Aufwand, bis zu 800 Tonnen Aushub mit Lkw abzutransportieren, in keinem Verhältnis stehe. Verwildert sei das Areal, aber die Idee, „eine Sumpffläche zu erzeugen, hat ganz offensichtlich nicht funktioniert“. Zwar gesteht der Diplom-Ingenieur ein, kein Naturexperte zu sein, gibt aber auch unter Hinweis von anderen Einwohnern, die das Projekt argwöhnisch sehen, zu verstehen: „Da kann man zwei und zwei zusammenzählen.“ Sein Hauptvorwurf: Form gehe vor Inhalt. Nur weil eine Ausgleichsfläche benötigt worden sei, wäre dort Geld ausgegeben worden, um den Gesetzen zu genügen. „Ohne Sinn und Verstand“, sagt der Amelgatzer. Hinzu komme, dass sich im Bereich der Emmer immer mehr das Springkraut ausbreite und heimische Pflanzen aggressiv verdränge, sagt Mahrenholtz. „Und ausgerechnet diese Pflanze freut sich über sumpfigen Boden.“

Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises weist die „vereinzelt vorgebrachte Kritik“ an der Flutmulde zurück. „Die Maßnahme wurde und wird sowohl von Naturschutzfachleuten als auch von den Umweltverbänden begrüßt“, heißt es in einer Stellungnahme aus dem Kreishaus. Der Naturschutz profitiere von dem vorhandenen Zustand in mehrerlei Hinsicht, denn nicht nur wildlebende Pflanzen, auch wildlebenden Tierarten werde dort Lebensraum angeboten und somit die Artenvielfalt im landwirtschaftlich geprägten Emmertal erhöht.

Die Untere Naturschutzbehörde geht auch auf das Springkraut ein, welches sich als invasiver Neophyt (neu eingewanderte Pflanzenart) in ganz Norddeutschland erheblich ausbreite und schwierig zu bekämpfen sei. Eine Bekämpfung des Bewuchses in beziehungsweise an der Flutmulde sei nicht beabsichtigt. Langfristig sei geplant, durch die Geländeabsenkung ein wechselfeuchtes Areal zu schaffen. Der Landkreis mahnt Geduld an: „Bereits jetzt zu behaupten, diese Zielsetzung sei nicht erreicht worden, ist verfrüht, da ökologische Prozesse und Entwicklungen erfahrungsgemäß viele Jahre – teilweise gar Jahrzehnte – benötigen, um sich zu stabilisieren. Im Übrigen ist der kritisierte Wildwuchs auf der Fläche ein sichtbares Anzeichen für die beginnende ökologische Entwicklung.“

Zumindest: Wenn der Unterhaltungsverband Emmer – Humme am 30. August die jährliche Gewässerschau vornimmt, will er sich die Situation vor Ort genauer ansehen. Das kündigt Erich Röttger aus Amelgatzen, Schaubeauftragter für den Bereich der Emmer, an. Er kenne das Gewässer seit seiner Kindheit und zweifele ebenfalls den Sinn der Flutmulde an. Das Geld hätte an der Emmer besser angelegt werden können, meint Röttger – zum Beispiel für Fischtreppen.

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