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Entwürfe werden verhandelt

So soll der Bückeberg künftig aussehen

HAGENOHSEN.Wie sehen die Pläne des Hamelner Vereins für regionale Kultur- und Zeitgeschichte für die Gedenkstätte am Bückeberg eigentlich konkret aus? Wir werfen einen Blick auf die aktuellen Entwürfe des Planer-Teams, bestehend aus Martina Jung, dem Büro für Gestaltung Ermisch sowie den Landschaftsarchitekten Dröge + Kerck aus Hannover, für das im Entstehen begriffene Projekt.

veröffentlicht am 03.01.2018 um 17:00 Uhr
aktualisiert am 04.01.2018 um 10:21 Uhr

Ob der geplante Schriftzug „Propaganda“ in die Tat umgesetzt wird, ist fraglich. Fotomontage: AG Jung/Ermisch/Kerck
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite

An der geplanten Dokumentationsstätte am Bückeberg scheiden sich die Geister. Die Befürworter verweisen auf die Bedeutung, welche die dort stattgefundenen Reichserntedankfeste damals für die Propaganda des Nazi-Regimes hatten, und heben hervor, wie diese Geschichte, die sich direkt vor der Haustür abgespielt hat, zur Aufklärung der nachfolgenden Generationen positiv genutzt werden kann. Dagegen bringen die Kritiker zu hohe Kosten, überdimensionierte Pläne und eine mögliche Anlaufstätte für Neonazis gegen das Projekt ins Spiel. Aber wie sehen die Pläne des Hamelner Vereins für regionale Kultur- und Zeitgeschichte für die Stätte am Bückeberg eigentlich konkret aus? Ein Blick auf die aktuellen Entwürfe des Planer-Teams, bestehend aus Martina Jung, dem Büro für Gestaltung Ermisch sowie den Landschaftsarchitekten Dröge + Kerck aus Hannover, für das im Entstehen begriffene Projekt.

„Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, der die Propagandamechanismen des NS-Regimes in Gestalt des ,Reichserntedankfestes‘ verdeutlicht, dessen gigantische räumliche Ausmaße visualisiert sowie zur Auseinandersetzung mit der Frage anregt, wie Menschen Täter oder Unterstützer eines Unrechtsregimes werden konnten“, sagt der Hamelner Historiker und Vorsitzende des Vereins für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Bernhard Gelderblom gegenüber der Dewezet. Die erklärte Hauptzielgruppe sollen ihm zufolge Jugendliche sein. Aber nicht nur. „Der Ort steht darüber hinaus allen Interessierten offen, darunter auch den zahlreichen Touristen, die den nahen Weserradweg befahren“, betont Gelderblom.

Die aktuellen Entwürfe stehen noch zur Diskussion. Zurzeit verhandelt das Team um Bernhard Gelderblom mit der Arbeitsgemeinschaft bestimmte Einzelheiten des Entwurfs: So seien die geplanten Info-Tafeln mit einer Höhe von 1,20 Metern zu niedrig, die geplanten Bodenplatten werden womöglich verworfen und der geplante Zickzack-Weg verkürzt. Hinsichtlich des Schriftzuges „Propaganda“ in Form von weithin sichtbaren Großbuchstaben bestehen von unterschiedlicher Seite aus Bedenken. So beklagen Einwohner der Gemeinde Emmerthal eine Diffamierung des gesamten Ortes. „Diesen Einwand meinen wir damit entkräften zu können, dass wir den zirka zwei Meter hohen Schriftzug mit einer Hecke hinterpflanzen, sodass er nur noch vom Hanggelände aus zu sehen ist“, sagt Gelderblom.

