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Müder Auftakt mit wenigen Aktionen / Steigerung am gestrigen Sonntag spornt die Ritter an

Über Tausend kommen zum Mittelaltermarkt

Aerzen. Während zahlreiche Familien ihre Sprösslinge zur feierlichen Einschulung in die Marienkirche und anschließend in die Grundschule begleiteten, hatten die Rittersleute und Wikinger, die ihr Lager gleich nebenan auf dem Gelände rund um die Aerzener Domänenburg aufgeschlagen hatten, zum Auftakt des zweitägigen historischen Markes klar das Nachsehen. Im Gegensatz zum letzten Jahr setzte der Besucherstrom nur sehr verhalten und erst in den Nachmittagsstunden ein.

veröffentlicht am 10.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 05:41 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhan
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Schule und Mittelalter, das lehrt schon die Geschichte, haben nicht unbedingt viel miteinander zu tun. Setzt die eine Institution ihren Schwerpunkt aufs Lesen, Schreiben und Rechnen, so steht bei den anderen der geschickte Umgang mit der Waffe deutlich im Vordergrund. Und selbst damit geizten die Rittersleute am Samstag. Wer zur Domänenburg gekommen war, um spannenden Ritterkämpfen beizuwohnen, der wurde enttäuscht. Auch sonst gab es zum Auftakt des dritten historischen Marktes nur wenige Aktionen, die sich als Hingucker oder Publikumsmagnet herauskristallisierten. Während der historische Rundgang durch das alte Aerzen mit dem Gästeführer und Marktorganisator Alfred Schneider und die Märchenstunde im Lager der Eversteiner auf große Resonanz stieß und auch das Konzert der Spielleute Cantoris, die spektakuläre Messershow und das abendliche Spiel mit dem Feuer im Burginnenhof gut besucht waren, lockten Schafe zum Streicheln und Ponyreiten deutlich weniger Besucher an, als in den Vorjahren, die über dem Publikum kreisenden Greifvögel. Und auch das Kinderritterturnier musste mangels spielfreudiger kleiner Mitstreiter zumindest am Samstag auf erwachsene Statisten zurückgreifen, um beispielsweise der Königin den nötigen Schutz zu gewähren oder den Duellstand der Nachwuchsritter ordnungsgemäß zu dokumentieren.

Trotz des hohen Anspruchs auf möglichst viel Authentizität zu den historischen Vorbildern sowohl innerhalb des Lagers von Hermann von Everstein und seinem Gefolge als auch im Wikingerlager der Landvaettirsippe finden immer wieder kleine Dinge des modernen Alltags Zugang zur Mittelalterwelt. Darf beim abendlichen Mahl im Gefolgelager der Eversteiner beispielsweise der Senf aus dem Plastikeimer nicht fehlen, so dient auf dem historischen Nachbau eines Wikingerbettes eine ausgeblichene blaue Ikea-Decke als Bettlaken. „Zumindest der skandinavische Grundgedanke stimmt“, muss da auch der Krieger Thorvald Tryggvason alias Walter Fasse schmunzelnd eingestehen. Während die meisten der historisch Gewandeten innerhalb der Mittelalterszene die Namen ihrer Vorbilder annehmen, bringt Ellinor Lerch ihren nicht unbedingt alltäglichen Vornamen altprovenzalischen Ursprungs sozusagen von Haus aus mit. Die 77-jährige Salzhemmendorferin sammelt bereits seit vielen Jahren historische Kleidung und begleitet seit etwa fünf Jahren ihre mittlerweile in Heidelberg wohnenden Tochter Britta und deren Lebensgefährten Martin Bienwald auf Mittelaltermärkte in der Region. „Bei uns in Benstorf würde ich so nie rumlaufen, aber auf Mittelaltermärkten fühlt man sich durch die historische Kleidung irgendwie dazugehörig“, findet Ellinor Lerch. Auch Bürgermeister Bernhard Wagner schlüpfte – zumindest über der Gürtellinie – in ein historisches Gewand. Zwar hat es zur standesgemäßen Magisterrobe noch nicht gereicht, wie er sagt, aber auch im Leinenhemd und einem weit über dem durchschnittlichen Mittelalter-Fachwissen liegenden Sachverstand outete sich Aerzens Bürgermeister als echter Fan dieser Epoche.

Am gestrigen Sonntag zeigten sich die Ritter angesichts höherer Besucherzahlen deutlich schlagkräftiger und mit der historischen Gerichtsverhandlung samt anschließender Verurteilung hatte der Markt einen weiteren ganz neuen Höhepunkt für Besucher zu bieten. Es kamen an beiden Tagen über tausend Menschen auf das Gelände an der Domänenburg, um sich das Markttreiben anzusehen.

Die Spielleute vom Duo Cantoris unterhalten die Besucher.


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