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Das „Ehrenmal“ für Horst Wessel auf dem Süntel

„Echter Sohn der niedersächsischen Erde“

Propagandaminister Goebbels hatte Horst Wessel systematisch zum „Märtyrer der Bewegung“ stilisiert. Horst Wessel war der fröhliche, aufrechte SA-Mann, der im Sumpf der Großstadt Berlin die Fahne der „Bewegung“ hochgehalten und im Kampf gegen die Kommunisten im Jahre 1930 sein junges Leben „geopfert“ hatte.

veröffentlicht am 29.02.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.12.2017 um 14:22 Uhr

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Autor:

Bernhard Gelderblom

Horst Wessel war Schöpfer des SA-Kampfliedes „Die Fahne hoch“, das dem Nationalsozialismus zur zweiten Nationalhymne wurde und immer zusammen mit dem Deutschland-Lied gesungen wurde. Viele Menschen haben im „Dritten Reich“ Horst Wessel verehrt und geliebt.

Das Weserbergland, aus dem sowohl die Mutter wie auch der Vater von Horst Wessel stammten, versuchte, nach dem politischen Machtwechsel sich nachdrücklich als nationalsozialistisches Kernland zu profilieren. Aushängeschilder waren das Reichserntedankfest auf dem Bückeberg und die Familiengeschichte des Parteihelden Horst Wessel. Dieser, so konnte man etwa 1934 im Heimatbuch des Kreises Hameln-Pyrmont lesen, sei ein „echter Sohn der niedersächsischen Erde“. Hier habe er in den Ferien bei seinen Großeltern in Dehrenberg bei Aerzen sowie einer Großtante in Hemeringen jedes Jahr unbeschwerte Wochen verbracht.

Der Archivar im Stift Fischbeck, Werner Konstantin von Arnswaldt, bereits seit 1930 Mitglied der NSDAP, schrieb 1933 in den Heimatblättern, einer Beilage zur Schaumburger Zeitung, dass die Tatkraft des jungen Horst Wessel in den „Bauerngeschlechtern der Grafschaft Schaumburg“ begründet gewesen sei. Aus dem „durch den Schweiß der Ahnen gedüngten“ Heimatboden habe er „die Tiefe des Gemüts“, den Mut und seine körperliche Kraft geschöpft.

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Der Rat der Stadt Hameln machte Mutter Margarete Wessel neben Hitler am 9. August 1933 zur Ehrenbürgerin und benannte den zwischen Hamelner Münster und Weserbrücke liegenden Platz nach ihrem Sohn.

Sehr viel aufwendiger war eine Planung, die vom Stabschef der SA, Viktor Lutze in Hannover, vom Kreis Hameln-Pyrmont sowie der Stadt Hameln betrieben wurde: der Bau eines Ehrenmals für Horst Wessel auf dem Süntel. Ein erster Entwurf stammte vom Hamelner Architekten und SS-Sturmführer Fritz Röpe.

Ein 1935 „reichsweit“ ausgeschriebener Wettbewerb sah ein gigantisches Ehrenmal vor, das nördlich der Stadt in Sichtachse zum Bückeberg oberhalb der ehemaligen Sandsteinbrüche auf dem Süntel errichtet werden sollte. Im Sandsteinbruch selbst sollte laut Planung eine riesige Freilichtbühne entstehen. Den ersten Platz belegten damals die Architekten Walter und Johannes Krüger, die das 1924-1927 erbaute Tannenberg-Denkmal in Ostpreußen entworfen hatten. Man rechnete mit Kosten von einer Million Reichsmark.

Als der Wettbewerb 1935 unter Leitung von Viktor Lutze entschieden wurde, war auch Albert Speer anwesend, um das geplante Ehrenmal mit dem nur etwa 15 Kilometer entfernten Festplatz auf dem Bückeberg in Einklang zu bringen.

Zu einer Realisierung dieses gigantischen „Ehrenmals“ ist es nie gekommen. Gebaut wurde stattdessen im Auftrag der Stadt Hameln nach Plänen des „Gartengestalters“ Wolf ein vergleichsweise bescheidener zwölf Meter hoher Turm, der sich aus einem massiven Sockel erhob und die Inschrift „Horst Wessel“ trug und dessen Spitze ein fünf Meter großes Hakenkreuz aus Stahl krönte. Die Bauausführung lag bei Maurermeister Röbbecke aus Pötzen.

Die massive Steinsäule maß im Querschnitt 1,60 x 1,60 Meter und war wie der Sockel aus Naturstein gebaut. Der Besitzer des Steinbruchs aus Unsen hatte das Steinmaterial und die Forstgenossenschaft Welliehausen den Platz für das Ehrenmal kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Fläche vor dem Denkmal bot über 1000 Menschen Platz. Festredner bei der Einweihung, die am 26. Februar 1939 stattfand, war der SA-Oberführer und Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont, Dr. Helmut Lambert.

Ob bei der geringen Höhe des „Ehrenmals“ der intendierte Sichtbezug zum Bückeberg realisiert werden konnte, bleibt fraglich. Ein überschwänglicher Bericht der Deister- und Weserzeitung (10.5.1938) hob besonders die Lage des Denkmals hervor.

„Aus dunklem Fichtenhain strebt es empor und schaut weit über das Weserland, hinunter zu jener Stätte, wo einst Horst Wessel, der junge Blutzeuge der nationalsozialistischen Bewegung, in froher Unbekümmertheit seine Jugend verlebte, wo sein Großvater den alten Erbhof bewirtschaftete und Vater und Mutter zu Hause waren und dem jungen Horst den kämpferischen Geist mitgaben, der das motorische Element allen Handelns ist.“

Wie Zeitzeugen berichten, wurde das Horst-Wessel-Ehrenmal in den folgenden Jahren von der Bevölkerung zahlreich besucht. „Alle Klassen mussten da vorbei.“

Am 20. April 1945 haben US-amerikanische Truppen das Denkmal gesprengt. Sein massiver Körper liegt heute fast unversehrt auf dem Waldboden des Süntel.

Weitere historische Fotos gibt es im Internet unter zeitreise.dewezet.de

Das Horst-Wessel-Denkmal auf dem Süntel auf einer zeitgenössischen Postkarte (li.) und der Stumpf des umgestürzten Denkmals heute.

Fotos: Archiv/bg

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