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Serie zum Glück

Wenn Sinnesfreuden glücklich machen

Glücksmomente. Sie sind gefühlsgeladen, intensiv, extrem stark, ein sinnliches Erlebnis. Wer dagegen seine Sinne nicht beisammen hat, gilt als unkonzentriert, zerstreut, verwirrt oder unvernünftig, schlimmstenfalls sogar als leicht verrückt. Und gemeinhin ist von jenen fünf Sinnen die Rede, die schon Aristoteles beschrieben hat: Sehen, Tasten, Hören, Riechen, Schmecken.

veröffentlicht am 10.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 18.03.2017 um 17:37 Uhr

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Autor:

Karin Rohr
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Über Augen, Haut, Ohren, Nase und Gaumen bahnen sich sinnliche Wahrnehmungen den Weg in Körper und Seele und setzen Emotionen frei. Die temporär glücklich machen können. Die Farbe des Meeres, sein Rauschen, der Geruch von Muscheln und Algen, der Salzgeschmack und das Prickeln auf der Haut – für viele Menschen sind diese gebündelten Sinnesreize mit intensiven Glücksempfindungen verbunden. Am Meer kann man die Seele baumeln lassen. Andere sind glücklich, wenn sie Mozart hören, eine Massage genießen, von Rosenduft betört werden oder sich ein Stück Schokolade auf der Zunge zergehen lassen.

Wie intensiv ein sinnlicher Reiz wahrgenommen und ausgekostet wird, wie er verarbeitet, bewertet und erinnert wird, welche körperlichen Reaktionen er auslöst und wie er sich in Bewegung, Mimik, Gestik oder Stimmfärbung niederschlägt – das alles ist letztlich an subjektives Empfinden gekoppelt und von vielen Faktoren abhängig.

„Ich bin eher optisch geprägt“, sagen die meisten Menschen. Und mögen damit gar nicht so falsch liegen. Denn ein Großteil unserer Wahrnehmungen erfolgt über das Auge. Die Sinne besitzen unterschiedliche Aufnahmekapazitäten, hat der amerikanische Mathematiker und Informationstheoretiker Claude Elwood Shannon festgestellt, nach dem die Maßeinheit für den Informationsgehalt einer Nachricht „Shannon“ benannt wurde. Demnach werden über den Gesichtssinn des Menschen pro Sekunde etwa 10 Millionen Shannon aufgenommen, über den Tastsinn circa eine Million Shannon, über Gehörsinn und Geruchssinn nur noch etwa 100 000 Shannon. Schlusslicht bildet der Geschmackssinn mit etwa 1000 Shannon pro Sekunde. Für subjektive Glücksgefühle aber gibt es kein Maß. Und visuelle Sinneseindrücke müssen auch nicht glücklicher machen als die Empfindungen, die Ohren, Nase, Haut oder Gaumen vermitteln.

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  • Der österreichische „Malerfürst“ Hans Makart (1840-1884) zählt mit seinen sinnlichen, hochdekorativen Werken zu den einflussreichsten Künstlern des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum. Auf seinem Gemälde „Die fünf Sinne“ stehen Frauen allegorisch für das Tasten, Hören, Sehen, Riechen und Schmecken (v.li.n.re).

Ein Sonnenuntergang am Meer, Lavendelfelder in der Provence, das Blumenmeer im botanischen Garten, schroffe Felsen, endlose Sanddünen, flirrendes Licht – all dies können Bilder sein, die sich so nachhaltig einbrennen wie das Gemälde, das uns nicht mehr loslässt, oder die Filmsequenz, die uns auch noch Jahre nach dem Kinobesuch in schönster Erinnerung ist. Glücksmomente, die wir uns ins Gedächtnis rufen. Glück, das wir gespeichert haben.

Und das uns dann manchmal unvermittelt überfällt. Musik, die sentimentale Erinnerungen weckt. Oder Gerüche, die Assoziationen freisetzen: der Thymian im Kräutertöpfchen, dessen Duft uns an den Urlaub in Südfrankreich erinnert. Sogar die Dieselwolke in der Tiefgarage kann subjektive Glücksgefühle auslösen: Was die meisten als störenden Mief empfinden, kann einen anderen beglücken, wenn er damit Teenager-Küsse in der U-Bahn von London assoziiert.

Doch nicht nur die glückliche Erinnerung, auch das Glückserleben in einer aktuellen Situation ist subjektiv gefärbt und hängt nicht zuletzt von der Sensibilität, Sinnlichkeit, Spontaneität, Kreativität und den ganz persönlichen Neigungen und dem Schönheitsempfinden des Einzelnen ab. Was den einen glücklich macht, langweilt den anderen. Was bei dem einen tiefe Gefühle auslöst, lässt den anderen kalt.

Vom Für und Wider sinnlich erfahrbaren Glücks:

  • Küssen macht glücklich. Wenn man diesen Menschen liebt.
  • Streicheln macht glücklich. Wenn man keine Berührungsängste hat.
  • An Blumen riechen macht glücklich. Wenn man nicht allergisch reagiert.
  • Chris Rea hören macht glücklich. Wenn man auf softe Balladen steht.
  • Ein Glas Rotwein genießen macht glücklich. Wenn man kein Abstinenzler ist.
  • Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen anschauen macht glücklich. Wenn man sich auf Landschaftsbilder aus Cornwall freut und nichts gegen ultraleichte Unterhaltung hat.
  • Shakespeare lesen macht glücklich. Wenn man ein Faible für die Werke großer Klassiker hat.
  • Am Meer spazieren gehen, macht glücklich. Wenn man nicht davon träumt, auf Berge zu kraxeln.

Das Glück kommt durch Ohren, Augen und Nase, über die Haut und den Gaumen zu uns. Auf was wir aber wie stark reagieren, ist von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich. Das gilt für kollektive Glücksmomente wie beim Torjubel der Fans im Fußballrausch ebenso wie für frisch Verliebte oder Freunde, die sich blind verstehen.



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