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Stadt legt Kosten für Erhalt vor

Linsingen-Gebäude: Sanieren für 15,6 Millionen Euro

HAMELN.Jetzt wird der Politik die Grundlage geliefert, auf die sie gewartet hat: Kost, um die drei Gebäude auf dem Linsingen-Gelände zu erhalten. Nach Berechnungen der städtischen Tochtergesellschaft für Sozialen Wohnungsbau und Projektentwicklung wären bis 2021 15,6 Millionen Euro fällig.

veröffentlicht am 12.09.2018 um 13:39 Uhr
aktualisiert am 12.09.2018 um 15:00 Uhr

Das Linsingen-Gelände von oben. Um die Gebäude 7, 8 und 10 wird seit einiger Zeit diskutiert - sind sie erhaltenswert und wenn ja, zu welchem Preis. Abriss, steht jetzt fest, wäre erheblich günstiger. Foto: wfx
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Die Gruppe, die diese Anfrage gestellt hatte, gibt es seit vergangener Woche in dieser Form nicht mehr – Antworten werden dennoch geliefert. Die Frage von SPD, Grünen und Linke lautete: Wie teuer wäre eine Sanierung der drei Gebäude auf dem Linsingen-Gelände, die bislang von der Stadt und der Gesellschaft für Sozialen Wohnungsbau und Projektentwicklung (GSW) mit dem Stempel „Abriss“ versehen sind? Die Verwaltung legt jetzt auf Basis von GSW-Berechnungen Zahlen vor. Was ist teurer, Erhalt oder Abriss – das Ergebnis soll, neben anderen Faktoren, der Politik als Grundlage für die Entscheidung dienen.

Das sinngemäße Fazit der GSW unter der Geschäftsführung von Christian Mattern vorweg: Ein Abriss sei wirtschaftlich weniger riskant und lasse den größeren Handlungsspielraum in der Vermarktung. Die GSW als 100-prozentige Tochter der Stadt Hameln ist Eigentümerin einer Teilfläche des Geländes und zuständig für das Anwerben von Interessenten, die künftig auf dem „Bildungs- und Gesundheitscampus“ in diesem Bereich vertreten sein sollen.

Die GSW rechnet mit zwei Kostenblöcken für das Szenario „Erhalt“: Mit sogenannten Vorhaltekosten, die entstehen, um ein vorhandenes Gebäude nicht dem Verfall preiszugeben. Und mit Sanierungskosten. Zur Erinnerung: Es geht um drei Gebäude – nummeriert mit 7, 8 und 10 –, die in den Augen einiger Politiker erhaltenswert scheinen. Dabei handelt es sich um zwei Gebäude entlang der Süntelstraße, ein zwei- und ein dreistöckiges ehemaliges Offiziersgebäude, und das dreistöckige ehemalige Stabsgebäude rechts neben dem Haupttor zum Gelände, das die GSW als am wenigsten erhaltenswert einstuft. Insgesamt betrügen die Vorhaltekosten für alle drei Häuser einmalig 123 000 Euro, hinzu kämen jährliche Unterhaltungskosten in Höhe von 64 000 Euro für „Grundsteuer, Versicherungen, Verkehrssicherungspflichten, Wachschutz“, wie Stadtsprecher Thomas Wahmes beispielhaft ausführt. Bis Ende 2021 soll der Abriss erfolgen, so ist es im Kaufvertrag mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben festgehalten. Danach entstünden laut GSW weitere Kosten aus dem Vertrag: Nachzahlungen wegen ersparter Abrisskosten und Nachzahlungen aus Gebäudewerten in Höhe von etwa 220 000 Euro.

Für Aussagen zu den voraussichtlichen Sanierungskosten zieht die GSW Berechnungen aus dem Jahr 2014 heran, die Staatliche Baumanagement Weser-Leine angestellt hatte. Danach beliefen sich die Sanierungskosten der Gebäude 7 und 8, wenn sie für Büros genutzt würden, auf (brutto) 7,58 Millionen Euro. Weil das vier Jahre zurückliegt, legt die GSW eine „nicht unerhebliche Preissteigerungsrate“ zugrunde; der Baupreisindex weise vom zweiten Quartal 2014 bis zum zweiten Quartal dieses Jahres eine Preissteigerung von drei Prozentpunkten pro Jahr, also 12 Prozentpunkte insgesamt auf. Würden die Gebäude bei angenommener gleichbleibender Teuerungsrate Ende 2021 saniert, „wäre mit einem Aufschlag von 20 Prozent auf die in 2014 ermittelten Kosten zu kalkulieren“. Damit betrügen die Sanierungskosten für die beiden Gebäude 7 und 8 dann voraussichtlich 9,1 Millionen Euro. Hinzu kämen laut GSW zusätzliche Ingenieur- und Fachplanerkosten, die mit weiteren 9 bis 9,5 Millionen Euro anzusetzen wären, wenn eine Sanierung für 2021 vorgesehen würde. Letztere wären zu berücksichtigen, weil in der Kalkulation des Staatlichen Baumanagements Weser-Leine davon ausgegangen worden war, dass für die Häuser eine Baugenehmigung vorliegt – was nach Aussage der Stadtverwaltung nicht der Fall ist: „Trotz intensiver Recherche konnten bis heute keine Unterlagen gefunden werden, aus denen eine baurechtliche Genehmigung oder Genehmigungsfiktion abgeleitet werden kann.“ Weil aber für jede zivile Nutzung der Gebäude „eine Baugenehmigung nach den aktuell geltenden Rechtsvorschriften und Normen erforderlich“ ist, müsste diese erarbeitet werden.

Insgesamt, würde das größte der drei Gebäude (10), analog zu den anderen beiden Häusern mit Preisen für eine Sanierung versehen, stünde unterm Strich die Summe von etwa 15,6 Millionen Euro.

Die Verwaltung und die GSW stellen die Frage in den Raum, ob „es gelingen kann, für die Gebäude im Hinblick auf ihr äußeres Erscheinungsbild, nicht überwindbarer Restriktionen der Gebäudemaße-/flächen und zu erwartender Umbaukosten geeignete und/oder geneigte Erwerber oder Mieter zu finden“. Das sei nach hiesiger Einschätzung eher ungewiss. Während ein Käufer beziehungsweise Mieter aus der freien Wirtschaft für unwahrscheinlich gehalten wird, bringt die GSW ein weiteres Szenario ins Spiel: Die Stadt Hameln selbst könnte die Häuser 7 und 8 langfristig mieten – für „wirtschaftlich erforderliche 11 Euro pro Quadratmeter“ Nutzfläche Netto-Kaltmiete. Das wäre mehr als doppelt so viel wie die ortsübliche Miete in Hameln, die bei durchschnittlich etwa 5 Euro liege.

Den Kosten für Sanierung und Erhalt stehen jene für den Abriss gegenüber: etwa 600 000 Euro, zuzüglich zum Beispiel Erschließungskosten, um die Grundstücke wieder nutzen zu können.



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