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Reststrommengen: Betreiber Preussen Elektra und Konzern Vattenfall können sich nicht einigen

AKW Grohnde – nun droht Rechtsstreit

EMMERTHAL. Betreiber Preussen Elektra will alle Möglichkeiten ausschöpfen, um das Atomkraftwerk Grohnde bis zum gesetzlich festgelegten Abschalttermin Ende 2021 am Netz zu lassen. Das Unternehmen benötigt dafür aber zusätzliche sogenannte Reststrommengen. Hinter dem Begriff steht, dass unabhängig vom konkreten Abschalttermin jedes Kernkraftwerk nur eine ihm individuell zugeordnete Elektrizitätsmenge erzeugen darf. Und die ist laut Preussen Elektra voraussichtlich im Frühjahr erreicht. Wie deren Unternehmenssprecherin Almut Zyweck auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte, werde unter anderem mit Vattenfall als Miteigentümer der bereits früher stillgelegten Kraftwerke Krümmel und Brunsbüttel über die dort noch vorhandenen Reststrommengen verhandelt, um sie auf Grohnde zu übertragen. In den Gesprächen mit Vattenfall seien aber Auslegungsfragen zur jüngsten Novelle des Atomgesetzes, die Details dazu regelt, aufgetreten, die „wir klären lassen müssen“. Was sie nicht bestätigen will, aber auch nicht dementiert: Preussen Elektra leitet rechtliche Schritte gegen Vattenfall ein.

veröffentlicht am 09.01.2019 um 21:37 Uhr
aktualisiert am 14.01.2019 um 17:02 Uhr

Für Atomkraftwerke gelten nicht nur gesetzlich vorgeschriebene Abschalttermine, sondern unabhängig davon auch festgelegte Reststrommengen. Und die sind in Grohnde bereits im Frühjahr erreicht. Foto: cb
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Zyweck erklärt, dass ihr Unternehmen davon ausgeht, dass das AKW Grohnde bis Ende 2021 in Betrieb bleibt. „Es ist klar, dass Reststrommengen übertragen werden“, erklärt sie. „Einzelheiten und Konditionen sind aber noch nicht fixiert.“ Der Betreiber verfüge noch über eigene Reststrommengen aus den Anlagen Grafenrheinfeld, Unterweser und Isar, die „wir demnächst auf Grohnde übertragen wollen“. Zyweck: „Diese Mengen reichen bis Herbst 2019. Weitere Übertragungen streben wir entsprechend an.“ Dazu würden auch Gespräche mit den Stadtwerken Bielefeld – Mitgesellschafterin des AKW – geführt.

Nach Informationen unserer Zeitung war die AKW-Belegschaft in Grohnde bereits im Dezember über die aktuelle Situation informiert worden. Dabei bekräftigte die Geschäftsführung von Preussen Elektra, dass alle Planungen davon ausgingen, den Anlagenbetrieb bis zum Ende der Laufzeit zu gewährleisten. „Leider war Vattenfall bisher nicht zu einer einvernehmlichen Lösung zur kostenfreien Übertragung des auf unseren Gesellschafteranteil in Krümmel und Brunsbüttel entfallenden Anteils bereit“, heißt es in dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt. „Ein Gericht soll nunmehr klären, ob uns die Mengen kostenfrei zustehen oder aber ob die Strommengen der gemeinsamen Gesellschaft gehören und nur gegen Zahlung herausgelöst werden dürfen.“

Preussen Elektra ist mit 50 Prozent am AKW Krümmel und mit 33 Prozent an Brunsbüttel beteiligt, die anderen Anteile gehören Vattenfall. Vattenfall-Sprecherin Dr. Barbara Meyer-Bukow wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung nicht zu Details der Gespräche äußern. „Das kommentieren wir nicht“, sagte sie. Ihr Unternehmen folge nur den Forderungen des Atomgesetzes, sich um eine Übertragung der Elektrizitätsmengen „zu angemessenen Bedingungen“ zu bemühen, sagte die Vattenfall-Sprecherin. Genau in der Interpretation dieses Paragrafen allerdings würde es die unterschiedlichen Auffassungen geben, wie Zyweck für Preussen Elektra sagt.

Nach ihren Angaben geht es aber nicht nur um das Kernkraftwerk im Weserbergland. Zyweck: „Wir sprechen mit den beiden vom Gesetzgeber dazu aufgeforderten Betreibern über die Übertragung von Reststrommengen für unsere Anlagen Brokdorf, Grohnde und Isar 2.“

Dem zuständigen Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) liegt bislang keine Mitteilung vor, dass Elektrizitätsmengen auf Grohnde übertragen werden sollen. Auch Gespräche zu diesem Sachverhalt zwischen dem BfE und dem Betreiber seien nicht vorgesehen, wie dessen Sprecherin Ina Stelljes erklärt. In der Regel dokumentiert das BfE mindestens einmal jährlich die erzeugten, übertragenen und verbleibenden Elektrizitätsmengen. Bei einer voraussichtlichen Restlaufzeit von weniger als sechs Monaten – und das gelte nun für Grohnde – erfolge monatlich eine Bekanntmachung im Bundesanzeiger durch das BfE. Das BfE müsse innerhalb einer Kalenderwoche die erfolgte Übertragung schriftlich angezeigt bekommen.



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