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Dokumentationsort Bückeberg ideal für „kritische Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus“

Gedenkstätten-Stiftung weist Kritik zurück

EMMERTHAL. Die besondere Bedeutung des Bückeberges als Dokumentations- und Lernort hat erneut die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten hervorgehoben. „Mit dem Bückeberg ergänzen wir die Dokumentations- und Gedenkstätten in Niedersachsen um einen zentralen Ort der nationalsozialistischen Selbstinszenierung“, teilte gestern Stiftungs-Geschäftsführer Jens-Christian Wagner mit.

veröffentlicht am 02.02.2018 um 15:28 Uhr
aktualisiert am 03.02.2018 um 12:25 Uhr

Bückeberg,Emmerthal, Foto: Dana

Mit Unverständnis reagiert er auf vehemente Kritik an dem Projekt aus dem lokalen Umfeld, wie es weiter heißt. „Die Finanzierung ist gesichert. Außerdem ist sichergestellt, dass das Gelände nicht überformt wird: Die landschaftsplanerischen Eingriffe sind minimal. Und dass der Ort Neonazis anziehen könnte, wie manche befürchten, halte ich für ausgesprochen unwahrscheinlich. Gerade die geplante kontextualisierende Kommentierung verhindert das.“

Die Stiftung in Celle – 2004 durch einen einstimmigen Gesetzesbeschluss des Niedersächsischen Landtags begründet und auch zuständig für Bergen-Belsen – beteiligt sich seit Jahren inhaltlich und finanziell an den Planungen für den Bückeberg. Sie wird für die Umsetzung der Pläne mindestens 150 000 Euro zur Verfügung stellen, wie in der Mitteilung hervorgehoben wurde. Weitere Mittel für das Projekt, dessen Kosten auf 450 000 Euro geschätzt werden, kommen vom Landkreis und weiteren Stiftungen.

Für die Etablierung der NS-Diktatur und die ideologische Durchdringung der propagierten „Volksgemeinschaft“ hatten die „Reichserntedankfeste“ der NS-Führung zwischen 1933 und 1937 am Bückeberg eine ähnliche Bedeutung wie die Maifeiern in Berlin und die Reichsparteitage in Nürnberg, wie die Einschätzung der Stiftung lautet. Dieser Bedeutung entsprechend solle das ehemalige Festgelände „behutsam umgestaltet“ werden.

„Es ist wichtig, nach der Funktionsweise der NS-Diktatur zu fragen. Jens-Christian Wagner Gedenkstätten-Stiftung
  • „Es ist wichtig, nach der Funktionsweise der NS-Diktatur zu fragen. Jens-Christian Wagner Gedenkstätten-Stiftung

„Es ist wichtig, dass wir nicht nur der Opfer des Nationalsozialismus würdig gedenken, sondern auch nach der Funktionsweise der NS-Diktatur fragen“, erklärt Wagner. „Dazu müssen wir uns viel stärker als bisher mit den Tätern, Mittätern und Zuschauern befassen und nach den Gründen fragen, warum die meisten Deutschen bereitwillig mitmachten. Der Dokumentationsort am Bückeberg bietet für eine solche kritische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ideale Voraussetzungen.“ Er begrüße, so Wagner, dass der Gestaltungsentwurf für den Dokumentationsort nun öffentlich im Kreishaus in Hameln präsentiert wird. Durch fundierte Information könne man die kontroverse Diskussion hoffentlich versachlichen. cb

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