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Von Kandidatenstimmen und Listenplätzen – die Gebrauchsanleitung zum Wahlergebnis

Warum ist der drin?

veröffentlicht am 13.09.2016 um 18:35 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:45 Uhr

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Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite

Das System, nach dem die Sitze im Stadtrat oder Kreistag und in den Ortsräten verteilt werden, erschließt sich nicht beim ersten Blick auf die Tabellen in der Dewezet. Und auch der Name dieses Systems dürfte nicht allen bekannt sein: Hare/Niemeyer-Verfahren (gesprochen „Här-Niemeyer“). Wer es verstehen will, muss sich in drei Schritten vorarbeiten. Dank an Thomas Haß, stellvertretender Wahlleiter des Landkreises, der beim Auseinandernehmen geholfen hat. Er findet: „Ist eigentlich ganz einfach.“

Das dreistufige Wahlverfahren erklären wir zunächst am Beispiel von Gizem Bas. Die 19-Jährige hatte sich erstmals für die Kommunalwahl aufstellen lassen und war von ihrer Partei sogar auf den ersten Platz der Liste im Wahlbereich 4 gesetzt worden. Dieser Platz gilt eigentlich als Garant dafür, dass der Kandidat in das Parlament einzieht.

Das Hare/Niemeyer-Verfahren, das zurzeit in Niedersachsen bei Kommunalwahlen angewandt wird, erfolgt in drei Stufen. Als Basis werden alle Stimmen benötigt, die überhaupt in Hameln abgegeben wurden: 64918.

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Erster Schritt: Es wird errechnet, welcher Partei (oder Gruppierung oder Einzelbewerber) wie viele Sitze zugeordnet werden. Insgesamt wurden für den Stadtrat 42 Sitze vergeben. Nun erhielt „Die Grünen“ 7583 von den 64918 Gesamtstimmen. Nun lautet die Formel, nach der die Sitze berechnet werden:

Gültige Stimmen für den Wahlvorschlag mal Anzahl der zu vergebenden Sitze geteilt durch die Anzahl aller gültigen Stimmen. Im Fall der Grünen: 7583 x 42 / 64918 = 4,9.

Jeder sogenannte „Wahlvorschlagsträger“ (in diesem Fall die Partei der Grünen) erhält so viele Sitze, wie ganze Zahlen nach dieser Proportionalzahl auf ihn entfallen, also: 4. Auf diese Weise – also nur das, was vor dem Komma steht – werden zunächst alle Sitze auf die Parteien/Gruppierungen/Einzelkandidaten verteilt. Danach bleiben in der Regel noch Sitze über, so dass der Blick auch auf die Stellen nach dem Komma fallen. Wer hier den höchsten Wert hat, erhält einen weiteren Sitz. So kommen die Grünen mit ihrer „4,9“ auf den fünften Sitz. Sehr selten passiert es laut Thomas Haß vom Landkreis, dass Kandidaten oder Parteien auch bei drei oder vier Stellen nach dem Komma „pari“, so dass das Los entscheiden muss. Zurück zu Gizem Bas. Zweiter Schritt: Nun weiß man, dass die Grünen fünf Sitze haben. Aus welchen Wahlbereichen diese besetzt werden, wird im zweiten Schritt ermittelt. Auch hierfür wird wieder das Hare/Niemeyer-Verfahren angewandt, für jeden einzelnen Wahlbereich. Für den Wahlbereich (WB) 4 lautet die Formel diesmal:

984 (Stimmen für die Grünen in diesem WB) x 5 (Sitze) / 7583 (Gesamtstimmen für die Grünen) = 0,64. Wieder wird auf die erste Stelle vor dem Komma geguckt: Kein Sitz für diesen Wahlbereich für die Grünen. Somit nutzte auch der erste Listenplatz in diesem Fall nichts.

Dritter Schritt: Im dritten und letzten Schritt wird berechnet, wie viele der Sitze über die Listenwahl vergeben werden und wie viele über die Personenwahl. Ein Sprung zum Wahlbereich 6 und zur SPD zeigt, was das bedeuten kann. Dort hat Ingo Reddeck (auf Platz zwei der Liste) nur 122 Stimmen – zieht aber in den Stadtrat ein –, während Kai Marschner (auf Platz drei der Liste) 145 Stimmen hat und außen vor bleibt. Die Rechnung geht folgendermaßen: Insgesamt erhält die SPD 13 Sitze und aus diesem Wahlbereich 2:

3121 (Stimmen für die SPD im WB6) x 13 / 20 192 (Stimmen der SPD insgesamt) = 2,009. Nun wurden in diesem Wahlbereich mehr Kreuzchen bei der Liste gemacht als bei den Bewerbern, konkret: 1 748 Kreuze wurden bei „Liste SPD“ gemacht und 1373 auf die 10 Bewerber verteilt. Auch jetzt wird wieder nach derselben Formel gerechnet. Am Ende erhält die SPD in diesem Wahlbereich einen Sitz über die Liste und einen über die Personenwahl. Da Kurt Meyer-Bergmann (auf Platz 1) schon als Person mit den meisten Stimmen einen Sitz bekommt, wird er bei der Auswahl aus der Liste nicht mehr berücksichtigt, so dass der Zweite, hier Ingo Reddeck „über die Liste“ einzieht.

Insgesamt sind in Hameln über die Listen 31 303 Stimmen gezählt worden und 33 615 über die Personenwahlen.



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