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Weser gibt Pfähle alter Brücke frei / Selten zu sehen

Über 400 Jahre lang dem Fluss getrotzt

GROHNDE. Der Pegelstandstand der Weser beträgt momentan gerade einmal 67 Zentimeter: Die Folgen sind zu sehen. Die Latferder Klippen werden schon lange nicht mehr vom Flusswasser überspült. Ein Naturdenkmal liegt bereits trocken. Vom Hajener Hungerstein, einem flachen Findling, ist mittlerweile sogar dessen Unterseite sichtbar. Sichtbar geworden sind nun auch neun Jahrhunderte alte Pfeiler - wahrscheinlich Reste einer Weserbrücke.

veröffentlicht am 04.09.2018 um 12:24 Uhr

Bei niedrigem Wasserstand sind auf der Grohnder Weserseite neun aus der Weser ragende Holzpfähle einer alten Brücke zu sehen. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Während die Oberseite des Hungersteins nicht gerade selten aus dem Wasser lugt, hat die Weser an der Grohnder Fähre Teile eines Jahrhunderte alten Bauwerks freigegeben. Neun dicke Holzpfähle stehen senkrecht im seichten Wasser. „Ein oder zwei sieht man schon mal bei niedrigen Wasserständen. Aber nicht gleich neun Stück wie jetzt“, sagt Fährmann Dirk Borchers.

Offenbar sind es Pfeiler einer alten Weserbrücke, wie es auch Cord Hölscher, profunder Kenner der Emmerthaler Geschichte, vermutet. Bis Anfang des 17. Jahrhunderts hat ein hölzernes Bauwerk die beiden Weserseiten miteinander verbunden. Während des Dreißigjährigen Krieges soll die Bücke zerstört worden sein. Auf einem Stich Merians aus dem Jahr 1654 ist eine Fähre abgebildet – jedoch kein Brückenbauwerk mehr.

Demnach haben die Eichenpfähle mehr als vier Jahrhunderte dem Weserwasser und der natürlichen Zersetzung getrotzt. Unter normalen Bedingungen verwittert Holz in der Erde innerhalb weniger Jahre. Dagegen findet in einem wassergesättigten Bereich kaum ein biologischer Abbau statt. Archäologische hölzerne Objekte können so Jahrtausende überdauern.

Am oberen Ende sind die Holzpfähle verwittert und abgenutzt. Foto: fn
  • Am oberen Ende sind die Holzpfähle verwittert und abgenutzt. Foto: fn

Inzwischen zeigen auch Archäologen vom niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege erneut Interesse an den Grohnder Pfählen. Das Alter der Holzpfosten könne durch eine dendrochronologische Untersuchung fast auf ein Jahr genau bestimmt werden, sagt Bezirksarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf.

Wissenschaftler können anhand der Auswertung von unterschiedlichen Jahresringbreiten Hölzer einer bestimmten, bekannten Wachstumszeit zuordnen. Allerdings fehle es dem Landesamt an der technischen Ausstattung, um in die Weser steigen zu können und eine Holzprobe zu entnehmen. „Da müsste eventuell eine Feuerwehr helfen“, meint Wulf.

„Seit 1891 sind auf beiden Seiten des Flusses bei Niedrigwasser doppelreihige Pfahljoche gesehen worden“, sagt Joachim Schween, Archäologe aus Hameln. Einer bereits 1984 durchgeführten dendrochronologische Untersuchung zufolge bestimmten Wissenschaftler das Fälljahr der Hölzer auf das Jahr 1563 – plus/minus fünf Jahre, so Schween.

Dieses Ergebnis kennt auch Dorfarchivar Karl-Heinz Weckmann. Die untersuchten Holzteile stehen noch heute neben dem Torbogen, erzählt der Grohnder. Weckmann ist zudem im Besitz von Fotos aus dem Jahr 1953, auf denen die im Wasser stehenden Pfähle abgebildet sind. Wie die Gemeinde Emmerthal vor rund 40 Jahren rekonstruieren ließ, soll in den Jahren 1617/1618 eine 1443 errichtete Brücke einer gründlichen Renovierung unterzogen worden sein. Dabei wurden vermutlich auch Pfähle erneuert, heißt es. Bleibt die Frage nach dem Alter der jetzt sichtbaren Holzteile. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sie noch aus dem 15. Jahrhundert stammen.



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