weather-image
Gut 50 Teilnehmer beratschlagen Pläne für Lernort

Bürgerdialog zum Bückeberg: Besonnen statt verbissen

HAMELN/EMMERTHAL. Es gehe nicht mehr um die Frage, ob der Lernort am Bückeberg kommt, sondern nur noch um das Wie. Daran erinnerte Landrat Tjark Bartels beim Bürgerdialog am Donnerstag mehrfach, wenn die Gegner des Projekts mal wieder versuchten, erneut in die Grundsatzdiskussion zu gehen.

veröffentlicht am 25.05.2018 um 18:58 Uhr
aktualisiert am 25.05.2018 um 19:40 Uhr

Thomas Jürgens (li.) von den Grünen war einer von mehreren Kommunalpolitikern, die sich am Bürgerdialog über den Bückeberg im Kreishaus beteiligten. Foto: pk
Philipp Killmann

Autor

Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Es gehe nun nicht mehr um die Frage, ob der die propagandistischen Reichserntedankfeste der Nazis dokumentierende Lernort am Bückeberg kommt, sondern nur noch um das Wie. Daran erinnerte Landrat Tjark Bartels am Donnerstag mehrfach, wenn die Kritiker des Projekts mal wieder versuchten, erneut in die Grundsatzdiskussion zu gehen. Bartels hatte an diesem Abend zum ersten von zwei geplanten Bürgerdialogen über das Projekt Bückeberg eingeladen. Dabei sollten Anregungen oder Änderungswünsche aus der Bevölkerung zu dem vom Kreistag beschlossenen Entwurf für die Gestaltung des Bückebergs diskutiert und gegebenenfalls noch mit aufgenommen werden.

Anders als bei vorangegangenen, häufig äußerst hitzigen Debatten verlief diese Diskussion mit dreieinhalb Stunden zwar durchaus langwierig, aber relativ ruhig. Die Anzahl der Gegner des Bückeberg-Projekts, die sich selbst lieber als „Kritiker“ bezeichnen, war überschaubar. Zumindest gaben sich von den insgesamt gut 50 Teilnehmern hauptsächlich die Emmerthaler Initiatoren der Unterschriftenaktion gegen das Projekt als Gegner zu erkennen. Doch ihre Erregung und ihr Drang, die Diskussion zum wiederholten Male von Grund auf neu aufzurollen, obwohl der Kreistag längst einen Mehrheitsbeschluss für das Projekt gefasst hat, nahmen im Laufe des Abends merklich ab, zumal auch von ihnen hervorgebrachte Anregungen aufgegriffen wurden.

Diskutiert wurden zunächst vor allem die Vorschläge, welche die Kreisverwaltung bereits im Vorfeld entweder persönlich, schriftlich oder telefonisch entgegengenommen oder aus in der Dewezet erschienenen Leserbriefen entnommen hatte; erweitert um die Anregungen, die im Zuge dieses Bürgerdialogs zur Sprache kamen:

Gegenstand andauernder Debatten: der Bückeberg, an dem die Nazis ihre propagandistischen Reichserntedankfeste feierten. Foto: dpa
  • Gegenstand andauernder Debatten: der Bückeberg, an dem die Nazis ihre propagandistischen Reichserntedankfeste feierten. Foto: dpa

Barrierefreiheit/Barrierearmut auf gesamtem Gelände:

Nicht beziehungsweise nur eingeschränkt möglich wegen des starken Gefälles. Neben der oberen Hangfläche sollte aber auch der untere Bereich barrierefrei gestaltet werden.

Bau einer WC-Anlage:

Könnte in Absprache mit der Gemeinde Emmerthal neben oder nahe des Friedhofs entstehen, idealerweise nicht nur im unteren, sondern auch im oberen Bereich.

Beschilderung für Auto- und Radfahrer:

Soll der besseren Anbindung an das bestehende Wegenetz dienen, insbesondere an das touristische. Eingebunden werden sollte auch die Personenschifffahrt der Flotte Weser. Angemerkt wurde zudem, dass der Bückeberg auch vom Klütturm aus sichtbar sei. Insofern könnte auch dort auf den Lernort hingewiesen werden.

Parkplätze und Abstellflächen für Radfahrer:

Sollten sowohl am oberen als auch am unteren Zugang zum Gelände entstehen, wobei der Busverkehr besondere Berücksichtigung finden müsste.

Steg/Plattform am Ostabhang:

Würde Blick auf Felder freigeben, auf denen sich während der Reichserntedankfeste die Zeltplätze und Versorgungseinrichtungen befanden. Sei laut Bückeberg-Initiator Bernhard Gelderblom „nicht zwingend nötig“, aber vielleicht später einmal mit Geld vom Bund zu realisieren.

Gestaltung der oberen Tribüne:

Ein Teil des Bewuchses sollte so belassen werden, um den Kontrast von früher und heute sowie die Vergänglichkeit aufzuzeigen. Darüber hinaus sollte dokumentiert werden, wie mit dem Bückeberg umgegangen wurde und wird und damit der gesamte Konflikt rund um das Projekt.

„Grünes“ Klassenzimmer:

Eine Art offene Hütte, damit bei fast jedem Wetter vor Ort Unterricht gegeben werden kann. Würde Kindern und Jugendlichen Zugang erleichtern. Mehrere Anwesende, darunter auch ein junger Mann, der gerade sein Abitur gemacht hat, sprachen sich dafür aus, statt einer Hütte ein wetterfestes Gebäude zu bauen.

Rock-Konzert auf dem Bückeberg:

Fand keinen großen Widerhall. Eine Ausstellung, Kulturveranstaltungen sowie anhaltende Diskussionen zum Bückeberg direkt vor Ort würden hingegen von vielen begrüßt.

Skulpturenpark:

Gilt als verworfen, da selbst mehrere meterhohe Skulpturen auf dem weitläufigen Gelände optisch untergehen würden.

Tastmodell:

Kommt, wie Bernhard Gelderblom anmerkte. Die Klosterkammer habe sich bereit erklärt, eins zu finanzieren.

Smartphone-Kompatibilität:

Weitgehende Einigkeit darüber, den Bückeberg auch via Smartphone erfahrbar zu gestalten.

Nördliches Areal weglassen:

Meinungen gehen auseinander: Manche halten den Bereich für unverzichtbar, weil sich dort die Rednertribüne befunden hat.

Umgang mit möglichen Neonaziaufmärschen:

Bartels will den Ort mit Deutungshoheit gemäß der Verfassung belegen, um Neonazis fernzuhalten – und rät ansonsten, die Polizei zu alarmieren.

„Propaganda“-Schriftzug:

Von Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten verworfen. Überlegung, anderweitig auf Gelände aufmerksam zu machen, steht weiter im Raum.

Die Kreisverwaltung wertet diese Anregungen und Vorschläge nun aus und lädt für Donnerstag, 7. Juni, zum zweiten Teil des Bürgerdialogs ein. Dort sollen die Anregungen erneut zur abschließenden Diskussion gestellt werden.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt