weather-image
13°
Tag des Denkmals mit Bückeberg im Mittelpunkt / Eine wichtige Quelle zum Verständnis der NS-Geschichte

„Spielt man den Neo-Nazis in die Hände?“

Hameln/Emmerthal. Es gibt sie, die „unbequemen Denkmale“, die gestern im Mittelpunkt des schon traditionellen Tags des Denkmals standen. Hochoffiziell wurde der Tag gestern mit einer Festveranstaltung des Landes Niedersachsen durch Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic in der Handelslehranstalt in Hameln eröffnet. Im Mittelpunkt standen dabei der Bückeberg und die „populistische Verführung“ durch die von den Nationalsozialisten dort veranstalteten „Reichserntedankfeste“.

veröffentlicht am 09.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.12.2017 um 14:29 Uhr

270_008_6586438_wolla_bueck.jpg

Autor:

Wolfhard F. Truchseß

Eine von dem Historiker Bernhard Gelderblom erarbeitete Ausstellung über die Geschehnisse und vier Führungen auf dem Gelände am Nachmittag, zu denen rund 200 Interessierte kamen, rundeten das Programm ab.

„Denkmalschutz braucht gesellschaftliche Akzeptanz“, betonte die Ministerin in ihrer Ansprache. Das sei besonders schmerzlich, wenn es um die Täterorte der NS-Zeit gehe. „Was macht man mit einem Ort wie dem Bückeberg?“, fragte die Ministerin. „Spielt man mit ihm den Neo-Nazis in die Hände? Lockt man sie damit hierher?“ All dies seien Fragen, die gerade in Emmerthal heftig diskutiert worden seien. Letztendlich aber habe die Gemeinde doch zugestimmt, dass dieser Ort als Denkmal benannt worden sei, „weil der Bückeberg ein historisches Zeugnis ist“. Damit sei der Bückeberg ein gutes Beispiel für einen verantwortungsvollen Umgang mit der NS-Vergangenheit.

Dr. Stefan Winghart, Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, betonte, dass es Zeugnisse unserer Geschichte gebe, die erhalten werden müssten, weil andernfalls auch die Erinnerung an historische Stränge verschwinde, „die unser Leben bestimmen, ob wir das wollen oder nicht“. Dies treffe in besonderem Maße für die Hinterlassenschaft zu, die das zwölf Jahre dauernde „Tausendjährige Reich“ hinterlassen habe. Der Kunsthistoriker Norbert Huse habe treffend formuliert, „dass es unbequeme Denkmale gibt, die an Tatsachen erinnern, die es besser nicht gäbe, Teile eines Erbes, das niemand haben will und das doch nicht ausgeschlagen und nicht beschönigt werden darf“. Auch die Bau- und Bodendenkmäler aus der Zeit des Nationalsozialismus seien unbequem. „Wir lieben sie nicht und das zu Recht.“ Aber sie seien „überaus wichtige Quellen zum Verständnis der Geschichte und Soziologie des Nationalsozialismus, weswegen ein sorgfältiger wissenschaftlicher Umgang mit ihnen unerlässlich ist“.

Zur Uraufführung während der Festveranstaltung kam auch der im Juni von vier Studenten der Europa-Universität Viadrina (Frankfurt/Oder) gedrehte Dokumentarfilm „Der Bückeberg – ein unbequemes Denkmal“ (wir berichteten), in dem sowohl Anwohner des Berges als auch Emmerthals Bürgermeister Andreas Grossmann, insbesondere aber Gelderblom zu Wort kommen. Komplettiert wurde der eindrucksvolle Film durch Dokumentaraufnahmen von den Reichserntedankfesten. An der Erarbeitung der Ausstellung, die heute offiziell eröffnet wird, waren auch zahlreiche Schüler der Handelslehranstalt unter Begleitung des Geschichtslehrers Henning Eimer und Gelderbloms beteiligt. Damit hätten viele Schüler mit Migrationshintergrund eine gute Gelegenheit gehabt, sich ganz konkret mit der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen, erklärte HLA-Schulleiter Bernd Strahler am Rande der Veranstaltung, die in eine Begehung des Bückeberges durch die Ministerin mündete. Dabei erläuterten Gelderblom und Dr. Henning Haßmann, der Leiter der Abteilung Archäologie im Landesdenkmalamt, die bauliche Entwicklung am Bückeberg und den Ablauf der Reichserntedankfeste.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt