weather-image
17°
×

Stadt holt sich Rat bei den Bürgern

Hameln überlegt: Wo sollen sich die Windräder drehen?

HAMELN. Der Ausbau der Windkraft im Binnenland sorgt zunehmend für Entrüstungsstürme. Schlicht „dagegen“ zu sein, hilft aus Sicht der Hamelner Stadtverwaltung aber nicht weiter, weil von den Kommunen gesetzliche Vorgaben zu erfüllen seien. Sie bemüht sich, die örtlichen Kritiker an der Problemlösung zu beteiligen.

veröffentlicht am 18.09.2019 um 17:27 Uhr
aktualisiert am 19.09.2019 um 11:29 Uhr

Marc Fisser

Autor

Reporter zur Autorenseite

Der öffentliche Windkraft-Workshop im Weserbergland-Zentrum bot 120 Plätze – knapp 50 waren besetzt. Im Ergebnis gibt es nun konstruktive Vorschläge, die in die Beratungen des Stadtrates einfließen sollen.

Der Mensch muss bei allen Überlegungen an erster Stelle stehen. Hört sich wie eine Selbstverständlichkeit an, muss aus Sicht von Bürgern, die negative lokale Auswirkungen von Infrastrukturvorhaben befürchten, aber besonders betont werden. „Ich bin grundsätzlich gegen Windkraftanlagen in dicht besiedelten Gebieten“, sagt Beate Meyer. Die Haverbeckerin plädiert deshalb an Tisch 5 des „Bürgerforums Windenergie“ dafür, die Flächen hierfür so gering wie möglich zu halten, etwa durch eine Hamelner Festlegung, mindestens 1000 Meter Abstand zu Wohnbebauungen zu halten – wie es auch Emmerthal festgelegt hat. Ihr Tisch- und Dorfnachbar Alexander Szabo, der in Haverbeck bauen möchte und dann möglicherweise Windräder in Sichtweite bekäme, überlegt: Werden die Abstandskreise zu groß gezogen, bliebe im Hamelner Umland möglicherweise gar kein Raum für diese Anlagen. Das jedoch ist das Dilemma: Gemäß Windenergieerlass des Landes muss Hameln rund 180 Hektar für die Windenergie zur Verfügung stellen – erst 80 Hektar sind bislang bei Hasperde und Afferde als derartige Vorranggebiete ausgewiesen. Wie der Erste Stadtrat Hermann Aden zu Beginn der Veranstaltung erläutert, verlöre die Stadt ihren Einfluss darauf, einen Wildwuchs bei den Wind-Spargeln zu verhindern, würde sie ihren Flächennutzungsplan nicht den Vorgaben anpassen. Was also tun?

Die Ergebnisse finden Eingang in die Diskussion der Ratsgremien.“

Hermann Aden, Erster Stadtrat Stadt Hameln

Allgemein geltende Kriterien – 400 Meter Abstand zu Siedlungen, deutlich mehr zu Tiefflugzonen der Bundeswehr und zur Erdfunkstelle – schränken den Raum für die Windkraft zwar ein. Zusätzliche lokale Festsetzungen sollen aber als „weiche Tabu-Kriterien“ den Raum noch enger fassen und den Weg zu den aus städtischer Sicht geeignetsten und gesellschaftlich überwiegend akzeptierten Flächen weisen. Szabo betont: „Ich bin grundsätzlich für die Nutzung der Windenergie, sie ist besser als Atomkraft. Ich möchte helfen, den Konflikt aufzulösen.“ Das ist der allgemeine Tenor an diesem Abend: Die von fachlich beteiligten Mitarbeitern der Stadtverwaltung moderierten Diskussionen an den Tischen verlaufen in einer sachorientierten Atmosphäre. Auch Windrad-Betreiber wie der Bäntorfer Reinhard Pigors gehören zu den Teilnehmern. Er selbst wohnt fast „umzingelt“ von solchen Anlagen, was ihn nicht störe.

Das Ergebnis eines der Workshop-Tische: Der Abstand zur Wohnbebauung sollte mindestens einen Kilometer betragen, Artenschutz ist wichtig, forstwirtschaftliche Monokulturen sind weniger wertvoll. Foto: mafi

Pigors zeigt Verständnis dafür, dass die Mitbürger landschaftlich besonders malerische Ecken des Weserberglandes nicht zugestellt sehen möchten, hat mit „seiner“ Energie-Genossenschaft Weserbergland auf den möglichen Bau eines Turms im Sünteltal verzichtet. Die Besucher des Workshops sind sich einig, dass die Wohnqualität der Anrainer möglichst wenig durch Schlagschatten und Geräusche beeinträchtigt werden darf. Vorgeschlagen wird, die Abstandsregel nicht starr zu fixieren, sondern flexibel in die verschiedenen Richtungen zu schauen. Die Priorisierung „Mensch geht vor Wald“ ist in dem Saal nicht unumstritten: weil der Bau und der Betrieb von Windrädern in diesen Bereichen die Natur besonders beeinträchtige und zudem die Waldbrandgefahr steige. Ein Kompromiss könnte es sein, den betreffenden Wald genau zu betrachten: Forstwirtschaftliche Monokulturen seien möglicherweise doch geeignet, der Effekt für den Klimaschutz größer als der Flurschaden. Es gibt den Rat, sich besser auf eine große geeignete Fläche zu konzentrieren, als viele kleine auszuweisen. Den Ortschaften sollte ihre weitere Entwicklung nicht verbaut werden. Überschwemmungsgebiete und Kiesteiche werden als weniger schützenswert eingeschätzt, sofern der Artenschutz dort nicht etwas anderes aussagt.

Nach mehr als dreistündiger Workshop-Arbeit zieht Aden Bilanz: „Ein großes Kompliment an die Teilnehmer!“, sagt er. Die Ergebnisse würden dokumentiert und fänden Eingang in die Debatten der Ratsgremien. Zuvor werde es weitere Informationen und Diskussionen in den Ortsräten geben. Der Entwurf zur Änderung des Flächennutzungsplanes „Windenergie“ wird voraussichtlich 2020 vorgelegt, der Beschluss des Stadtrates 2021 fallen. Anschließend werde das Verfahren mit einer weiteren Veranstaltung für die Öffentlichkeit abgeschlossen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2020
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt