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Vorschlag zum Umgang mit NS-Erntedankfesten stößt auf Skepsis

Mehr vom Bückeberg ins Museum? „Nicht machbar“

HAMELN. Den jüngsten Vorschlägen, das Thema Bückeberg in einem größeren Umfang im Hamelner Museum zu präsentieren, erteilt Museumsleiter Stefan Daberkow eine klare Absage – aus ganz pragmatischen Gründen. Es gebe nicht ausreichend Platz in den beiden Gebäuden an der Osterstraße. Ein paar Exponate gibt es aber.

veröffentlicht am 01.03.2018 um 18:04 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 19:10 Uhr

Im Dachgeschoss des Hamelner Museums befindet sich die Ausstellung über das 20. Jahrhundert. Ein Teil davon befasst sich mit den Reichserntedankfesten am Bückeberg. An zwei Stellwänden und in Vitrinen wird das Thema aufgegriffen. Foto: fh
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite

Eine eingehendere Auseinandersetzung mit den Reichserntedankfesten der Nationalsozialisten, die von 1933 bis 1937 dort Massenkundgebungen abhielten, sei aus Platzgründen schlichtweg nicht möglich. „Räumlich ist da nichts machbar“, sagt Daberkow. Wenn das Hamelner Museum mehr zum Bückeberg ausstellen und informieren wolle als bisher, ist nach Ansicht des Museumsleiters eine räumliche Erweiterung dringend erforderlich. Die Vergrößerung wäre seiner Meinung nach „signifikant“ und „eine größere Sache“, wie er sagt, wenngleich die Reichserntedankfeste vom Bückeberg auch für das Hamelner Museum ein „attraktives Thema“ seien.

Erst kürzlich hatte der Kreisverband der FDP seine Sicht auf die geplante Dokumentationsstätte am Bückeberg deutlich gemacht. Die Liberalen sprechen sich für eine deutlich kleinere Variante des umstrittenen Projekts aus: Demnach solle es lediglich wetterfeste Hinweistafeln direkt vor Ort in Hagenohsen geben. Eine erweiterte Bückeberg-Abteilung im Hamelner Museum könne schließlich die Thematik vertiefen, sagte Klaus-Peter Wennemann für die FDP Anfang dieser Woche gegenüber der Dewezet.

Daberkow legte unlängst auf eine Nachfrage der CDU im Kulturausschuss der Stadt Hameln, der zufällig im Museum tagte, dar: „Das würde neue Räumlichkeiten bedeuten.“ Auf Anfrage verdeutlichte der Museumsleiter am Donnerstag: Der Platz für die Ausstellung des 20. Jahrhunderts, die im Hamelner Museum unter dem Dach einen Platz gefunden hat, sei ohnehin schon knapp bemessen. Die Massenversammlungen am Bückeberg werden dort neben etlichen anderen Exponate zur NS-Zeit in Hameln an zwei Stellwänden thematisiert. Daneben gibt es auch Bereiche, die sich mit dem Ersten Weltkrieg oder der Anti-Atom-Geschichte um Grohnde befassen. Dies alles ist Teil der Dauerausstellung im Museum.

Im Museum in einer Vitrine zu sehen: eine Eintrittskarte für das Erntedankfest 1933. Foto: fh
  • Im Museum in einer Vitrine zu sehen: eine Eintrittskarte für das Erntedankfest 1933. Foto: fh

Platz, der flexibel zur Verfügung steht, gebe es schließlich nur in den Bereichen für Sonderausstellung oder die sogenannte Kabinettausstellung, die sich auf einen relativ kleinen Raum beschränkt. Ohnehin – dort das Bückeberg-Thema zu erweitern: „Das macht auch thematisch und chronologisch keinen Sinn“, erklärt Daberkow die neue thematische Ordnung im Hamelner Museum, nachdem die Häuser nach umfangreicher Sanierung mit Kosten in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro bis ins Jahr 2011 neugestaltet worden waren.

Der Museumsleiter macht aber auch deutlich, dass die in Hameln ansässigen Museumspädagogen das „Vermittlungsangebot“ zum Bückeberg leisten könnten. Dies umfasse etwa Seminare oder auch Fortbildungen zum Thema. Wennemann hatte den FDP-Vorschlag unter anderem damit begründet, dass solch ein Angebot von Kindern und Jugendlichen eher angenommen würde als eine Dokumentationsstätte am Originalschauplatz. Dem widerspricht Museumsleiter Daberkow indirekt: Diese Angebote werden kaum genutzt. Von Schulklassen im Speziellen werde das Vermittlungsangebot im Museum „relativ wenig bis gar nicht nachgefragt“.

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