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Die Planung eines Rundwegs auf dem Schauplatz der „Reichserntedankfeste“ nimmt konkrete Formen an

Der Bückeberg soll „Lernort“ werden

veröffentlicht am 27.09.2016 um 18:17 Uhr
aktualisiert am 27.12.2017 um 14:40 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß

Für die Planung stehen dem Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln e.V. seit April Finanzmittel in Höhe von 120 000 Euro zur Verfügung. Die Hälfte hat die Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten beigesteuert, den Rest unter anderem die Sparkasse in Hameln, die Dewezet und der Landkreis Hameln-Pyrmont, der mit Zustimmung des Kreistags dieses Projekt unterstützt.

Landrat Tjark Bartels hält den Plan, auf dem Bückeberg einen Rundweg mit einem historisch-topografischen Informationssystem auszustatten, für sehr wichtig für den Landkreis, weil der Bückeberg, wie Projektleiter Gelderblom erklärte, Ort der größten NS-Massenveranstaltungen und fester Bestandteil des „NS-Festkalenders“ gewesen sei. „Bergen-Belsen und der Bückeberg gehören zusammen, weil sie Teil des Systems waren“, erklärte Gelderblom am Montag bei der Vorstellung des Projekts. Im Dezember soll es sowohl dem Emmerthaler Gemeinderat als auch dem Kreistag vorgestellt werden.

Um die Planung voranzutreiben, hat der Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln im April zwei halbe Stellen für Anett Schweitzer und Keller-Holte geschaffen. Die beiden beschäftigen sich derzeit vor allem damit, in den Staatsarchiven in Hannover, Detmold und Wolfenbüttel neue Archivalien zu erschließen und Fotos zu sammeln. In Detmold hat Keller-Holte den komplett erhaltenen Schriftverkehr der lippischen NS-Kreisleitung mit der damaligen Gauleitung entdeckt. „Das ist eine absolute Ausnahme“, berichtete Keller-Holte, „denn 1945 zerstörten die Nazis ihre eigenen Unterlagen komplett. In Lippe war man da wohl etwas zu langsam.“ Aus den Unterlagen gehe hervor, „dass die Rekrutierung der Teilnehmer des Reichserntedankfestes generalstabsmäßig organisiert war“. Bauern seien auf dem „Reichserntedankfest“ unterrepräsentiert gewesen, hat Keller-Holte bei Sichtung der Unterlagen festgestellt. Es seien vor allem Beamte und Parteimitglieder verpflichtet worden, die Veranstaltung zu besuchen, zu der zahlreiche Sonderzüge eingesetzt wurden. Sie sollten nicht nur mit jeweils eintausend Passagieren bis auf den letzten Platz belegt sein, sondern jeweils noch mit 200 zusätzlichen Teilnehmern. Aus den gut dokumentierten Zahlen dieser Sonderzüge leitet Gelderblom auch die Teilnehmerzahlen ab. 1933 waren es danach etwa 500 000, 1937 rund 1,2 Millionen Menschen, von denen Hitler sich auf dem Bückeberg bejubeln ließ. Der Berg hatte nach Darstellung von Gelderblom, der bereits seit 20 Jahren an dem Thema arbeitet, ursprünglich nicht die Form, wie er heute zu erleben ist. „Da wurde im Auftrag von Goebbels jedes Jahr hart daran gearbeitet, um den Rahmen für die Massenveranstaltung im Sinne der NS-Propaganda zu verbessern.“

Mit dem historisch-topografischen Informationssystem soll das „Reichserntedankfest“ als das entlarvt werden, was es nach Aussage Gelderbloms war. „Es war ein gewaltförmiges Fest mit militärischem Charakter, mit dem die Menschen auf Krieg und Eroberung eingestimmt wurden.“ Wo genau der etwa 1500 Meter lange Rundweg über den Bückeburg mit den entsprechenden Informationstafeln verlaufen soll, steht noch nicht fest.

Erste Gespräche mit der Domänenkammer und dem Domänenpächter Andreas Riecke seien positiv verlaufen, betonten Landrat Tjark Bartels und Gelderblom, doch müssten entsprechende Verträge mit Grundrechtsabtretungen erst noch verhandelt und abgeschlossen werden. Die Verwirklichung des Rundwegs werde nicht vor 2018 beginnen, machte Gelderblom klar. Auch eine Website sei geplant, die vor allem pädagogisches Begleitmaterial anbieten soll.



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