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Linsingen-Gebäude: Wie entscheiden sie?

Abriss oder Erhalt - Grüne sind Zünglein an der Waage

HAMELN. Sollten trotz hoher Kosten ein oder zwei Kasernengebäude auf dem Linsingen-Gelände erhalten bleiben? Darüber wird in der Politik heftig debattiert. Die Parteien habe sich im Wesentlichen positioniert. Nur die Grünen befinden sich noch in ihrer Meinungsfindung. Sie könnten das Zünglein an der Waage werden.

veröffentlicht am 24.09.2018 um 15:31 Uhr
aktualisiert am 06.03.2019 um 15:32 Uhr

Das ehemalige Offiziersgebäude auf dem Linsingen-Gelände mit der prägnanten Uhr weckt am ehesten Emotionen beim Thema „Abriss oder Erhalt“. Noch zeichnet sich keine Mehrheit im Rat für den einen oder den anderen Weg ab. Das Foto zeigt eine Parade am
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Die vorgelegten Kosten schrecken längst nicht alle Ratsfrauen und -herren ab: 20 von ihnen sprechen sich für den Erhalt zumindest eines der oder zweier Kasernengebäude auf dem Linsingen-Gelände aus. Als erste Fraktion legte die SPD zusammen mit der Linken die Karten auf den Tisch und sprach sich „pro Erhalt“ aus. Den Abriss der drei ehemaligen Militärgebäude favorisieren dagegen die CDU/DU/UFB-Fraktion, die Fraktion „Die Mitte“ und die parteilose Julia Maulhardt. Den Ausschlag in die eine oder andere Richtung könnten die Grünen geben, doch die sind noch nicht am Ende ihrer Meinungsbildung angelangt.

Zum Diskussionsgegenstand: Auf dem Gelände der Linsingen-Kaserne stehen drei Gebäude, die die Hamelner Verwaltung ursprünglich als am ehesten erhaltenswert eingestuft hatte – bis Schadstoffe in Dachstühlen entdeckt wurden und die neue Eigentümerin, die Gesellschaft für Sozialen Wohnungsbau (GSW), eine Kalkulation vorgelegt hat. Danach würde Erhalt und Sanieren zweier ehemaliger Offiziersgebäude inklusive sogenannter Vorhaltekosten wie Versicherungen, Grundsteuer, Wachschutz zwischen 9 und 9,5 Millionen Euro kosten. Würde ein drittes Gebäude hinzugerechnet, kommt die GSW auf 15,6 Millionen Euro. Damit war die Verwaltung dem Antrag der ehemaligen rot-rot-grünen Gruppe nachgekommen, Kosten für Erhalt und Sanieren vorzulegen.

Während die SPD/Linke ihre Schlüsse daraus gezogen hat (wir berichteten), wollen die Grünen das Thema zunächst auf ihrer nächsten Mitgliederversammlung im Oktober diskutieren. Noch müsse ja nichts entschieden werden, meint Sven Kornfeld. Man wolle die Zeit nutzen, jetzt noch einmal „in sich zu gehen und gucken, welche Beispiele es vielleicht auch in anderen Städten gibt“.

Die dreiköpfige FDP-Fraktion plädiert ebenfalls dafür, „bevor abgerissen wird“ weiterhin „die Option des Erhalts zu prüfen“. Hans Wilhelm Güsgen und seine zwei Mitstreiter „müssen erstmal sehen, was der Markt wirklich hergibt“ und ob sich jemand aus dem Bildungs- und Gesundheitsbereich findet, der auch die alten Gebäude nutzen könnte. Zumindest das ehemalige Offiziersgebäude mit der Uhr würde Güsgen gerne erhalten wissen. Wenn sich niemand finde, könne immer noch abgerissen werden.

Piraten (Claudia Schumann) und Frischer Wind (Klaus Pfisterer) sind „voll dafür“, so Pfisterer. „Am liebsten“ würden sie alle drei Gebäude erhalten. Auf das Argument der GSW und der Verwaltung, Erhalten und Sanieren seien aus wirtschaftlichen Gründen krittisch zu bewerten, entgegnet Pfisterer: „Das Sanierung eines alten Hauses in der Altstadt ist auch nicht wirtschaftlich.“ „Die Mitte“ sieht das anders. Rico Lüdtcke sagt über sich und Horst Seeger: „Wir sind eigentlich eher für den Abriss.“ Julia Maulhardt führt etwas weiter aus – sie sei selbst Betriebswirtin, hänge nicht an den historischen Gebäuden und folgt der Argumentation des GSW-Geschäftsführers Christian Mattern: „Es gibt gute Gründe, warum das wirtschaftlich grenzwertig ist“, sagt sie und ist gegen einen Erhalt.

Für Mittwoch steht der Antrag der einstigen rot-rot-grünen Gruppe zum Erhalt der Gebäude auf der Tagesordnung des Rats. Tatsächlich hätten die Politiker mehr Zeit – eine Entscheidung müsste nicht sofort gefällt werden. Aus dem Kaufvertrag mit der Bima entstünden ab 2021 weitere Kosten, falls dann die Gebäude nicht, wie vereinbart, abgerissen werden. Eine Entscheidung spätestens Ende des ersten Quartals 2021 wäre laut Mattern möglich. Die sogenannten Vorhaltekosten für alle drei Häuser betrügen bis dahin um die 300 000 Euro, hinzu kämen aufgrund der Preisentwicklung in drei Jahren höhere Abrisskosten, auch, weil dann Einzelabrisse erfolgen müssten, wenn alle anderen Häuser bereits weg sind. „Diese Vorhaltekosten könnte ich in Kauf nehmen“, sagt Mattern, wenn denn „die Gebäude hinterher noch gut reinpassen“ in das Gesamtkonzept. Die Option gilt für die beiden Offiziersgebäude entlang der Süntelstraße, das andere wird von ihm und der Verwaltung als nicht erhaltenswert eingestuft. Was in seinen Augen nicht geht: Sanieren für Millionen Euro und dann einen Investor suchen.



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