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Historisches Blech glänzt in Börry

Altenpflege der anderen Art

BÖRRY. Undine Grubitzsch taucht den Putzlappen in den Wassereimer, zieht ihn wieder hervor und wringt ihn etwas aus. Dann beginnt sie, über die Karosserie zu wischen, die überall dort angerostet ist, wo die ursprüngliche Lackschicht fehlt. Im „Museum für Landtechnik und Landarbeit“ in Börry ist „Frühjahrsputz“ angesagt.

veröffentlicht am 15.04.2019 um 15:21 Uhr

Undine Grubitzsch macht im Museum für Landtechnik einen alten Hanomag äußerlich frühlingsfit. Eigentlich ist sie gelernte Altenpflegerin, kann in diesem Job aber nicht mehr arbeiten. Foto: br
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Burkhard Reimer Reporter
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Es gilt unter anderem, die Schätzchen unter dem Dach der Trecker-Remise von Staub und allem anderen Schmutz zu befreien, die sich während der Wintermonate auf dem historischen Blech angesammelt haben. Gerade ist der Hanomag-Trecker von 1952 an der Reihe. Der verlangt besondere Aufmerksamkeit, denn sein Besitzer hat die Abgabe an das Museum mit der Bedingung verknüpft, dass er nicht verändert, also auch nicht neu lackiert wird. Museumswart Dieter Brockmann hat vollstes Verständnis dafür und obendrein einen kleinen Trick auf Lager: Er mengt dem Waschwasser einen Spritzer seines „geheimen Wundermittels“ bei. Welches das ist, verrät er nicht. Fest steht aber, dass Undine Grubitzsch keine Mühe hat, auch den angerosteten Flächen noch einen gewissen Glanz zu verleihen. Die Arbeit geht ihr flink von der Hand, wobei sie auch jeder der berühmt-berüchtigten und in der Fahrzeugpflege gefürchteten „kleinen Ecken“ die notwendige Aufmerksamkeit widmet. „Mir macht das richtig viel Spaß“, versichert sie, „wie überhaupt alles, was ich hier zu tun habe.“

Brockmann lobt: „Undine macht das wirklich superklasse.“ Vor allem ihr selbstständiges Arbeiten wisse er sehr zu schätzen. Der Umgang ist vertraut, das Arbeitsklima entspannt. So etwas wie „du Angestellte – ich Chef“ gibt es hier nicht.

Undine Grubitzsch – übrigens „eine echte Börryanerin“, worauf sie mit Stolz hinweist, ist eine Teilzeitkraft des Museums. Die 58-Jährige hat ursprünglich in der Altenpflege gearbeitet, sie kann diesen Beruf, der ihr vor allem in körperlicher Hinsicht zu viel abverlangt, aber aus gesundheitlichen Gründen seit geraumer Zeit nicht mehr ausüben. Vor der kompletten Arbeitslosigkeit, in die sie dadurch hätte geraten können, hat sie der Verein „Arbeit und Integration Bad Pyrmont“ (AIBP) bewahrt und sie bereits im vergangenen Jahr als „Ein-Euro-Jobberin“ an das Museum für Landtechnik und Landarbeit vermittelt. Allerdings galt der Zeitvertrag nur für sechs Monate, also über die Sommersaison. „Ich hatte schon Angst, dass es in diesem Jahr nicht klappen würde“, ist Grubitzsch jetzt umso erfreuter darüber, dass sie wieder mit Brockmann und seinem Museumsteam zusammenarbeiten kann. Und „Altenpflege“ betreibt sie hier in einem anderen Sinne ja auch.

Selbst wenn die Mitarbeiterin täglich „nur“ sechs Stunden tätig sein und aufgrund ihrer angeschlagenen Gesundheit keine körperlich schweren Tätigkeiten verrichten kann, steht für den Museumswart fest: „Undine ist ein echter Glücksgriff!“


Öffnungszeiten: Das Museum für Landtechnik in Börry ist von April bis Oktober samstags von 14 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags ab 10 Uhr geöffnet. Während dieser Zeit bewirtet auch das Café seine Gäste – mit „Kuchen und Torten aus Meisterhand“, wie es heißt.



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