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Die älteste Werkfeuerwehr im Landkreis steht seit 1950 im Dienste der Aerzener Maschinenfabrik

„Öl-Wehr“ – Brandschutz läuft wie geschmiert

Aerzen (sbr). Sie ist die Älteste von insgesamt sechs Werkfeuerwehren im Landkreis Hameln-Pyrmont und eigentlich müssten die Brandschützer der Aerzener Maschinenfabrik in vier Jahren bereits ihr 75-jähriges Bestehen feiern, doch offiziell gibt es sie erst seit Anfang 1950. Aus Erzählungen älterer ehemaliger Mitarbeiter der Maschinenfabrik ist aber bekannt, dass es bereits während des Zweiten Weltkrieges einen sogenannten Werkschutz gab. „Die Werkschutzkameraden rückten bei Luftalarm mit einer Handkarre, auf der die Motorspritze montiert war, bis zum nahe gelegenen Judenfriedhof aus. Dort bezogen sie Stellung und warteten auf ihren Einsatz“, weiß der ehemalige Werkbrandmeister Heinrich Alisch aus der Vergangenheit zu berichten.

veröffentlicht am 25.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 00:21 Uhr

Für den Ernstfall gerüstet: Frank Bechmann, Gruppenführer Holger
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Allerdings gehörte er nicht zu den 16 Gründungsmitgliedern um den ersten Wehrführer Karl Lange (1950 bis 1973) und seinen Stellvertreter Hermann Meier. „Ich bin erst ein halbes Jahr später dazugekommen, denn zur Gründungsversammlung bekamen nur alteingesessene Aerzener vom zukünftigen Wehrführer eine Einladung. Ich war Zugezogener, hatte aber als Jugendlicher schon während des Krieges eine feuerwehrtechnische Ausbildung, die vergleichbar mit der heutigen Jugendfeuerwehr war, absolviert, und so bestand ich dann mit sechsmonatiger Verspätung die interne Langesche Aufnahmeprüfung“, erinnert sich der 84-Jährige, der das dienstälteste Mitglied der AM-Werkfeuerwehr ist.

Der damalige Aspiranten-Test ist heute noch legendär, denn „wen Karl Lange nicht in seiner Wehr haben wollte, der konnte noch so klar und deutlich ,Wasser marsch!‘ von einem Schuppen zum anderen brüllen, beim Wehrführer kam das Kommando nicht an, und die Aufnahmeprüfung galt als nicht bestanden“, erzählt Heinrich Alisch, der von 1973 bis 1983 selbst das Kommando über die Wehr innehatte. Ihm folgten Werner Schlie (1983 bis 1997) und sein Sohn Michael (1997 bis 2008). Seit 2008 ist Wolfgang Hiddemann Werkfeuerwehrchef über insgesamt 31 Feuerwehrmänner, zwei Feuerwehrfrauen und zwölf Kameraden in der Altersabteilung.

Im Gegensatz zu den Freiwilligen Feuerwehren werden bei Werkfeuerwehren die Werkbrandmeister nicht auf Beschluss des Rates der Gemeinde, sondern direkt vom Betriebsleiter ernannt, obwohl sie gemeinsam mit den öffentlichen Feuerwehren die Feuerwehr der Gemeinde bilden. Das Aufstellen beziehungsweise Einrichten einer Werkfeuerwehr kann zum einen eine gesetzliche Auflage aufgrund der besonderen Gefahrensituation in einem Betrieb oder auch, wie bei der Aerzener Maschinenfabrik, eine freiwillige Leistung sein. Kurze Eingreifzeiten und schnelles, routiniertes Handeln der internen Einsatzkräfte im Schadenfall, kürzere Ausfallzeiten von Maschinen sowie der Umweltschutz mit einem besonderen Augenmerk auf den betriebsnahen Bachlauf der Grieße sind nur einige Gründe, warum die Aerzener Maschinenfabrik eine eigene Werkfeuerwehr unterhält, wie Betriebsleiter Andreas Gattermann erklärt.

Großer Wert wird seitens des Unternehmens auf die Ausbildung und Ausstattung der Werkfeuerwehr gelegt, so der Geschäftsführende Gesellschafter Klaus-Hasso Heller und Enkel des Werkfeuerwehrgründers Karl-Heinrich Heller. Bereits vor neun Jahren wurde die Geschäftsleitung der Aerzener Maschinenfabrik mit der Plakette „Partner der Feuerwehr“ des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen ausgezeichnet. Alle drei Jahre wird der Leistungsstand aller deutschen Werkfeuerwehren von der jeweils zuständigen Aufsichtsbehörde überprüft. Für die Aerzener Maschinenfabrik ist die Polizeidirektion Göttingen zuständig.

Die Werkfeuerwehr ist im Allgemeinen auf die in ihrem Unternehmen zu erwartenden Einsätze spezialisiert, muss aber bezüglich ihres Aufbaus, der Ausbildung und Ausrüstung den Erfordernissen sowohl des zu schützenden Betriebes als auch der öffentlichen Feuerwehr entsprechen. „Unsere Fahrzeuge passen zwar in keine Norm, sondern sind speziell für die Einsätze innerhalb der Aerzener Maschinenfabrik ausgerüstet, aber bei Anforderung unterstützen wir auch die Kameraden der Aerzener Ortswehren, wie zum Beispiel bei den letzten großen Bränden in Rodenbeck, Herkendorf und Egge“, erklärt Wolfgang Hiddemann, der weiß, wie die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren innerhalb der Gemeinde seine AM-Brandschützer scherzhaft nennen: „Die Ölwehr – weil wir häufig ausgerüstet mit Besen, Schaufel und Bindemittel zu Öleinsätzen auf dem Betriebsgelände ausrücken müssen“, erklärt der amtierende Werkbrandmeister. Als spektakulär bezeichnet Heinrich Alisch den Brand im Keller des Prüfstandes. „In den 1970er Jahren brannte dort Kunststoff, und wir mussten uns unter schwerem Atemschutz zum Brandherd vorkämpfen. Trotz starker Handlampen konnten wir uns im schwarzen Rauch kaum orientieren“, berichtet der ehemalige Werkbrandmeister. Wenn der Funkmelder die Werkfeuerwehr heute zum Einsatz ruft, dann gilt es meist, das an großen Fertigungsmaschinen aus undichten Hydraulikverbindungen austretende Öl zu bekämpfen, um Umweltschäden zu verhindern. Noch rücken die Mitglieder von der „Hauptwache“ und vom Stützpunkt in Halle 21 aus, um zum Einsatzort auf dem weitläufigen Firmengelände zu gelangen. „Unser Tanklöschfahrzeug passt nicht nur in keine Norm, sondern auch nicht in die Feuerwehrgarage. Aus diesem Grund ist es noch mitsamt den Mannschaftsspinden in Halle 21 stationiert“, erklärt Wolfgang Hiddemann. Ende des Jahres steht dann nach Abschluss der Umbauarbeiten für die Werkfeuerwehr eine neue, zentrale Hauptwache in Halle 9 zur Verfügung. „Die neue Wache ist zentral zwischen dem alten und neuen Werkgelände gelegen und bietet ausreichend Platz für alle Fahrzeuge sowie Ausrüstungsgegenstände und verfügt darüber hinaus über Schulungs- und Sozialräume“, erläutert Betriebsleiter Andreas Gattermann.

Ein starkes Team: die Werkfeuerwehr mit Betriebsleiter Andreas Gattermann (re.).

Fotos: sbr



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