weather-image
Top-Thema auf der Dewezet-Wahlparty: Die vertauschten Wahlscheine

„Da kann ich ja in die Glaskugel gucken“

veröffentlicht am 12.09.2016 um 00:37 Uhr
aktualisiert am 12.09.2016 um 11:57 Uhr

270_0900_13120_wahl128_Wal_1209.jpg

Autor:

Wolfhard F. Truchseß

„Wie kann denn so etwas passieren?“, fragten sich die der Zahlen harrenden Besucher und auch die ehemalige Bürgermeisterin Ina Loth. „Und weshalb wurde das erst nach mehr als zwei Stunden festgestellt?“, zeigten sich andere stark irritiert. „Welche Konsequenzen hat denn das?“, wollten nicht nur Schüler eines Politikkurses des AEG wissen, die sich in den vergangenen Wochen intensiv mit dem Wahlrecht beschäftigt hatten, ohne dass ihnen ein derartiger Fall im Unterricht vorgekommen wäre. Mit ihrer Lehrerin Anne-Kathrin Borchers warteten sie schon um 18 Uhr auf aktuelle Zahlen.

Der Erstwähler und AEG-Schüler Noe Steffen da Costa zeigte sich zwiegespalten, ob der Frage einer Wahlwiederholung und des damit verbundenen Aufwandes. Seine Lehrerin sah das anders. „Weil jede Stimme gleich viel zählt, muss erneut gewählt werden“, meinte sie, „und zwar in ganz Hameln. Da kostet Demokratie eben auch mal Geld.“ Aber sicher war sie sich auch als Politiklehrerin ihrer Sache nicht. Klaus-Peter Wennemann (FDP) hatte unterdessen eine „unverbindliche juristische Auskunft bei einem maßgeblichen hohen Parteifreund eingeholt. „Das ist eine Frage der Wesentlichkeit“, erklärte Wennemann. Beeinflusse die Ausgabe falscher Wahlscheine das Ergebnis, sei die Wahl wohl anfechtbar. Und was bis zur Wahlparty noch nicht durchgedrungen war, berichtete der grüne Kreisvorsitzende Michael Maxein im persönlichen Gespräch. „Mir wurde in der vergangenen Woche im Rathaus auch ein falscher Stimmzettel vorgelegt. Aber ich hab‘ es beim Ausfüllen gemerkt und ihn zurückgegeben.“ Der Schein sei unter vielen Entschuldigungen geschreddert und ihm der richtige ausgehändigt worden.

Immerhin hätten sich die Schüler zumindest formal gut auf diese Kommunalwahlen vorbereitet gefühlt, erklärte der 16-jährige Moritz Mönkemeyer. „Wir hatten das schon mal in der achten Klasse und haben das jetzt wieder aufgefrischt.“ Zwei Schüler des Kurses haben trotzdem nicht gewählt. „Ganz bewusst“, wie einer von ihnen erklärte, „ich habe keine Partei gefunden, hinter der ich wirklich stehe.“

270_0900_13119_wahl129_Dana_1209.jpg
  • Wahl-Talk (v. li.): Hans-Ulrich Siegmund, Jutta Krellmann, Britta Kellermann, Moderator Thomas Thimm, Ulrich Watermann, Heinrich Fockenbrock, Hermann Schmidtchen. Foto: Dana
270_0900_13118_wahl145_fn_1209.jpg
  • Wahlparty-Abgesandte der Partei „Die Partei“. Foto: FN
270_0900_13117_wahl120_Dana_1209.jpg
  • Herren der Zahlen: Daniel Henze und Philipp Kräkel. Foto: Dana
270_0900_13116_wahl113_Dana_1209.jpg
  • Ein Politik-Kurs vom Einstein-Gymnasium war dabei. Foto: Dana
270_0900_13115_wahl126_Dana_1209.jpg
  • Volles Haus bei der Dewezet-Wahlparty in Hameln: Zahlen, Ergebnisse, Interviews, Gewinner und Verlierer. Foto: Dana
270_0900_13119_wahl129_Dana_1209.jpg
270_0900_13118_wahl145_fn_1209.jpg
270_0900_13117_wahl120_Dana_1209.jpg
270_0900_13116_wahl113_Dana_1209.jpg
270_0900_13115_wahl126_Dana_1209.jpg

Gegen 20 Uhr füllt sich das Dewezet-Café und der Medienraum der Tageszeitung immer mehr. Aber die von den Wahlämtern gelieferten Zahlen lassen weder zu diesem Zeitpunkt noch beim Zusammentreten der sogenannten Elefantenrunde einen klaren Schluss zu. „Da kann ich auch in die Glaskugel gucken“, kommentierte die SPD-Unterbezirksvorsitzende Barbara Fahncke den schleppenden Eingang der Ergebnisse. Eine Einschätzung, der sich die Elefantenrunde auf die Fragen des stellvertretenden Dewezet-Chefredakteurs Thomas Thimm und von Radioaktiv-Chefredakteur Anton Posnak ohne jede Einschränkung anschloss.

Immerhin, die während des Wartens auf neue Zahlen rege geführten Gespräche im Medienraum und im Café verstummten jeweils blitzartig, wenn Anton Posnak neue Zahlen ankündigen konnte. Hin und wieder gab es dann schon auch mal Beifall für erfolgversprechende Zahlen, auch wenn die Schwankungsbreite der Teilergebnisse jeweils noch sehr hoch war. Eines war den politisch interessierten Besuchern der Dewezet-Wahlparty allerdings bald klar: Die politische Arbeit im neuen Kreistag von Hameln-Pyrmont wird mit einer Vielzahl von Parteien nicht einfacher werden.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Kommentare

Kontakt

Redaktion
E-Mail: redaktion@dewezet.de
Telefon: 05151 - 200 420/432
Anzeigen
Anzeigen (Online): Online-Service-Center
Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
Abo-Service
Abo-Service (Online): Online-Service-Center
Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
X
Kontakt