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Landesarchäologe: „Zeichen der Entschlossenheit“ der Nazi-Propaganda

Luftaufnahmen belegen massive Bearbeitung des Bückebergs

HAGENOHSEN. Viele der historisch erarbeiteten Erkenntnisse über die Reichserntedankfeste sind jetzt auch archäologisch untermauert worden. In einem besonderen Laserscan-Verfahren ist der Bückeberg gescannt worden, sodass der Blick auf die bloße Oberfläche des weitläufigen Geländes frei wird. Dadurch lassen sich die Eingriffe durch die Nationalsozialisten deutlich ablesen.

veröffentlicht am 14.01.2019 um 16:27 Uhr
aktualisiert am 15.01.2019 um 12:21 Uhr

Anhand der Airborne-Laserscan-Bilder ist die künstliche Bearbeitung des Bückeberges deutlich erkennbar. Foto/Grafik: A. Niemuth, NLD auf Basis der ALS-Daten des LGLN
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Die These mancher Kritiker, derzufolge es sich doch „einfach nur um einen Berghang“ handele, ist demnach nicht haltbar, sagt Landesarchäologe Dr. Henning Haßmann. „In Wirklichkeit handelt es sich um eine aufwendig von Menschenhand gestaltete Landschaft“, sagt der Leiter der Abteilung Archäologie des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege im Dewezet-Gespräch.

Das Airborne-Laserscan-Verfahren ermöglicht aus der Luft heraus präzise Geländeaufnahmen, wobei die Vegetation ausgeblendet wird. „Der Wald ist quasi virtuell gerodet und gibt den Blick frei auf die nackte Geländeoberfläche“, sagt Haßmann im Hinblick auf den Bückeberg. Dadurch sei erkennbar, wo menschliche Eingriffe in die Landschaft vorgenommen worden seien. Der Hamelner Historiker Bernhard Gelderblom hatte schon in der Vergangenheit immer wieder betont, wie massiv die Eingriffe am Bückeberg gewesen seien. Belegt werde dies nun durch die Ergebnisse des speziellen Laserscan-Verfahrens.

Landesarchäologe Haßmann spricht von einer „topografischen Kontextualisierung“ des Bückeberges. Eine „Fülle von Spuren“ habe in der „Reliktlandschaft“ festgestellt werden können. Deutlich zu erkennen seien etwa die Überreste des Lagers des Reichsarbeitsdienstes im Wald oberhalb des Festgeländes, so auch die Wasserspeicher aus der Zeit der Reicherntedankfeste. Unverkennbar sei der in der Mitte des Festplatzes künstlich angelegte und bis heute weithin sichtbare "Führerweg", der von der Rednerbühne am Fuß des Hangs hoch zur Ehrentribüne führte und den Reichskanzler Adolf Hitler bei seinen Besuchen der Massenveranstaltung ablief.

Auch die riesigen Flächen links und rechts des Weges wiesen deutliche Bearbeitungsspuren auf. Am äußeren linken Rand, also nordöstlich, ist ein großer Höhenunterschied zum angrenzenden Feld erkennbar. „Das Gefälle beträgt auf der Strecke zwischen den Kanten am Rand und der Sohle des ja noch einmal erhöhten Mittelweges in der Mitte des Geländes etwa drei Meter, und zwar konstant und flächig“, erläutert Haßmann. Dies belege „eindrucksvoll“, wie professionell beim Bau dieses Objektes vorgegangen worden sei. „Da ist nichts dem Zufall überlassen worden, alles auf die Wirkung hin optimiert“, interpretiert der Landesarchäologe die Bearbeitung des Bückeberges. „Damit ist schon die gestaltete Landschaft selbst ein Zeichen der Entschlossenheit in der Propaganda.“

Was wird nun aus diesen Aufnahmen? Neben dem bereits bestehenden digitalen Geländemodell in Bild- und Filmform, die in dem am Bückeberg geplanten Lern- und Dokumentationszentrum gezeigt werden könnten, sei dafür auch ein haptisches Modell vorstellbar, so Haßmann.



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