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Diskussionsrunde verblüfft von Widerstand

Bückeberg: Experten und Einwohner diskutieren auf Augenhöhe

HAMELN-PYRMONT. Das Fachforum „Erinnerungskultur Bückeberg“ am Freitag im Alten Hallenbad hat den Teilnehmern offenbar einiges abverlangt. Zumindest wohnte am Abend von den zunächst gut 120 Besuchern nur noch etwa die Hälfte der abschließenden Podiumsdiskussion bei. Dies war womöglich dem strammen Programm geschuldet.

veröffentlicht am 23.02.2018 um 22:00 Uhr

Frank Werner (v. li.), Chefredakteur von Zeit-Geschichte, moderiert die Podiumsdiskussion im Alten Hallenbad mit Landesarchäologe Dr. Henning Haßmann, Landrat Tjark Bartels, Jens-Christian Wagner von der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Kirst
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite

Zum Zeitpunkt der Podiumsdiskussion hatten die verbliebenen Teilnehmer schon mehrere längere Vorträge hinter sich (siehe unten). Auch hatten sie sich unter fachlicher Begleitung bereits in vier Diskussionsforen mit NS-Dokumentationsstätten als Lernort und deren Wirkung, Politik der Ausgrenzung sowie mit der Reichsbauernstadt Goslar auseinandergesetzt. In der Podiumsdiskussion wurde die Problematik, mit denen sich die Befürworter der geplanten Doku-Stätte am Bückeberg konfrontiert sehen, noch einmal deutlich.

Ob die Hamelner Diskussion um das Projekt etwa eine ganz „eigene Dynamik“ habe, wollte Moderator Frank Werner, der ehemalige Dewezet-Chefredakteur und heutige Chefredakteur des Geschichtsmagazins der „Zeit“, wissen. Dr. Jens-Christian Wagner, der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, sprach von einer „diffusen Gemengelage“, die sich aus einer Zunahme von „Populismus, einer Renaissance des Nationalismus, Schuldabwehr und einem Generationenbruch“ zusammensetze. Besorgt stelle er allgemein ein „nachlassendes Bewusstsein“ über die Bedeutung der Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen fest. Konkreter wurde Bernhard Gelderblom. Er glaube, dass der Hass, den er zu spüren bekomme, daher rühre, dass er „den Emmerthalern ihr Fest“, das „schon in der Erinnerung eingeschlossen“ gewesen sei, „weggerissen, desillusioniert, zerstört“ habe. Nahezu geschlossen verblüfft zeigte sich die Diskussionsrunde über das Ausmaß des Widerstands, auf den das Projekt insbesondere seit dem Herbst letzten Jahres stößt.

Aber sei es klug, weiter auf Konfrontation zu setzen, anstatt vielleicht eine Runde extra zu drehen, um doch noch einen Konsens zu finden?, fragte Frank Werner in die Runde. „Es ist keine Bereitschaft zum Gespräch, kein Wille zum Konsens da“, antwortete Bernhard Gelderblom. Tatsächlich fand sich bei dieser Veranstaltung so gut wie keiner derjenigen, die sich bislang am lautesten gegen das Projekt ausgesprochen hatten.

Landesarchäologe Dr. Henning Haßmann versuchte sich in Selbstkritik: „Vielleicht hätte man sich mehr beeilen und vor Ort mehr diskutieren müssen, als der Bückeberg gerade (2011; Anm. d. Red.) unter Denkmalschutz gestellt wurde.“

Das letzte Wort hat am 13. März der Kreistag. Doch keine 10 der insgesamt 51 Kreistagspolitiker waren gestern beim Fachforum anzutreffen.



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