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Jagdpächter und Kreisjägermeister mahnen Autofahrer zur Vorsicht / Neue Gefahrenpunkte

20 Wildunfälle – Appell: „Runter vom Gas“

Emmerthal (gm). Rund 20 Wildunfälle haben sich im vergangenen Jahr auf der Landesstraße L 424 zwischen Hagenohsen und Latferde ereignet. Diese Zahl nennen die beiden Jagdpächter Andreas-Georg Riecke (Hagenohsen) und Hans-Jürgen Strüver aus Latferde. „Aber die Dunkelziffer ist wahrscheinlich höher“, vermutet Riecke, der auch Vorsitzende der Realgemeinde Hagenohsen ist. „Denn gerade angefahrenes oder überfahrenes Kleinwild wird mitunter achtlos seinem Schicksal überlassen“, weiß der Jagdpächter aus Erfahrung.

veröffentlicht am 18.01.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 19:41 Uhr

Nicht nur zur Brunftzeit drohen verstärkt Wildunfälle. Auch in den Wintermonaten ist besondere Vorsicht geboten.  Foto: dpa
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Für Füchse, Dachse, Hasen und Kaninchen bildet der etwa 60 Zentimeter hohe, gemauerte Schutzwall unterhalb des Bückeberghanges, der auf der Hälfte des 2,2 Kilometer langen Waldstückes in Richtung Latferde besteht, ein besonderes Hindernis. „Das Niederwild, das, von den Weserauen kommend, seinen Schutz im Wald sucht, rennt schutzlos vor eine Wand, die diese kleineren Wildtiere kaum bewältigen können“, weiß Jagdpächter Hans-Jürgen Strüver zu berichten. „Dadurch werden die Tiere orientierungslos und rennen ein zweites Mal über die Straße“, erklärt Polizeihauptkommissar Heinrich Binder auf, dem als Leiter der Emmerthaler Polizeistation im vergangenen Jahr allerdings lediglich 10 Wildunfälle auf der Landesstraße L 424 gemeldet worden sind. In seinen polizeilichen Ermittlungen handelt es sich schwerpunktmäßig um Wildunfälle mit Reh- und Schwarzwild, die an den beteiligten Fahrzeugen einen nicht unerheblichen Sachschaden verursacht haben. „Allerdings dürfen auch die jeweiligen Jagdpächter im Falle einer Kollision mit einem Wildtier entsprechende Unfallbescheinigungen ausstellen“, verdeutlicht der Leiter der Polizeistation. Nicht alle Fälle werden deshalb bei den Beamten aktenkundig.

Auf der L 424 unterhalb des Bückeberges gibt es keine Geschwindigkeitsbegrenzung, nicht einmal einen Hinweis auf Wildwechsel. Diese Strecke mit ihren vielen unübersichtlichen Kurven bedeutet besonders im Winter für viele Wildtiere den sicheren Tod. Wie Polizeihauptkommissar Heinrich Binder ankündigt, möchte sich der Landkreis bei seiner Verkehrsbesprechung am 9. Februar mit der Problematik auf der Landesstraße befassen. Für Hagenohsens Jagdpächter Andreas-Georg Riecke gibt es auf dieser vielbefahrenen Straße nur ein Konzept. „Runter vom Gas und immer vorausschauend fahren“, lautet der Appell des Diplomagraringenieurs an die Autofahrer. „Und auch dann bitte, wenn im Frühjahr die Kröten zum Laichen in die Weserauen wechseln.“

Dass im Winter das Wild besonders durch natürliche Feinde oder den Straßenverkehr gefährdet ist, weiß Hameln-Pyrmonts Kreisjägermeister Jürgen Ziegler aus Rohrsen zu berichten. „Wir Menschen schützen uns durch warme Kleidung vor der Kälte“, sagt der Waidmann. „Die Wildtiere können das nicht, sie fahren ihre Körpertemperatur auf ein Minimum zurück, um dadurch Energie zu sparen“, erklärt Ziegler. „Demzufolge werden die Tiere anfälliger für Gefahren, und das natürliche Reaktionsvermögen gegenüber allen Feinden lässt erheblich nach“, führt der Kreisjägermeister aus.

Gerade bei extremen Minusgraden und hohem Schnee verlassen die Wildtiere regelmäßig den Schutz ihres Waldes, um neue Futterquellen zu finden. Als Beispiel nennt er Hämelschenburg entlang der Landesstraße L 431 – dort hat sich ein neuer Gefahrenpunkt entwickelt. Unlängst wurde dort des Öfteren ein Rudel Damwild gesichtet. Ob es hier bereits in diesem Jahr zu Unfällen gekommen ist, konnte Jürgen Ziegler nicht bestätigen. „Allerdings habe ich gehört, dass einige Verkehrsteilnehmer im Schritttempo regelrecht das Damwild umfahren haben, um eine Kollision zu vermeiden“ sagte der Kreisjägermeister. Das Verkehrszeichen 142-10 (Wildwechsel) warnt auf dieser Straße zwar vor plötzlich über die Fahrbahn wechselnden Wildtieren, doch spielt hier die Gewohnheit der Autofahrer eine Rolle, die über lange Zeit nicht mit dieser Situation konfrontiert waren. Wie Kreisjägermeister Jürgen Ziegler erfahren hat, wurde in der zweiten Januarwoche an der Landesstraße vor Hämelschenburg auch eine Rotte von insgesamt 18 Wildsauen beobachtet, die durch das Emmerhochwasser schwammen, um im Wald auf der gegenüberliegenden Seite Äsung und Zuflucht zu finden. Auch er appelliert an alle Verkehrsteilnehmer: „In ausgewiesenen Wildwechselgebieten immer vorausschauend fahren und die Fahrbahnrandstreifen im Auge behalten.“



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