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Wettstreit der Ideen fürs Hochzeitshaus / Gastronom noch immer interessiert

Bürgersaal oder doch Bar Celona?

Hameln (ni). Nach außen ist es ruhig geworden ums Hamelner Hochzeitshaus, doch hinter den Kulissen scheint fast so etwas wie ein Wettstreit konkurrierender Ideen entbrannt zu sein. Die FDP möchte vor allem ihren repräsentativen Rats-und Bürgersaal hinter der Renaissance-Fassade verwirklicht sehen. Im Museumsverein macht sich neuerdings der Historische Arbeitskreis Gedanken darüber, ob sich nicht doch eine der Würde des Hauses angemessene kulturelle Nutzung finden ließe. Und die Oldenburger Celona-Gastro GmbH bastelt ganz im Stillen immer noch an einem Konzept, das geeignet wäre, die Ansprüche einer „Bar Celona“ mit den Auflagen des Denkmalschutzes zu versöhnen. Allein die Verwaltungsspitzen von Stadt und Landkreis verharren beim Thema Hochzeitshaus im Stillstand.

veröffentlicht am 14.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.01.2016 um 17:16 Uhr

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Celona-Geschäftsführer Irmin Burdekat war bislang der einzige Interessent, der für den Umbau des Hochzeitshauses eigenes Geld in die Hand nehmen wollte. Zwei Millionen Euro war er bereit zu investieren, um die seit der Erlebniswelt-Pleite leer stehenden Etagen in eine florierende Bar Celona zu verwandeln. Doch die Bedingungen des Oldenburger Unternehmers – entweder eine Öffnung des Hauses durch eine Vergrößerung der Fenster oder als Alternative ein Glasvorbau – waren für die Denkmalschutzbehörde in Hannover nicht verhandelbar. Sie hielt ihre schützende Hand über das Kleinod und versagte jeglichen Eingriff an der historischen Fassade des Renaissancebaus. Ende November des vergangenen Jahres strich der Unternehmer erst einmal enttäuscht die Segel.

„Der Gesprächsfaden nach Hameln ist aber nie ganz abgerissen“, sagt Burdekat, und endgültig verabschiedet habe er sich von seinen Plänen auch noch nicht. Im Gegenteil: Zwei Architekten-Teams tüftelten jetzt im Auftrag der GmbH an Lösungen, „die die denkmalgeschützte Fassade des Hochzeitshauses unversehrt lassen, aber auch unseren Ansprüchen genügen“. Nämlich das erfolgreiche Bar-Celona-Konzept umsetzen zu können, zu dem nun mal gehöre, „in welcher Form auch immer den Blick von draußen nach innen zu ziehen und Menschen vor das Lokal setzen zu können“. Mit ersten Entwürfen der Architekten rechnet Burdekat „nicht vor September“.

Bis dahin wäre der Vorsitzende der FDP-Kreistagsfraktion, Heinrich Fockenbrock, der Realisierung seiner Lieblingsidee gern schon ein bisschen näher gekommen. Auf seine Initiative hin hatten sich Anfang des Jahres Rat und Hameln-Pyrmonter Kreistag darauf verständigt, Stadt und Kreis sollten Verhandlungen über eine gemeinsame Nutzung des Hochzeitshaues aufnehmen mit dem Ziel, dort einen repräsentativen Bürger- und Ratssaal zu schaffen. Laut Fockenbrock hat inzwischen zwar ein Gespräch zwischen Landrat Rüdiger Butte und Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann gegeben, aber das sei „ergebnislos“ verlaufen. Butte habe sich auf die Position zurückgezogen, Vorschläge für eine Nutzung des Hochzeitshauses zu machen sei Aufgabe der Stadt. Der Landkreis werde dann entscheiden, ob und in welcher Form er sich an der Umsetzung beteiligt. Lippmann habe zu erkennen gegeben, sie sehe angesichts der finanziellen Situation der Stadt keine Chance für die Verwirklichung des Bürgersaal-Projektes. Wenn es auf der Verwaltungsebene nicht vorangehe, so Fockenbrocks Schlussfolgerung, „dann muss jetzt eben die Politik weiter an diesem Thema arbeiten“.

Ein wenig Sorgen macht sich der Liberale, die Mitglieder des Historischen Arbeitskreises könnten seinem Anliegen mit ihren Überlegungen zu einer Nutzung des Hochzeitshauses in die Quere kommen. Es dürfe nicht „zu einem Verdrängungseffekt führen, bei dem sich unterschiedliche Nutzungen gegenseitig der Wirkung berauben“, so Fockenbrock. Die Mehrheitsgruppe aus CDU, Grünen und Unabhängigen im Hamelner Rat hat da eine etwas andere Auffassung. Ihr Sprecher Claudio Griese begrüßt die Initiative des Arbeitskreises ausdrücklich. Der CDU-Fraktionschef hält nichts davon, „losgelöst von einem Gesamtkonzept an der Idee des Bürgersaals festzuhalten“. Allein mit diesem Saal ließen sich die leeren Etagen des Hauses nämlich nicht füllen.

Womit sie belebt werden könnten – darüber macht sich die Gruppe engagierter Hamelner im Museumsverein bereits seit geraumer Zeit Gedanken. „Den repräsentativen Bürgersaal wollen wir alle“, nimmt Arbeitskreis-Mitglied Klaus-Dieter Thöm ein Teilergebnis dieser Überlegungen schon vorweg. Die noch nicht beantwortete Frage sei jedoch, wie die Ergänzungsnutzung aussehen könnte. Der Kreis habe erst einmal alle Informationen zusammengetragen, die es zu Bau, Umbau, Kosten und auch Nutzungsideen gebe. Ziel sei es, in den nächsten zwei Monaten ein Papier zu erarbeiten, „in dem wir Alternativen in konzeptioneller, baulicher und finanzieller Hinsicht aufzeigen und auch Präferenzen erkennen lassen wollen“. Heute schon Tendenzen anzudeuten, hält Thöm für verfrüht: „Die Konturen müssen erst einmal klarer werden; dafür brauchen wir noch Zeit.“



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