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ae14/Ein schwieriger Markt

Aerzen. Der bevorstehende Umzug des Rewe-Marktes in Aerzen aus dem Einkaufszentrum am Ortsrand in den wenige Meter entfernten Neubau wirft Fragen auf, wie sich das Angebot der Nahversorger entwickelt. Zumindest: Der Leerstand in dem 1997 errichteten bisherigen Standort vergrößert sich – ein Nachfolger ist nicht in Sicht. Der Aldi-Markt liegt demnächst ziemlich abgelegen, nur noch einen Bekleidungsdiscounter gibt es in der Nachbarschaft. Als die Politiker über den Neubau zu entscheiden hatten, gingen sie mit Bauchschmerzen an den Beschluss heran – einige negative Folgen waren ihnen im Vorfeld bewusst. Letztendlich überwog bei ihnen jedoch die Sorge, dass Rewe komplett Aerzen verlassen könnte, wenn kein geeigneter Neubau genehmigt würde.

veröffentlicht am 10.11.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 05:21 Uhr

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Rewe beansprucht mehr Platz: Die Rewe-Group (weitere Marken unter dem Dach, zum Beispiel Penny, Toom, Dertour) setzt auf Expansion. Laut Geschäftsbericht 2013 gehören die Rewe-Supermärkte zu den Wachstumstreibern – allein 200 Neueröffnungen und Erweiterungen sind in diesem Jahr geplant. „Mit der Erweiterung des Rewe-Marktes wird unserem Anliegen, die Nahversorgung in Aerzen langfristig sicherzustellen, Rechnung getragen“, teilt Daniela Beckmann von der Pressestelle mit. Fast lässt sich daraus die frühere Sorge der Aerzener Politik hineininterpretieren, dass eine bestimmte Größe Voraussetzung ist, vor Ort zu bleiben. Für den 13. November ist die Neueröffnung geplant. Dann verfügt der Markt über rund 1400 Quadratmeter Verkaufsfläche – etwa 460 Quadratmeter mehr als bislang. Wurst- und Käsetheke gibt es wieder in Vollbedienung. Das gesamte Sortiment wird entsprechend der neuen Regalflächen „nach den Kundenbedürfnissen ausgeweitet“, wie Beckmann weiter berichtet.

Investor speckt Pläne ab: Für das mit drei Millionen Euro kalkulierte Bauprojekt tritt als Investor das Unternehmen Part AG (Bad Gandersheim) auf, das seit 1986 nach eigenen Angaben 180 gewerbliche und soziale Immobilienprojekte realisiert hat. Ursprünglich sollte neben dem Rewe zeitgleich ein 700 Quadratmeter neuer Fachmarkt errichtet werden – vorzugsweise für eine Drogerie, die von Aerzener Kunden nach zwei Standortschließungen vermisst wird. „Die Pläne liegen auf Eis“, sagt Ralf Flormann. Die Suche nach einem Mieter – auch aus anderen Branchen – blieb bislang ohne Erfolg. Bis zur Insolvenz sei Schlecker der klassische Anbieter für kleine Drogerien im ländlichen Raum gewesen. Die drei großen Ketten Rossmann, dm und Müller aber hätten sich noch nicht auf dieses Segment eingestellt, begründet Flormann. „Bundesweit gibt es hier ein Loch“, sagt er.

Wie reagiert Aldi? Abseits befindet sich künftig der Discounter am Rande des dann in großen Teilen leerstehenden Einkaufszentrums. Eigentlich setzt auch dieser Konzern derzeit auf die Strategie, seine Filialen zu modernisieren und zu erweitern. Auch in Aerzen, wo die Ladenfläche rund 750 Quadratmeter beträgt? Immerhin gibt es eine Auskunft von dem nicht gerade als redselig geltenden Discounter. „Eine bauliche Veränderung unseres Aldi-Marktes ist derzeit nicht geplant“, teilt Axel Gastorf, Geschäftsführer der regional zuständigen Bereichsleitung in Rinteln, mit. „Wir möchten zuerst die Entwicklung des Standortes nach der Neueröffnung des Rewe-Marktes abwarten.“

