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Warum Markus Vierfuß als Kandidat der Kleinpartei „Die Partei“ in den Rat einziehen will

Satirischer Gegenpol zu Angstmachern

veröffentlicht am 07.09.2016 um 21:40 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:12 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite

Getan habe das indes ein guter Freund: Tobias Speckin aus Bad Münder, Landesvorsitzender der „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiativen“.

Optisch fallen die „Partei“-Kandidaten durch (schlecht sitzende) Anzüge, blaue Hemden und Krawatten auf. „Die AfD-Leute haben unsere Klamotten nachgemacht“, sagt Vierfuß. Die schwarz-weiß-roten Plakate wirken indes eher wie NPD-Reklame – wohl in der Absicht, das Polit-Marketing völkischer Populisten durch satirische Überhöhung zu entlarven. „Mit einfachen Worten Blickwinkel ändern“, nennt Markus Vierfuß das.

Wer sich jedoch in aufgeregten und aufgehetzten Zeiten schwertut mit Ironie bei einem so ernsten Thema wie der Politik, dürfte kaum zur Zielgruppe der Hofnarren 4.0 zählen. Ihr Unernst bringt Verbissene nicht zum Lachen. Aber vielleicht ins Wanken? Denn da ist dieser Unsicherheitsfaktor. Wer zum Foto der Truppe vor dem Hylligen Born die Parole „Nur wir fürs Weiße Haus“ liest, mag sich fragen: Soll das jetzt lustig sein? Oder: Wollen die nur spielen? Kämen dem Ratlosen beim Grübeln dann auch noch unversehens leise Zweifel an den Slogans der so unernst plakatieren Plattitüden, wäre ein Zweck der „Partei“ erfüllt. Deren einzige inhaltliche Vorgabe an ihn setzt Markus Vierfuß denn auch nur allzu gern um: „Die Partei“ soll einen Gegenpol bilden zu rechtspopulistischen Akteuren, die mit Angstmache auf Stimmenfang gehen. Das Motto könnte heißen: nicht ignorieren, sondern ernstnehmen und in Guerilla-Taktik vorführen.

„Also keine komplett inhaltslose Satire“, wie er findet. Er sei auch „kein kleiner Spaßvogel, der Büttenreden hält“, betont er und bezeichnet sich als „dann wahrscheinlich den konservativen Flügel“ seiner Partei. Dazu passt: Der 40 Jahre alte verheiratete Vater zweier Kinder verdient sein Geld als Steuerfachangestellter. Nicht sehr komisch.

In die etablierten Parteien, deren Umgang miteinander in Bad Pyrmont durch politische Grabenkämpfe geprägt sei, würde er aber nicht passen, glaubt Vierfuß. Als Einzelkämpfer sieht er hingegen die „größte Chance, sich mit seinen Ideen als der einzubringen, der man ist“. Fraktionszwang, Mauern und Trutzburgen seien nicht sein Ding. „Das eine Leittier sagt was, und das andere Leittier sagt das Gegenteil. Über dieses Blockdenken sollte man hinwegkommen“, findet er. „Alle müssen miteinander reden.“

Falls er es in den Rat schafft, will Vierfuß nach eigenem Bekunden ganz ernsthaft mitwirken. Wie andere Pyrmonter Politiker, so sieht auch er besonders den Erhalt des Humboldt-Gymnasiums als Standortfaktor an. Ebenso wichtig sei ihm die Sicherung des Akutkrankenhauses. Aufs Sitzungsgeld sollten die Ratspolitiker dagegen verzichten. Und ein Versprechen macht Markus Vierfuß noch: „Wir sind offen für alles, was da an Sachlichkeit auf uns zukommen mag und schwingen nicht die rechtspopulistische Keule, denn wir haben gar keine!“



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