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Verein wirbt für landesweites Kastrationsprojekt für Katzen

Aerzener Tiernotruf will unbürokratisch handeln

AERZEN. Noch sieht Susanne Mundhenk-Alpert vom Verein Tiernotruf Aerzen einige Fragezeichen beim Kastrationsprojekt für verwilderte Katzen auf Landesebene, dennoch: Für sie ist damit ein Anfang gemacht, um der ständig wachsenden Population mit all dem damit verbundenen Leid für die Tiere zu begegnen.

veröffentlicht am 16.01.2018 um 17:30 Uhr

Eine Katze beim Freigang: Geht es nach dem Naturschutzbund, müsste das Tier in Springe kastriert werden. FOTO: STRATENSCHULTE/DPA
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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„Ich bin da noch etwas unschlüssig, wie das funktioniert“, meint die Vorsitzende des Vereins, der ein eigenes Kastrationsprojekt bereits betreibt, nach einem Telefonat mit der zuständigen Tierärztekammer Niedersachsen. „Aber wir wollen nicht länger abwarten“, sagt sie.

Der Tiernotruf verfügt über Erfahrungen, wenn es um das Thema Kastration geht. „Von Anfang an bei uns ein Schwerpunkt unserer Arbeit“, sagt die Tierschützerin aus Gellersen. „Eine Herzensangelegenheit.“

Rund 200 000 verwilderte Katzen gibt es nach Angaben des Tierschutzbundes allein in Niedersachsen. Um das Elend verwilderter Katzen einzudämmen, startete das Land Niedersachsen in dieser Woche ein Projekt zur Kastration herrenloser Tiere. Ehrenamtliche Betreuer von Futterstellen sowie Tierheim-Mitarbeiter können freilebende Katzen, die keinem Besitzer zuzuordnen sind, bis zum 15. März kostenlos bei einem Tierarzt kastrieren und registrieren lassen. Das Land fördert das Projekt mit 200 000 Euro. Etwa 2600 Tiere können mit diesem Geld plus weiterer zugesagter Summen im Projektzeitraum in Niedersachsen kastriert und gekennzeichnet werden.

Der Tiernotruf Aerzen hat über die sozialen Medien einen Aufruf mit der Bitte gestartet, die Streuner zu melden. Der Verein verfügt bislang über vier Fallen, mit denen Katzen eingefangen werden könnten, ohne dabei Schaden zu nehmen, zehn weitere stehen durch eine Spende in Aussicht, wie Mundhenk-Alpert erläutert. Würden die Anträge aus dem Landesprogramm nicht bewilligt, würde der Verein mit eigenen Geldern wie bislang den Tierarzt für den Eingriff bezahlen. „Auch wenn das nicht die Massen sein können“, sagt sie.

Ohnehin stelle das landesweite Projekt nur eine Hilfe dar angesichts der Vielzahl von freilebenden Katzen. „Wichtiger dabei ist, dass die Menschen zum Nachdenken angeregt werden“, erhofft sich die Gellerserin. Oft sei ihnen nicht bewusst, wie viel Leid sie dadurch hervorrufen würden, wenn sie die Tiere fütterten. „Sie meinen es gut – aber das ist es nicht“, berichtet Mundhenk-Alpert. Umso besser ernährt die Tiere seien, desto höher sei die Fruchtbarkeit. Immerhin: Eine Katze kann zweimal im Jahr bis zu sieben Junge bekommen. Die Folgen der zunehmenden Population nannte die Landesbeauftragte für Tierschutz, Michaela Dämmrich, bei der Vorstellung des Kastrationsprojekts. Die Tiere würden oftmals unter Wurmbefall, Parasiten und Verletzungen durch Rangkämpfe leiden. Infektionskrankheiten könnten sich bei den geschwächten Tieren schnell ausbreiten und auf Hauskatzen oder sogar deren Besitzer übertragen werden.

Geht es nach dem Tiernotruf Aerzen, dann stehen auch die Kommunen in der Pflicht. Sie seien aufgerufen, eine Kastrationsverpflichtung für Katzen einzuführen, denen von ihren Haltern Freigang gewährt wird. Susanne Mundhenk-Alpert hatte einen entsprechenden Antrag bereits Ende 2016 bei der Gemeinde Aerzen gestellt. Kürzlich habe sie sich im Rathaus zum Stand der Dinge erkundigt, nachdem sich die Gemeinde zunächst offen für so eine Verordnung gezeigt habe, über die ein Drittel der Kommunen landesweit verfügt. „Das Thema soll noch nicht vom Tisch sein“, berichtet die Gellerserin. „Ich hoffe auf eine positive Entscheidung.“

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