So könnte beispielsweise die Informationsinsel zum Thema „Ehrentribüne“ und „Erntealtar“ aussehen. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
  • So könnte beispielsweise die Informationsinsel zum Thema „Ehrentribüne“ und „Erntealtar“ aussehen. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
Über die Fundamentreste der ehemaligen „Ehrentribüne“ soll ein leicht schräg angelegter Steg führen. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
  • Über die Fundamentreste der ehemaligen „Ehrentribüne“ soll ein leicht schräg angelegter Steg führen. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
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Der Blick auf das Gelände der Reichserntedankfeste der Nationalsozialisten sowie auf die weit ausgreifende Infrastruktur am Bückeberg soll betont werden. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
  • Der Blick auf das Gelände der Reichserntedankfeste der Nationalsozialisten sowie auf die weit ausgreifende Infrastruktur am Bückeberg soll betont werden. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
Das Bückeberg-Gelände im Überblick. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
  • Das Bückeberg-Gelände im Überblick. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
Infomodule sollen, zu Banden verkettet, als Störungen am Hang sichtbar werden, ohne sich zu stark in den Vordergrund zu schieben. Der Blick über die Elemente soll bestehen bleiben. So können Besucher miteinander ins Gespräch kommen. Grafik: AG Jung/E
  • Infomodule sollen, zu Banden verkettet, als Störungen am Hang sichtbar werden, ohne sich zu stark in den Vordergrund zu schieben. Der Blick über die Elemente soll bestehen bleiben. So können Besucher miteinander ins Gespräch kommen. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
Lediglich Hinweistafeln wollen CDU und FWE, ansonsten den Zustand des Bückeberges in bisheriger Form beibehalten. Bürgermeister Andreas Grossmann befürwortet aber die Pläne der Jury (links) als niederschwelliges Angebot.
  • Lediglich Hinweistafeln wollen CDU und FWE, ansonsten den Zustand des Bückeberges in bisheriger Form beibehalten. Bürgermeister Andreas Grossmann befürwortet aber die Pläne der Jury (links) als niederschwelliges Angebot.
Der Vorschlag zur Gestaltung des Osthangs. Es soll eine Treppe geben, die Hangfläche und tiefer liegende landwirtschaftliche Fläche verbindet Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
  • Der Vorschlag zur Gestaltung des Osthangs. Es soll eine Treppe geben, die Hangfläche und tiefer liegende landwirtschaftliche Fläche verbindet Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
Geplant ist, mehrere Inseln mit einer aus Schotterrasen einzurichten. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
  • Geplant ist, mehrere Inseln mit einer aus Schotterrasen einzurichten. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
Auf dem Gelände verteilt soll es mehrere niedrige und hohe Informationsmodule geben. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
  • Auf dem Gelände verteilt soll es mehrere niedrige und hohe Informationsmodule geben. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
So könnte beispielsweise die Informationsinsel zum Thema „Ehrentribüne“ und „Erntealtar“ aussehen. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
Über die Fundamentreste der ehemaligen „Ehrentribüne“ soll ein leicht schräg angelegter Steg führen. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
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Der Blick auf das Gelände der Reichserntedankfeste der Nationalsozialisten sowie auf die weit ausgreifende Infrastruktur am Bückeberg soll betont werden. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
Das Bückeberg-Gelände im Überblick. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
Infomodule sollen, zu Banden verkettet, als Störungen am Hang sichtbar werden, ohne sich zu stark in den Vordergrund zu schieben. Der Blick über die Elemente soll bestehen bleiben. So können Besucher miteinander ins Gespräch kommen. Grafik: AG Jung/E
Lediglich Hinweistafeln wollen CDU und FWE, ansonsten den Zustand des Bückeberges in bisheriger Form beibehalten. Bürgermeister Andreas Grossmann befürwortet aber die Pläne der Jury (links) als niederschwelliges Angebot.
Der Vorschlag zur Gestaltung des Osthangs. Es soll eine Treppe geben, die Hangfläche und tiefer liegende landwirtschaftliche Fläche verbindet Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
Geplant ist, mehrere Inseln mit einer aus Schotterrasen einzurichten. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck
Auf dem Gelände verteilt soll es mehrere niedrige und hohe Informationsmodule geben. Grafik: AG Jung/Ermisch/Kerck

Kritik gibt es aber auch von anderer Stelle. Die Fachkommission der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten hält den Begriff „Propaganda“ inhaltlich nicht für angemessen. „Er greife nicht alles auf, wofür der Bückeberg stehe, beinhalte eine Interpretationsvorgabe und könne eventuell sogar die Verführungsthese bestätigen“, gibt Gelderblom die Bedenken wider. Der Stiftung zufolge sei es möglicherweise besser, ein Symbol zu wählen. Die „Landmarke“ als solche sei aber wichtig.

Unterdessen hat die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung (NBU) einen finanziellen Zuschuss in Höhe von 50 000 Euro für die Umsetzung der Dokumentationsstätte am Bückeberg zugesichert. „Keiner der vergleichbaren Orte wie das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg oder die Plätze der Maifeier in Berlin sind so gut erhalten wie der Bückeberg, deshalb hat das Projekt bundesweite Bedeutung“, befindet Karsten Behr, Geschäftsführer der Bingo-Umweltstiftung. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf 450 000 Euro. Der Landkreis Hameln-Pyrmont will 225 000 Euro der Kosten tragen. Dazu kämen in den Jahren 2018 bis 2021 Folgekosten in Höhe von insgesamt 306 500 Euro für die Instandhaltung und Betreuung der Stätte. Dafür sollen eine volle sowie eine Viertelstelle geschaffen werden. Die Entscheidung über diese Pläne trifft der Kreistag.



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