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Erinnerungsstätte am Bückeberg als Thema der Kreistagssitzung

„Zweitwichtigster Nazi-Propagandaort“

HAGENOHSEN. Die umstrittenen Gedenkstätte am Bückeberg beschäftigte jetzt auch den Kreistag in seiner Sitzung.

veröffentlicht am 21.12.2017 um 14:29 Uhr
aktualisiert am 27.12.2017 um 14:13 Uhr

Über 70 Jahre lang wurde das Nazi-Propaganda-Areal am Bückeberg lediglich landwirtschaftlich genutzt. Jetzt soll es Erinnerungsstätte werden. Foto: Dana
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite

Eigentlich gar es keinen Tagesordnungspunkt, der sich mit der Gedenkstätte am Bückeberg beschäftigen sollte. Und dennoch sorgte das Thema zeitweise dafür, dass die sonst versöhnliche Weihnachtsstimmung im Kreisparlament zeitweise gar zu kippen drohte.

Dabei war die Frage, die der tündersche Landwirt und Ex-Kreistags-Parlamentarier Friedrich-Wilhelm Kropp gleich zu Beginn der Sitzung in der Einwohnerfragestunde stellte, eigentlich recht unverfänglich: Kropp führte an, dass der Bückeberg für die Tünderaner der Hausberg sei, den man von der eigenen Gemarkung stets vor Augen habe. Er wollte deshalb von Hameln-Pyrmonts Kreistag und -verwaltung wissen, wie man sich hier zum gegenwärtigen Stand der Dinge positioniere.

Eine Stellungnahme erhielt Kropp von Landrat Tjark Bartels. Ausgehend von seiner Überzeugung „Wir müssen da unbedingt etwas machen und ich bis überzeugt, dass wir hier in den nächsten Jahren einen Gedenkort haben“ gab der Landrat einen Abriss der Entwicklung der vergangenen zwei bis drei Jahre. So sei vom Kreistag der Auftrag ergangen, ein Konzept für eine Erinnerungsstätte zu entwickeln. Nach einem Wettbewerb habe sich die Jury für einen Sieger-Entwurf entschieden, der jetzt in die Diskussion geraten sei. Rund 450 000 Euro sind für das Projekt veranschlagt, rund 225 000 Euro davon trägt der Landkreis. Sehr zum Missfallen von Kritikern.

Für Bartels ist der Bückeberg mit seinen Reichserntedankfesten „nach Nürnberg der zweitwichtigste Nazi-Propagandaort.“ Hier huldigten bei Veranstaltungen in den Jahren 1933 bis 1937 bis zu über eine Million treuer Gefolgsleute aus ganz Deutschland „ihrem Führer“.

In seiner Stellungnahme unterstrich der Landrat, dass es sich angesichts dieser Tatsache einer deutschen Täterschaft und Millionen von Toten verböte „hier eine Diskussion unter Kostenaspekten zu führen.“

Da hakte die CDU-Abgeordnete Ursula Körtner nach, wollte dennoch konkret wissen, bis zu welchem Kostenrahmen der Landkreis da zu gehen gedenke. In seiner Antwort blieb Bartels aber weiterhin vage: Angesichts der Tatsache, dass man den Bückeberg „als Täterort mit enormer historischer Dimension „ betrachten müsse, müsse man das „was dann als Kosten für den Kreis herauskomme, eben stemmen“. Seiner Ansicht nach würden die Kosten aber „ausgesprochen überschaubar werden“.

Landrat Tjark Bartels kündigte deshalb das Vorhaben des Kreises an, „um nicht in ein Grabenthema hineinzugeraten“, im Januar ein Gespräch mit Betroffenen „im kleinen Kreis“ zu führen, in dem auch die Kritiker zum Thema Gedenkstätte zu Wort kommen sollen.



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