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Er hat in einer Lotterie eine Million Euro gewonnen – sie hat im April die Chance, nachzuziehen

Macht Geld glücklich? „Es beruhigt“

Glück, das ist, wenn man so viel Geld hat, dass man regelmäßig die Rechnungen bezahlen kann“, sagt Siegfried Köpke. Dass er beim Stichwort Glück so schnell auf das Thema Geld kommt, ist vermutlich fast schon Gewohnheit. Denn im Mai 2010 schlug das Glück bei ihm ein: Eine Million Euro brachte ihm sein Los in der Süddeutschen Klassenlotterei (SKL). Vom Hartz-IV-Antragsteller zum Millionär – von einer Minute auf die andere.

veröffentlicht am 28.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 18.03.2017 um 17:36 Uhr

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Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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Der Gewinn in der „Millionen-Show“ kam offenbar einem emotionalen Blitzschlag gleich. In so einem Moment sei erst mal jeder „schön freundlich“, sagt der 53-Jährige aus Görmin in Vorpommern. „Aber ich wäre lieber erst einmal hinter die Bühne gegangen und hätte geheult.“ Bilder seiner verstorbenen Mutter seien ihm eingefallen. Acht Jahre lang hatte er sie zu Hause gepflegt. Er wurde in dieser Zeit arbeitslos, Hartz IV gab es nicht – Elternhaus und Grund waren zu groß. „Es war niemand da, um die Freude zu teilen“, erinnert sich der Junggeselle an den Moment des großen Losglücks.

Heute ist er überzeugt, Geld mache nicht unbedingt glücklich, „aber es beruhigt“. „Solange ich auf dieser Welt bin, werde ich gut damit auskommen“, sagt er und erzählt: „Ich kann damit viele Sachen machen, die ich vorher nicht machen konnte.“ Extravaganzen finden sich unter diesen „Sachen“ bei dem gelernten Gärtner und Heizungsinstallateur nicht. Mit dem Gewinn hat er sein Elternhaus ausgebaut, energetisch saniert wird auch noch. Der Freizeitjäger hat einen Jagdhund angeschafft und einen Geländewagen. „Hühner und Enten will ich auch halten, aber erst, wenn die Scheune fertig, und der Zaun wieder dicht ist.“ Berufstätig ist Köpke nicht mehr, aber viel beschäftigt. „Wenn ich nichts zu tun hätte, ich weiß nicht, ob ich dann glücklich wäre.“ Vermutlich würde man nur dick von der Rumsitzerei, befürchtet er.

Damit das Glück oder zumindest das gewonnene Geld nicht zwischen den Fingern verrinnt, trifft sich Köpke regelmäßig mit anderen SKL-Gewinnern im „Millionärsclub“ zum Erfahrungsaustausch. Dort ist dann nicht nur von angenehmen Seiten des neuen Reichtums zu erfahren: „Mancher wurde aus seiner alten Firma rausgemobbt“, erzählt der 53-Jährige, „da hat dann der Chef gesagt: Du hast ja mehr Geld als ich.“ Kein finanzielles Glück ohne Neider.

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Auch Evelin Schreiber aus Seelze bei Hannover hat Aussichten, bald ebenso vermögend wie Köpke zu sein. „Aussichten“ heißt in diesem Fall: Die Chancen stehen bei 1:20 – für eine Lotterie grandios gut. Die 65-Jährige wurde – wie 19 weitere Los-Besitzer und wie einst auch Siegfried Köpke – zur SKL-Millionenshow eingeladen. Am 19. April fällt in Ludwigsburg beim „Tag des Glücks“, wie es die staatliche Lotterie nennt, die Entscheidung, welches Los gewinnt. Evelyn Schreiber gibt sich gelassen: „Ich rechne da nicht mit“, sagt sie angesichts des möglichen Gewinns von einer Million Euro. „So eine Summe, die kann man sich ja gar nicht vorstellen.“ Sie kommt schnell auf andere Themen zu sprechen, die für sie viel mehr über Glück und Unglück entscheiden. Auf den Tod ihres Lebensgefährten zum Beispiel, im vergangenen Jahr am ersten Weihnachtstag. „Als dann der Brief kam, dass ich zu der Show eingeladen bin, konnte ich mich nicht richtig freuen“, erinnert sie sich.

Einen ungetrübten Glücksfall wiederum erlebte sie in einem anderen Moment ihres Lebens: Ihren Ehemann lernte sie einst im Urlaub auf Mallorca kennen. Überrascht waren beide dann, als sie feststellten, dass sie in Hannover nur zwei Straßen voneinander entfernt wohnten. Sie heirateten 1970 und führten bis zu seinem Tod im Jahr 1994 „eine tolle Ehe“, wie Evelin Schreiber sagt.

Aber was würde sie denn nun machen, wenn die Million käme, mit der sie nicht rechnen mag? „Eine tolle Kreuzfahrt hätte ich da gleich im Kopf.“ Außerdem wären da ja noch „liebe Geschwister mit Kindern“, die nicht leer ausgehen sollen. Und eine neue Wohnung wäre auch toll. Ein bisschen Luxus also? Nicht ganz: Eine kleinere Wohnung sollte es sein. „Für mich allein ist diese ziemlich groß.“

Glück jedoch hängt letztlich nicht vom Geld ab – auch nicht von einer Million: „Wenn ich nicht gesund bin, was hilft mir da ein Koffer voll Geld?“, fragt sie. Gesundheit sei letztlich „das größte Glück“. Aber abgesehen davon gibt es das Glück natürlich auch noch in kleiner Ausführung – zum Beispiel im eigenen Schrebergarten. „Wenn ich da so sitze und um mich gucke oder mit Freunden grille“, sagt die Vielleicht-Millionärin, „dann denke ich: Das ist Glück.“

Siegfried Köpke bei einem Treffen des „Millionärsclubs“. Siefried Köpke aus Seelze hofft im April auf Losglück.Fotos: SKL/Christian Böhm

Von diesem Glück träumen Millionen: Einmal das große Los ziehen. Mit einem Schlag vom Normalverbraucher zum Millionär. Einem 53-jährigen Junggesellen ist genau das passiert. Unterdessen wartet eine 65-Jährige gespannt auf den 19. April …



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