Markant – Neustart mit Geduld: Als 2012 der Discounter Penny mitten im Kernort schloss, war in Aerzen das Entsetzen groß – viele sahen den Einkauf auf kurzem Wege gefährdet. Sogar eine Unterschriftensammlung fand statt. Vor knapp einem Jahr fand sich nach vielen Gesprächen auch mit der Gemeinde ein Nachfolger – mit Markant ein als Nachbarschafts-Markt konzipierter Anbieter, der eigentlich auch vom Aus einer kleineren Edeka-Filiale an der Reinerbecker Straße in diesem Jahr hätte profitieren können. „Uns war bewusst, dass wir einen langen Atem brauchen“, sagt Marktleiter Lukas Maul. Nach eineinhalb Jahren Leerstand gilt es, Kundenströme wieder umzulenken. Bewusst wolle man sich vom Discounter unterscheiden, auch durch Lieferservice, verschiedene Aktionen und regionale Produkte. „Das ist schon ein langwieriger Prozess“, sagt Maul. „Aber ich habe das Gefühl, dass es vorangeht.“

Gutachter bestätigen: Geld aus Aerzen fließt nach Hameln. Der gefühlte Eindruck, dass die Einwohner ein gutes wohnortnahes Angebot haben wollen, aber zum Einkaufen doch woanders hinfahren, lässt sich untermauern. Ein Einzelhandelsgutachten kommt zu dem Ergebnis, dass sich im Bereich Nahrungs- und Genussmittel eine Kaufkraftbindung von 66 Prozent für Aerzen ergibt. Normal würde bei einem Grundzentrum wie dieser Gemeinde eine Quote von 80 Prozent für möglich erachtet.

Droht Leerstand im Einkaufszentrum? Auf Immobilienportalen tritt die Deutsche Immobilien Wirtschaftsgesellschaft (DIWG, Düsseldorf) als Vermarkter auf, die bereits für den 1500 Quadratmeter großen Laden von Rewe, in Kürze frei, wirbt. Als weitere Mieter werden Aldi, NKD, eine Versicherung und ein benachbarter Waschpark gelistet, ein anderes Geschäft mit 300 Quadratmeter Fläche steht bereits leer. Der im Internet genannte Ansprechpartner fühlt sich nicht zuständig, die verantwortliche Kollegin sei in Urlaub. Interessant, was die DIWG 2012 in einer eigenen Studie zur schwierigen Situation feststellt: „Aufgrund der oftmals nur eingeschränkten Drittverwendungsfähigkeit vieler Handelsimmobilien lassen sich im Regelfall die Nachvermietungen nur zu niedrigeren Mietkonditionen und kürzeren Vertragslaufzeiten abschließen als die ursprünglichen Mietverträge.“

Gemeinde verfolgt Entwicklung: Bürgermeister Bernhard Wagner sagt, dass er sich bei den Gesprächen auf dem Laufenden halte, und die DIWG große Bereitschaft zeige, auf die Wünsche potenzieller Mieter einzugehen, aber sich derzeit nicht öffentlich äußern wolle. „Sie arbeitet mit Hochdruck an einer Lösung“, weiß er. Für die Gemeinde sei es vor allen Dingen wichtig, dass das Einkaufszentrum attraktiv bleibe und sich das Umfeld weiterentwickele. Und: Der Kaufkraftabfluss gelte für andere Produkte laut Einzelhandelsgutachten noch viel stärker, obwohl es bekanntlich gute Fachhändler in Aerzen gebe. „Es liegt an jedem Aerzener, den Einkaufsstandort zu fördern und damit zu sichern“, sagt der Bürgermeister. „Da ist jeder Einzelne gefordert.“ cb



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