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Parteien finden immer seltener Kandidaten für die Ortsräte

Ein Platz bleibt frei

veröffentlicht am 15.09.2016 um 12:52 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:53 Uhr

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Michael Zimmermann

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Michael Zimmermann Volontär zur Autorenseite

Ein ähnliches Problem hatten die Grünen bei der vergangenen Wahl: Sie kamen auf drei Sitze, konnten aber nur zwei Kandidaten aufstellen.

Wenn einer ausfällt, wird der Ortsrat kleiner.

Hinzu kommt noch ein weiteres Problem: Sollte ein Ortsratsmitglied ausfallen, gibt es keine Nachrücker mehr, auch CDU und Grüne haben gerade mal eine Ersatzperson. Eng wird es dann auch in Rohdental, wo weder SPD noch die Grünen einen Ersatzbewerber stellen können, in Hohenstein und Hessisch Oldendorf (SPD: 1, Grüne: 0), und in Fischbeck (Grüne: 0). Auf lange Sicht könnten die Ortsräte immer weiter schrumpfen.

„Das ist natürlich traurig“, gibt Friedrich Meier, SPD-Ortsbürgermeister in Großenwieden und Rohdental zu. „Wir haben alles drangesetzt, mehr Bewerber zu finden. Aber das hat leider nicht geklappt.“ Für die Politik im Ortsrat habe das aber nichts zu sagen, schließlich sei seine Partei immer noch stark vertreten und könne mit den anderen Gruppen gemeinsam Lösungen finden. Alle wollten schließlich das Beste für den Ort. Der Situation kann er sogar noch etwas Positives abgewinnen: „Oft ist es ja so, dass die jungen Leute sich Mühe geben, und dann nicht gewählt werden. Jetzt haben wir alle drin – darüber kann man sich doch auch freuen.“ Für die Zukunft des erst vor zwei Jahren neuformierten Ortsverbandes ist er zuversichtlich: Insgesamt sei genug Nachwuchs da, wie ja auch an den anderen Wahllisten sehen könne. „Die SPD ist immer noch sehr lebendig.“

Pessimistischer ist da schon sein Großenwiedener Genosse Heinz Kütemeyer. Er vermutet, dass sich immer weniger Leute über einen Zeitraum von fünf Jahren an ein Ehrenamt binden wollen. „Dabei ist das Engagement der Großenwiedener und Kleinenwiedener ansonsten immens, zum Beispiel in der Kirchgemeinde“, erklärt er. Einzig die Lokalpolitik scheine zu wenig Bürger zu interessieren, das sehe man allein schon an der Wahlbeteiligung. In einem Ort mit gerade einmal 825 Einwohnern werde es dann schon schwierig, genügend Leute zu überzeugen.

Dass es kleinere Ortsverbände schwer haben, sieht auch Günter Kuhnert von den Grünen so. Großenwieden hält er allerdings für einen Einzelfall. Es komme schon einmal vor, dass mögliche Kandidaten sich aus beruflichen Gründen, oder weil sie keine Zeit haben, nicht aufstellen ließen. Dies könne dann schwer aufgefangen werden.

Im Wahlkampf 2011 .sei das Interesse, sich aktiv einzubringen, größer gewesen, sagt er. Dennoch sei ihm nicht bange vor der Zukunft. „Es ist vielleicht schwieriger als früher, die Leute zu begeistern, aber nicht unmöglich.“ In anderen Ortsteilen habe man schließlich viele junge Gesichter, die jetzt schon mitmischen. In den nächsten fünf Jahren müsse man aber trotzdem verstärkt auf junge Leute zugehen, die dann diejenigen ersetzen, die aus Altersgründen ausscheiden.

Das gehe am besten, indem man die Menschen persönlich anspricht, meint Kuhnert. Interessierte könnten zum Beispiel in Sitzungen eingeladen werden, um zu schauen, wie die Politik vor Ort funktioniert. Auch bestimmte Themen würden immer wieder Menschen aktivieren, sich in Parteien zu engagieren.

Ortsräte abschaffen? „Um nichts in der Welt.“

Gerade die Ortsräte seien dafür eigentlich besonders geeignet: „Hier können die Menschen in ihrem eigenen Ort gezielt Dinge anpacken.“ Und sich dann später im „großen“ Stadtrat weiter engagieren. „Um nichts in der Welt“ würde Kuhnert die Ortsräte abschaffen. Schließlich komme durch die Vielfalt der Mitglieder Leben in die Politik.

Eine besondere Politikverdrossenheit bei allen Jugendlichen sieht er nicht: Das Engagement im Jugendrat oder beim Schulprojekt „Pimp your town“ spreche dafür, dass es großes Interesse daran gibt, mitzureden.

Weniger Probleme, genügend Kandidaten zu finden, hatte hingegen die CDU. Fast alle Wahllisten konnte die Partei mehr als reichlich füllen. „Gerade in Großenwieden wissen wir aber auch, wie schwierig die Situation sein kann“, sagt der Stadtverbandsvorsitzende Thomas Figge. Bereits weit im Voraus haben die Christdemokraten daher Flyer verteilt, die für die Kandidatur werben. Außerdem seien die Mitglieder aufgefordert worden, gezielt im Bekanntenkreis nach Bewerbern zu suchen. Die Parteimitgliedschaft sei dafür nicht zwingend eine Voraussetzung gewesen. „Die Leute können sich das erst einmal in Ruhe und ohne Druck anschauen und später immer noch eintreten“, sagt Figge.

Das Wahlergebnis sieht er als Bestätigung, dass auch die Nachwuchsarbeit der Partei sich auszahle: Mit Michael Kipp und Merle Paulig hätten gleich zwei junge Kräfte hervorragende Ergebnisse erzielt. „Wir fördern junge Interessierte, die mitarbeiten wollen, versuchen auch sie bekannt zu machen und ihnen schnell Verantwortung zu geben“, erklärt Figge. Das motiviere auch andere Jugendliche, sich in der Partei zu engagieren.



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