weather-image
23°

Jubiläumsfeier für Lüntorfer Gotteshaus

400 Jahre Kirche ohne Namen

LÜNTORF. Gotteshäuser haben gemeinhin einen Namen. Kurioserweise weist die Kirche in Lüntorf einen solchen nicht auf. Das soll sich jetzt ändern. Der Anlass für die Namensgebung könnte nicht passender sein: am 20. Mai wird das 400. Jubiläum der Lüntorfer Kirche gefeiert.

veröffentlicht am 14.05.2018 um 11:40 Uhr
aktualisiert am 14.05.2018 um 12:20 Uhr

Seit nunmehr 400 Jahren prägt die Lüntorfer Kirche das Ortsbild des Dorfes. Am Pfingstsonntag erhält sie auch einen Namen. Foto: ubo
Avatar2

Autor

Uwe Bosselmann Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Ein Blick auf die Geschichte des Ortes und seines Gotteshauses: Der kleine Ort Lüntorf gründete sich vermutlich zwischen 500 und 800 und befand sich nordöstlich des heutigen Standorts in einer sumpfigen Stelle. Daher der alte Name „Luntorpe“ oder „Hundorpe“ und auch auf niederdeutsch „Lündörpe“. Erst im Jahr 1349 wird der kleine Ort urkundlich erwähnt. Am 15. August des Jahres überließ Graf Heinrich von Schwalenberg sein „lehnsherrliches Recht“ über das Dorf „Hundorpe“ dem Grafen Hermann von Everstein. Zum Kirchgang mussten die Bewohner zu damaliger Zeit noch nach Ohsen. Etwa um 1500 zogen die Bewohner zum heutigen Standort um, bevor 1513 Hartung (Herbord) von Frenke das Dorf „Hundorpe“ an Eberhard von Münchhausen verkaufte und von diesem Zeitpunkt an gehörte das Dorf zum Amt Grohnde.

Wenngleich der Ort abseits der Weser liegt, so führten viele Wege durch Lüntorf und seine Bewohner in die weite Welt. Durch den Uchtelberg oder Mönkeberg kam man zu Fuß nach Welsede. Der Pferde-Omnibus verband Ottenstein (Arzt und Apotheke) mit Lüntorf und fuhr auch weiter über den Hohen Brink und Krähenberg nach Welsede mit Poststation und Bahnhof. Zudem verlief zwischen Welsede und Grohnde die wichtigste Verbindungsstraße zwischen den Bistümern Paderborn und Hildesheim. Vor Gericht in Lichtenhagen sagte im Jahr 1580 Tönnies von Lichtenhagen aus, dass in Lüntorf zuerst fünf Bauern mit Namen Reckemeier, Hasebeen, Flege, Redeckeer und Schrader siedelten.

Zur Geschichte des Ortes und seiner Kirche gehört auch der „Hagelfeiertag“. Am 16. Juli 1882 wurde an einem Nachmittag die gesamte Ernte der Lüntorfer Bauern vernichtet. Keines der umliegenden Dörfer war von dem Unwetter betroffen.

Etwa um 1520 wurde der markante Flügelaltar in der Lüntorfer Kirche gemalt. Foto: ubo

Im Jahr 1618 ließ der zuständige Grohnder Amtmann Drost Staats (Statius) von Münchhausen in Lüntorf eine Kirche bauen. Zudem schenkte er den Lüntorfern 44 4/5 Morgen Wald, damit diese ihn roden und aus der Pacht der so gewonnenen Ländereien den Erhalt der Lüntorfer Kirche und die Besoldung des Predigers zu finanzieren. Ursprünglich befand sich die Eingangstür auf der südlichen Seite und wurde später auf die nördliche Seite verlegt. Im Laufe der nächsten rund 200 Jahr wurde die Kirche zu klein und wurde 1812 um eine Fensterachse, den heutigen Altarraum, erweitert. Auch die Sandsteineinfassungen stammen aus dieser Zeit. Als Zeichen prangen die Jahreszahlen „1618“ und „1812“ an den nördlichen Außenseiten. Einen Kirchturm hat die Kirche nicht, sondern einen sogenannten Dachreiter, auf dem der Wetterhahn thront.

Das Innere der Kirche wurde im letzten Jahrhundert zweimal umgebaut. Die Kanzel war zentral hinter dem Altar und entsprach dem lutherischen Ideal, dass Abendmahl und Predigt gleichwertig sind. Die Sakristei befand sich in der rechten vorderen Ecke, auf der linken Seite zog sich eine Empore über die gesamte Länge. Bevor 1964 die Kirche grundlegend umgebaut wurde, rückte die Kanzel in die rechte vordere Ecke vor der Sakristei.

Bei der großen Umgestaltung verschwand die linke Empore, unter der hinteren Empore entstanden die Sakristei und ein Küsterraum. Die Kanzel wurde bis vor die ersten Bankreihen vorgezogen. So präsentiert sich der Innenraum noch heute. Vermutlich aus dem 18. Jahrhundert stammt die Westempore, auf dessen Ständern der Dachreiter ruht.

Im Dachreiter ist auch die 1897 gegossene Bronzeglocke untergebracht. Ihre Inschrift lautet: „In Freud und Leid, in Not und Tod, kling ich und ruf zu euren Gott. Gegossen von J.L. Radler in Hildesheim 1897.“ Sie hat alle Kriege überstanden. Eine lange Geschichte haben der aus Eichenholz geschnitzte Taufstein und die Kanzel. Sie werden aus dem 17. Jahrhundert datiert und sind damit etwa so alt wie die Kirche. Noch etwas älter, um 1520, wird der Flügelaltar mit seinen auf Eichenholz gemalten Bildern geschätzt. Im Mittelpunkt steht hier die Kreuzigung Jesu. Der Legende nach wurde ein reisender Maler ohne Geld vom Dorf versorgt und malte als Dank den Altar. Die Orgel mit zwei Manualen und Pedal wurde 1879 von der Firma Furtwängler und Söhne aus Elze gebaut und 2007 grundlegend restauriert. Um die Jahrtausendwende wurde die Kirche einer Außensanierung unterzogen.

Seit nunmehr 400 Jahren dominiert die Kirche mit ihrem Dachreiter Lüntorf und ihre Glocke schlägt zur Vollen und halben Stunde. Sie vermittelt damit ein gewisses „Heimatgefühl“.


Das 400. Jubiläum der Lüntorfer Kirche in diesem Jahr soll mit dem Geburtstag der Kirche am Pfingstfest, am 20. Mai, gefeiert werden. Zeitgleich wird die Lüntorfer Kirche einen Namen erhalten. Um 14 Uhr beginnt der Festgottesdienst, in dem Landessuperintendent Eckhard Gorka die Predigt halten wird. Im Anschluss lädt der Kirchenvorstand zum Empfang in die Lüntorfer Gymnastikhalle ein, bei dem auch eine Kaffeetafel bereitstehen wird.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?