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Schatten der Vergangenheit, Schatten der Gegenwart

EMMERTHAL/HAMELN. Der Schock sitzt tief – aber wie sollen die Experten umgehen mit der Mehrheitsentscheidung des Emmerthaler Rates, auf Distanz zu den Bückeberg-Plänen zu gehen? Ausgerechnet die rechtspopulistische AfD fährt den Triumph ein, mit Stimmen der CDU und Wählergemeinschaft eine Bürgerbefragung durchzusetzen.

veröffentlicht am 23.02.2018 um 20:33 Uhr
aktualisiert am 27.02.2018 um 14:13 Uhr

Der Bückeberg ist längst kein lokales Thema mehr: Der NDR filmt bei der Ratssitzung in Emmerthal. Foto: cb
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite

Das Symposium einen Tag später in Hameln kann der Entwicklung zunächst nichts außer Fassungslosigkeit entgegensetzen. Hinzu kommt die unerwartete Schärfe am Mittwoch, als bei der NDR-Streitsendung die Kritiker ihrem Ärger Luft machten. Von einem „Dammbruch“ spricht am Freitag Landrat Tjark Bartels. Natürlich weiß er, dass jeder Widerspruch von ihm Wasser auf die Mühlen derer ist, die einen Dokumentations- und Lernort nach den vorliegenden Plänen ablehnen. Dennoch distanziert sich der Landrat deutlich. Dass die CDU dem Antrag der AfD folge, habe ihn „zutiefst erschreckt“. Bartels: „Wer folgt da wem?“

Von den Kritikern sind am Freitag wenige mit dabei. Immerhin informiert sich Emmerthals AfD-Ratsfrau Delia Klages beim Symposium, ebenso nahm sie kürzlich bei einer Führung auf dem Bückeberg teil. Dennoch beschleicht manchen Beteiligten ein merkwürdiges Gefühl, dass Klages, die mit AfD-Rechtsaußen Björn Höcke („Denkmal der Schande“, so seine Meinung über das Holocaust-Denkmal) auf Bildern posiert, sich mit ihrem Antrag zur Bürgerbefragung zum Vorreiter der Demokratiebewegung machen will. Vor der AfD warnt am Freitag auch Michael Fürst, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen. Dass deren Politiker erklären, für die Bürger zu sprechen, „dürfen wir nicht hinnehmen“.

Der Hamelner Sinto Horst Rosenberg von der Niedersächsischen Beratungsstelle für Sinti und Roma erinnerte daran, dass es heute im Landkreis noch Holocaust-Überlebende gebe, Sinti, denen sich der Bückeberg als „Hitler-Berg“ und Hameln als „böse“ Stadt ins Gedächtnis eingebrannt habe. In Anbetracht dessen sowie mit Blick auf die Entwicklung mit der AfD mahnte er, dass „Orte wie der Bückeberg nicht in Vergessenheit geraten dürfen“.

Der Landrat bezieht sich ein weiteres Mal auf die Entscheidung und die Diskussion im Rat. Ohne Ernst Nitschke von der FWE namentlich zu nennen, geht Bartels auf dessen Äußerungen in Emmerthal ein. Nitschke hatte dabei die Reichserntedankfeste nahezu verklärt, kaum vor dem Hintergrund der NS-Propaganda gesehen. Bartels: „Wegen solcher Sätze ist es umso wichtiger, dass ein Dokumentations- und Lernort entsteht.“

Dr. Jens-Christian Wagner musste als Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten schon in vielen Orten für Projekte werben – bei der NDR-Diskussion im Emmerthal aber in ungewohnter Schroffheit. „So eine aufgeheizte Stimmung habe ich bislang noch nicht erlebt“ – nach der Aufzeichnung der Sendung ergriff die Gemeinde vorsichtshalber Maßnahmen, um für Wagners Sicherheit zu sorgen.



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