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Unternehmen sieht sich unter Wettbewerbsdruck / Weitere Maßnahmen für Einsparungen und höhere Umsätze

Aerzener Maschinenfabrik will Kosten senken – auch beim Personal

AERZEN. Angesichts des zunehmenden internationalen Wettbewerbsdrucks will die Geschäftsführung der Aerzener Maschinenfabrik mit einem Bündel von Maßnahmen die Umsätze steigern, organisatorische Verbesserungen durchführen und Kosten einsparen – auch beim Personal am Hauptstandort. Ziel sei es, aus der „Verantwortung als Familienunternehmen heraus den Standort Aerzen langfristig zu sichern“, sagte der Geschäftsführende Gesellschafter Klaus-Hasso Heller in einem Pressegespräch am Montag.

veröffentlicht am 18.02.2019 um 19:37 Uhr
aktualisiert am 18.02.2019 um 20:10 Uhr

Foto: Dana
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Zuvor waren Betriebsrat und Mitarbeiter von der Geschäftsführung informiert worden. Die Beschäftigten müssten ebenfalls ihren Beitrag leisten, da laut Geschäftsführung die Personalkosten am Standort Aerzen zu hoch seien. Dazu gehöre nicht nur, beispielsweise die Akkordzulage und übertariflichen Leistungen zu prüfen, sondern auch, etwa 100 Arbeitsplätze abzubauen. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht vorgesehen, die Stellen sollten durch natürliche Fluktuation wie Ruhestand entfallen, geprüft würden außerdem befristete Verträge, wie es am Montag weiter hieß.

Während die Unternehmensgruppe mit insgesamt 50 Tochtergesellschaften weltweit nach den Worten von Heller „sehr ordentlich“ dastehe, stelle sich das Kostenproblem am Hauptsitz Aerzen mit derzeit 1100 Beschäftigten dar. Auch wenn er „lautere Diskussionen“ in der Belegschaft erwarte, wolle er in Verhandlungen mit dem Betriebsrat „zu guten Lösungen für die Zukunft kommen“.

„Von großer Betroffenheit“ in der Belegschaft sprach nach dieser Information durch die Geschäftsführung der Betriebsratsvorsitzende Frank Pook. „Da hängen Existenzen dran“, sagte er auf Nachfrage unserer Zeitung. Zu Einzelheiten wollte er sich noch nicht äußern, weil darüber der Betriebsrat zunächst intern beraten müsse. Pook kritisierte, dass die Aerzener Maschinenfabrik nicht über die innovativen Produkte wie die Wettbewerber verfüge, nun aber bei den Personalkosten gespart werden solle. Der Betriebsratsvorsitzende kündigte „harte Verhandlungen“ an.

Geschäftsführender Gesellschafter Klaus-Hasso Heller sieht zu den Maßnahmen keine Alternative: „Wir müssen uns auch hier vor Ort den Gesetzmäßigkeiten des globalen Wettbewerbs stellen.“

Die Geschäftsführung hingegen erhofft sich, mit dem Betriebsrat bis Ostern zu einem Ergebnis zu den Personalkosten zu kommen. Sie sieht zu ihrem „umfangreichen Zukunftsplan“, der den Standort Aerzen bis 2021 stabilisieren solle, keine Alternative. Ziel sei es, sowohl die internationale Marktposition und die Wachstumsstrategie zu stärken als auch die Ertragssicherheit nachhaltig zu verbessern, um eine Investitions- und damit Standortsicherheit zu gewährleisten. „Der Standort in Aerzen ist Herz und Seele unseres Unternehmens. Aber Aerzen ist keine Insel“, zitiert die Mitteilung Heller. „Wir müssen uns auch hier vor Ort den Gesetzmäßigkeiten des globalen Wettbewerbs stellen. Dafür müssen wir uns verändern.“

Zuvor hatte Unternehmenssprecher Stephan Brand die wirtschaftlichen Kennzahlen vorgestellt. Trotz Rekordumsatz: Die Ertragssituation – sprich der Gewinn – bleibe durch die Kostenspirale hinter den Erwartungen zurück. Dadurch fehle das Geld für Investitionen. Mit der Unternehmensgruppe weltweit konnte nach seinen Angaben 2018 ein Rekordumsatz von knapp 400 Millionen Euro erwirtschaftet werden. Das gute Wachstum – am Standort leicht unter Plan – müsse allerdings differenziert betrachtet werden. Den positiven Effekten der Globalisierung würden auch negative Folgen gegenüberstehen. Immer mehr Wettbewerber drängten auf den Markt, darunter Großkonzerne, die mit erheblicher Finanzkraft und Preisaggressivität (Brand: „Das sind Giganten“) in Produktbereiche der Aerzener Maschinenfabrik eindringen würden, durch unterschiedliche Standorte weltweit günstiger produzieren könnten. Trotz guter Zuwächse beim Umsatz der Aerzener Gruppe mit weltweit 2500 Beschäftigten, so Brand: „Wir stehen mächtig unter Wettbewerbs- und Kostendruck.“

Während die Vorschläge der Geschäftsführung zu den Material- und Personalkosten erst am Montag öffentlich geworden seien, würden weitere Maßnahmen bereits seit Herbst überlegt. Dazu gehörten etwa die Gründung der Vertriebsgesellschaft Aerzen Deutschland voraussichtlich im Oktober, eine stärkere Lokalisierung des Aggregatebaus in den USA und in Asien oder Kostensenkungen beim Material durch Umstrukturierungen im Einkauf. Das allein reiche aber nicht, heißt es aus dem Unternehmen. Es zeige sich, dass es weiter ein Wachstumspotenzial gebe. Um es zu erschließen, werde eine vernünftige Ertragslage benötigt. Heller über das dafür notwendige Maßnahmenpaket: „Wir haben ein Kostenproblem – und das müssen wir kurzfristig beheben.“



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