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Vizepräsident des Landtages: „Wichtiges Thema nicht im politischen Streit untergehen lassen“

CDU-Landespolitiker Busemann wirbt für Bückeberg-Pläne

EMMERTHAL/HANNOVER. Mit Bernd Busemann wirbt nun auch ein prominenter CDU-Landespolitiker für die Pläne, am Emmerthaler Bückeberg einen Dokumentations- und Lernort zur früheren NS-Propagandaveranstaltung „Reichserntedankfeste“ zu schaffen. Damit setzt er sich ab von vielen Christdemokraten vor Ort.

veröffentlicht am 06.06.2018 um 16:11 Uhr

Emmerthal, Bückeberg, Foto: Dana
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite

„Ich bitte darum, dieses überregional wichtige Thema nicht im politischen Streit vor Ort untergehen zu lassen“, sagte am Mittwoch auf Nachfrage unserer Zeitung der Landtagsabgeordnete und Vizepräsident des niedersächsischen Landtages. Busemann gehört außerdem dem Stiftungsrat der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten an, die das Bückeberg-Projekt inhaltlich und finanziell maßgeblich fördert.

Ihm sei bewusst, dass Parteifreunde in Emmerthal und auf Kreisebene skeptisch bis ablehnend den Planungen gegenüberstünden, sagte der CDU-Politiker. Dennoch werbe er für den Dokumentations- und Lernort am Bückeberg mit der dringenden Bitte, das Konzept umzusetzen. „Ich wäre dankbar für eine breite Mehrheit des Kreistages, um hier ein Signal zu setzen“, sagte er. Von „mir gibt es dazu ein ganz klares Bekenntnis“, erklärt der frühere niedersächsische Kultus- und Justizminister, der über lange Jahre die Gedenkstättenarbeit auch als Stiftungsratsvorsitzender begleitet hat. Ausdrücklich unterstützt Busemann die Erklärungen der Stiftung mit ihrem Geschäftsführer Dr. Jens-Christian Wagner von Februar und April. „Ihm kann ich nur beipflichten“, erklärt er.

„Die NS-Verbrechen waren Regime- und Gesellschaftsverbrechen, die auf allen Ebenen begangen wurden“, erklärte dabei beispielsweise Wagner. „Deshalb ist es Aufgabe der gesamten Gesellschaft, sich kritisch mit ihnen auseinanderzusetzen.“ Das gelte auf politischer Ebene für den Bund, das Land und die Kommunen gleichermaßen, und es gelte sowohl für Tat- als auch für Täterorte.

„Wir sollten dankbar sein, hier ein Stück Gedenkstättenkultur sichtbar zu machen. Bernd Busemann CDU-Landtagsabgeordneter
  • „Wir sollten dankbar sein, hier ein Stück Gedenkstättenkultur sichtbar zu machen. Bernd Busemann CDU-Landtagsabgeordneter

Busemann zeigt sich bestens informiert – sowohl bei den Tat- als auch Täterorten. Beispielsweise hat er sich in den vergangenen Jahren massiv für die Gedenkstätte Bergen-Belsen eingesetzt. Bei seinem ersten offiziellen Besuch dort als damaliger Landtagspräsident betonte er 2013, wie wichtig es sei, auch für künftige Generationen die Erinnerung lebendig zu halten. „Gedenkstätten müssen mehr als Museen sein. Auch 70 Jahre nach Kriegsende sind ihre Botschaften aktuell“, hieß es damals in seiner Erklärung.

Zuletzt hatte es Kritik von der heimischen Abgeordneten der Grünen, Anja Piel, an der CDU-Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast aus Bad Münder gegeben. Als Kreistagsabgeordnete hätte sie sich nicht an der Abstimmung zum Bückeberg beteiligt. „Sie sind Ministerin und als solche tragen Sie Verantwortung für alle Niedersachsen und müssen Ihren Rücken grademachen und eine Haltung zeigen“, warf Piel ihr im April vor. Umstritten sind auch Aussagen von Niedersachsens CDU-Generalsekretär Kai Seefried (MdL), der die Unterstützung seiner Emmerthaler Parteifreunde für einen AfD-Antrag zur Einwohnerbefragung zum Bückeberg verteidigt hat. „Wenn man zu der politischen Überzeugung gelangt, eine solche Bürgerbeteiligung durchzuführen, darf die Durchführung nicht davon abhängen, wer einen solchen Antrag zuerst gestellt hat“, hatte der Generalsekretär im Februar gegenüber unserer Zeitung erklärt.

Busemann selbst kommt aus dem Emsland. Dort befindet sich die Gedenkstätte Esterwegen, die an die 15 Emslandlager und ihre Opfer im Nationalsozialismus erinnert. Auch dort an den ehemaligen Konzentrationslagern hatte sich der CDU-Politiker immer wieder für den Mahnort eingesetzt.

Zwar stelle sich die Situation am Bückeberg als Ort der Propaganda anders dar, doch „die Inszenierung des Regimes“ gehöre mit dazu, um die Geschichte des Nationalsozialismus zu verstehen. „Auch das darf nicht vergessen werden“ sagt der CDU-Landespolitiker. Die Kosten für den Lern- und Dokumentationsort halte er für „moderat“, die Gestaltungspläne für „behutsam“. Als wichtig sehe er die wissenschaftliche Begleitung des Projektes an. Busemann erklärt zum Bückeberg: „Wir sollten dankbar sein, hier ein Stück Gedenkstättenkultur sichtbar zu machen.“



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