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Absurditäten aus der Ideenschmiede

Da scheint ihnen mächtig die Fantasie durchgegangen zu sein: Offenbar unabhängig jeder Vernunft rangen die Unabhängigen, das Areal des Atomkraftwerkes vor dem geistigen Auge, um kreative Ideen. Die Kuppel der Reaktorhülle scheint es der Kreistagsfraktion besonders angetan zu haben, um den eigentlich sinnvollen Vorschlag, über die energiewirtschaftliche Nachnutzung des Standortes Grohnde nachzudenken, ins Lächerliche zu treiben. Sieht so nicht eine Sternwarte aus? Angetan von diesem Geistesblitz, lässt sich schnell ausblenden, dass der Reaktor, als Herzstück der radioaktiven Kernspaltung, entsprechend strahlenbelastet ist. Die rührigen Kommunalpolitiker sehen wohl vielmehr strahlende Kindergesichter vor Augen. In Grohnde eine Sternwarte! Für die Unabhängigen offenbar eine Sternstunde der Kreativität – „als Besuchermagnet unter anderen auch für Schulen“ sehen sie das AKW-Gelände. Fast ernsthaft erscheinen schon Vorschläge wie Energiepark, Bildungs- und Gründerzentrum oder Technologiepark. „Denkanstöße“, natürlich „ergebnisoffen“, wie es heißt.

veröffentlicht am 09.06.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 12:21 Uhr

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Aber energiegeladen, wie die Fraktion sich weiter in die Ideenschmiede vertieft, knallen die Sicherungen anscheinend durch: Die fast harmlose Variante scheint da noch ein Wassersportzentrum an der Weser zu sein. Aber da die Unabhängigen schon bei Freizeit sind: Gab es da nicht schon in Kalkar am Niederrhein das „Wunderland“ mit Karussells rund um den Kühlturm? Warum nicht ein Sport- und Freizeitpark in Grohnde? Nur: Der Schnelle Brüter in Kalkar war nie in Betrieb gegangen, bevor ein pfiffiger Niederländer das Gelände kaufte und dort im Jahr 2000 einen Freizeitpark errichtete. Die Absurditätenliste ist inzwischen dem Fraktionsvorsitzenden mehr als unangenehm, so dass er sie am liebsten gar nicht in der Öffentlichkeit wissen möchte. „Nicht ganz glücklich gelaufen“ sei das, was sein Stellvertreter ausgeheckt hätte, sagt Ernst Nitschke, selbst Emmerthaler und mit dem AKW etwas vertrauter. Vielleicht sollten sich die Unabhängigen lieber über eine Nachnutzung ihres Antrages Gedanken machen. Vom Grundsatz her bleibt eine Arbeitsgruppe, die sich mit der Zukunft des AKW-Standortes befasst, ja richtig – nur: Die Peinlichkeiten gilt es auszuräumen, bevor sich eine öffentliche Debatte darüber im Kreistag zur Realsatire entwickelt. Das wäre der Super-GAU. (cb)

Denkanstöße? Von wegen – eher Peinlichkeiten aus der Ideenschmiede: Das Reaktorgebäude in Grohnde (li.) inspirierte die Unabhängigen wohl zu einer Sternwarte wie hier in Bochum (Mi.). Einen Freizeitpark an einem AKW (re.) gibt es tatsächlich – aber der Schnelle Brüter in Kalkar war zuvor nie in Betrieb.

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