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Arbeitsgruppe befasst sich mit dem Bückeberg / Gedenkstätten-Stiftung übernimmt Federführung

„Ein wesentlicher Schritt“

Emmerthal. Unter Federführung der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten mit Sitz in Celle soll im kommenden Jahr von einer fachübergreifenden Arbeitsgruppe ein „Masterplan“ für den 2011 unter Denkmalschutz gestellten Bückeberg in Emmerthal erarbeitet werden. Er soll als Grundlage für die Gestaltung und Erläuterung des Geländes sowie für die Umsetzung von Informationsmodulen und Bildungsangeboten dienen. Das teilte gestern die Stiftung mit, nachdem dazu ein Treffen im Rathaus Emmerthal stattgefunden hat. Auf Nachfrage bezeichnete es gestern Bürgermeister Andreas Grossmann als wichtig und gut, dass die Gemeinde „aktiv in den Prozess mit eingebunden ist“. „Ich sehe mich dabei als Anwalt der Bürgerschaft“, sagte Grossmann. „Ich glaube, dass ich die Gemütslage der Einwohner zum Umgang mit dem Bückeberg ganz gut einschätzen kann.“

veröffentlicht am 27.11.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 27.12.2017 um 14:25 Uhr

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Laut Mitteilung der Stiftung ist die Entwicklung des Bückebergs zu einem Informations- und Lernort „einen wesentlichen Schritt vorangekommen“. Dort hatten die Nationalsozialisten auf dem erheblich umgestalteten Gelände von 1933 bis 1937 die „Reichserntedankfeste“ durchgeführt, die mit teilweise mehr als einer Million Besucher neben den Feiern zum 1. Mai und den Reichsparteitagen zu den größten Propaganda-Massenveranstaltungen im Dritten Reich gehörten.

Die Teilnehmer des Gesprächs im Rathaus haben sich nun auf die Bildung einer Koordinierungsgruppe verständigt. In ihr sind die Gemeinde Emmerthal, der Landkreis Hameln-Pyrmont, der Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln e. V., das Museum Hameln, das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege und die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten vertreten. Das Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie das Ministerium für Landwirtschaft sollen ebenfalls beteiligt werden.

Grundlage für die Arbeitsgruppe sind Handlungsempfehlungen, die auf einem Expertenworkshop in Hameln Ende September entwickelt wurden (wir berichteten). „Der historische Ort Bückeberg soll als zentraler Ort in Niedersachsen zur Aufklärung über den Nationalsozialismus mit bundesweiter und internationaler Aufmerksamkeit entwickelt werden“, heißt es in dem zehn Punkte umfassenden Grundlagenprogramm. Die Experten sprachen sich im September dafür aus, dass keine Rekonstruktion von historischen baulichen Elementen des Ortes – dort befinden sich lediglich noch Fundamentreste der Tribüne – vorgesehen sei. Außerdem sei ein eigenständiges Dokumentationszentrum vor Ort derzeit nicht geplant. Wie bereits in den Handlungsempfehlungen betont die Stiftung auch gestern in ihrer Mitteilung: „Die Bevölkerung der Region soll in die Entwicklung einbezogen werden.“

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  • Nur Reste sind von den Aufbauten am Bückeberg zu sehen wie hier die Fundamente der Ehrentribüne. Eine Rekonstruktion ist nicht geplant.

„Und das ist eine klare Ansage“, sagte Dr. Habbo Knoch, Geschäftsführer der Stiftung, gestern auf Nachfrage. Es gehöre mit zu den ersten Schritten zu überlegen, wie die Öffentlichkeit in die weiteren Planungen zum Bückeberg einbezogen werden könnte. „Das ist kein Geheimprojekt.“

Die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten war im Jahr 2004 durch einen einstimmigen Gesetzesbeschluss des Landtags begründet worden. Sie erhält und gestaltet gemäß ihrem gesetzlichen Auftrag beispielsweise die Gedenkstätte Bergen-Belsen und die Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel „als Orte der Erinnerung an die Leiden der Opfer des Nationalsozialismus und der Opfer der Justizverbrechen sowie als Orte des Lernens für künftige Generationen“.

Die Koordinierungsgruppe hat ihre gemeinsame Verantwortung „für eine nachhaltige Lösung für den Bückeberg bekräftigt“, hieß es gestern in der Mitteilung. Dr. Knoch ergänzte, dass in Emmerthal zwar noch keine Details besprochen worden seien, wohl aber vorrangige Fragen, die es zu prüfen gelte. Dabei gehe es um Möglichkeiten, Bildungsangebote zu konkretisieren. Nachgedacht werden solle über Vorschläge, wie das Gelände gestaltet werden könne. Vorrangig sei auch, die historischen Quellen zum Bückeberg zu sichern, so der Geschäftsführer.

Wie Bürgermeister Grossmann ergänzend berichtete, habe er bei dem Treffen ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Gemeinde Emmerthal kein Geld für die weiteren Planungen zur Verfügung stellen könne. Auch um die Folgekosten wie Pflege oder Erneuerungsarbeiten müsse von anderen Seiten die Finanzierung gesichert werden. Die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten wies in ihrer Mitteilung darauf hin, dass es erforderlich sei, zusätzliche Gelder für den Bückeberg einzuwerben. Dr. Knoch nennt beispielsweise das Land Niedersachsen oder Stiftungen – „das sind die ersten Ansprechpartner“.cb

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